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In Schieflage: Die Senkungen am Ochtmisser Kirchsteig sind deutlich sichtbar, aktuellen Messungen zufolge haben sie nun wieder zugenommen. Anwohner vermuten, das könnte am Verkehr liegen. Foto: be
In Schieflage: Die Senkungen am Ochtmisser Kirchsteig sind deutlich sichtbar, aktuellen Messungen zufolge haben sie nun wieder zugenommen. Anwohner vermuten, das könnte am Verkehr liegen. Foto: be

Erde gibt am Ochtmisser Kirchsteig nach

ca Lüneburg. Der Anwohner am Ochtmisser Kirchsteig war erschrocken: Am Mittwoch klaffte in seinem Garten ein drei Meter tiefes Loch, der Krater war an der Oberfläche rund zwei Meter breit. Der Mann rief die Stadt an, die kam mit dem Statiker Herbert Böller und dem Geologen Thorsten Trapp an den Ochtmisser Kirchsteig, um den Erdfall zu begutachten. Die Entscheidung: mit Sand verfüllen. Im Rathaus sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck: „So sollte ein weiteres Nachbrechen und ein möglicher Gebäudeschaden verhindert werden.“

Der Ochtmisser Kirchsteig gehört seit Anfang der 2000er-Jahre zu den problematischen Bereichen der Stadt. Die Erde senkt sich dramatisch, in der Folge neigen sich Häuser. Anwohner mussten Wände und Giebel mit langen Stahlankern verbinden, damit Gebäude nicht auseinanderbrechen. In einem Gebäude beispielsweise besteht von der Eingangstür an der Straßenseite bis zum anderen Ende im Garten ein Höhenunterschied von 80 Zentimetern. Manch ein Besucher zweifelt an seinem Gleichgewichtssinn und versucht, die Schräglage auszugleichen.

Die Stadt geht nach Gutachten davon aus, dass Ausspülungen im Boden, verursacht durch Regen und Tauwasser, in mehr als 80 Metern Tiefe zu den Senkungen führen. Anwohner hingegen hatten einen Zusammenhang mit dem Bau des Kreisels an Mönchsgarten gesehen. Doch damit konnten sie sich nicht durchsetzen. Ein Obergutachter verneinte einen Zusammenhang zwischen Erdarbeiten und den Bewegungen. Die seien durch die Bodenverhältnisse bedingt.

Während die Absackungen an den Messpunkten, die die Stadt setzen ließ, abgenommen hatten, gewinnt die Senkungsgeschwindigkeit nun offenbar wieder an Tempo. Laut Suzanne Moenck lag der Wert für das Jahr 2015 bei 12 Zentimetern, bis Endes des laufenden Jahres werden 25 Zentimeter erwartet. Das läge dann wieder im „Spitzenbereich“ vergangener Jahre. Die Folgen sind ungewiss.

Anwohner vermuten, dass vom Verkehr verursachte Erschütterungen die Schäden an ihren Gebäuden verschlimmern. Es würden mehr Autos über den Kirchsteig rollen, seitdem die Willy-Brandt-Straße wegen des Abrisses der Brücke gesperrt ist. Zwar gilt am Ochtmisser Kirchsteig ein Tempolimit von 20 km/h und eine Gewichtsbegrenzung für Fahrzeuge von 3,5 Tonnen. Doch Nachbarn berichten, dass an ihren Grundstücken auch Reisebusse und Laster mit auswärtigen Kennzeichen vorbei rollten die Fahrer hätten die Schilder wohl schlicht ignoriert.

Die Stadt hat jetzt ihren Ordnungsdienst an die Straße geschickt. Der soll Autos zählen und auf die Lage aufmerksam machen, auch die Polizei sei eingeschaltet. Nur sie dürfte den rollenden Verkehr stoppen. Ein Anwohner macht den Vorschlag, zu den bestehenden Verkehrsinseln eine weitere in Höhe des Sportplatzes der Herderschule zu setzen, um so Autofahrer zum Bremsen zu bringen. Suzanne Moenck verspricht: „Wir prüfen das.“

Der Boden gibt bekanntlich nicht nur am Kirchsteig nach. An der Frommestraße verfügte die Stadt Lüneburg den Abriss zweier Häuser aufgrund von Einsturzgefahr. Auch dort sackt die Oberfläche ab. Die Dramatik ist mit bloßem Auge zu erkennen.

Ob es am Ochtmisser Kirchsteig zu einem weiteren Erdfall kommen kann, bleibt Spekulation. „Das kann man nicht vorhersehen“, sagt die Sprecherin. Also könne man sich auch nicht wappnen. In der Vergangenheit taten sich immer wieder Löcher im Boden auf. Das ist seit Jahrhunderten bekannt. Zu den beiden aktuellsten Erdfällen kam es 2010 Hinter der Saline und 2007 an der Lauensteinstraße.

One comment

  1. Durch die Verkehrsinseln am O-Kirchsteig kommt es häufig zu brenzligen Situationen weil immer wieder Autofahrer versuchen eine nicht vorhandene Vorfahrt zu erzwingen um nicht hinter einer Insel halten zu müssen. Ich erlebe das dort täglich. Auch um die Radfahrer ist mir dort manchmal Angst und Bange, weil sie von vielen Fahrzeugen nahezu ignoriert werden. Besonders kritisch wird dies bei Unterrichtsschluss an der Herderschule.
    Es grenzt an Wunder dass dort noch nichts ernsthaftes passiert ist. Das gilt auch für die Bushaltestelle im oberen Bereich des Kirchsteigs bei Schulschluss. Ich meide den Kirchsteig zu diesen Zeiten deshalb schon bewusst. Aber einen Bus oder gar LKW habe ich in der 20er Zone noch nie erlebt. Aber auch ohne Bus oder LKW ist dieser Bereich zu manchen Zeiten so schon eine Katastrophe.