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Sie machen sich gegen eine Bebauung der Freifläche am Wienebütteler Weg stark: (v.l.) Tille Kuckulies, Oliver Werner, Rainer und Petra Vollmer, Antje Blauert und Angela Ritter. Foto: t&w
Sie machen sich gegen eine Bebauung der Freifläche am Wienebütteler Weg stark: (v.l.) Tille Kuckulies, Oliver Werner, Rainer und Petra Vollmer, Antje Blauert und Angela Ritter. Foto: t&w

Widerstand gegen Bebauung „Am Wienebütteler Weg“

as Lüneburg. Ein frischer Wind weht über den Acker zwischen Wienebütteler Weg und der Bebauung am Brockwinkler Weg. Nach Plänen der Stadt soll hier ein Neubaugebiet mit bis zu 260 Wohneinheiten entstehen. Tille Kuckulies und Rainer Vollmer wollen das verhindern: „Unser Ziel ist es, dass es zu keiner Bebauung kommt, weil dadurch die Kalt- und Frischluftzufuhr in die Stadt gekappt würde. Außerdem dient das Areal als wohnortnahes Erholungsgebiet.“ Die beiden Lüneburger gehören zum Verein Grün­erhalt West, der in Gründung ist. Derzeit sammelt die Gruppe Unterschriften für einen Einwohnerantrag, mittels dessen sie in einer Ratssitzung der Verwaltung und Politik ihre Gründe erläutern wollen, die aus ihrer Sicht für eine Einstellung des Verfahrens für das Neubaugebiet sprechen. 2500 Unterschriften sind dafür notwendig.

Das geplante Neubaugebiet „Am Wienebütteler Weg“ will die Stadt im Rahmen ihres Wohnungsbauprogramms entwickeln. Der Rat der Stadt hatte das Programm im vergangenen November mehrheitlich zustimmend zur Kenntnis genommen, nur die Grünen hatten dagegen gestimmt. Nun soll der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Am Wienebütteler Weg“ im Bauausschuss am kommenden Montag erfolgen. Vertreter des neuen Vereins sind erstaunt über die Eile.

Rainer Vollmer und Tille Kuckulies machen deutlich: „Das geplante Neubaugebiet ist Teil des Grüngürtels des Guts Wienebüttel und Lüneburg West. Die Fläche wird landwirtschaftlich genutzt, dient zur regionalen Versorgung. Außerdem ist sie Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten und dient als Naherholungsgebiet.“

Ein wesentlicher Aspekt ihrer Argumentation: Die Fläche sei Kaltluftentstehungsgebiet, die westlich angrenzende Fläche gilt als Frischluftentstehungsgebiet. „Für uns ist unverständlich, dass der Bauausschuss über die Änderung des Flächennutzungsplanes und den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan abstimmen soll, ohne dass ein endgültiges Klimagutachten vorliegt“, sagt Kuckulies. Denn mittels Gutachten müsse abgeklärt werden, wie sich die Bebauung auf eine Kalt- und Frischluftversorgung der Innenstadt auswirke, stellen Umwelt- und Naturschutzverbände klar.

Die Stadt hatte jüngst erklärt, Grundzüge des Gutachtens würden im Bauausschuss vorgestellt, es müsse aber weiter ausgearbeitet werden. Kuckulies richtet den Blick auf die Gruppenvereinbarung von Rot-Grün: „Darin heißt es doch, dass die Frischluftschneise im westlichen Stadtgebiet weiter gesichert wird.“

Kritisch sehen Antje Blauert und Oliver Werner, die ebensfalls zur Initiative gehören, zudem, dass das Verkehrsaufkommen durch das Neubaugebiet „massiv zunehmen wird“. Das ginge zu Lasten der Anwohner des Brockwinkler Wegs und des Wienebütteler Wegs, hier sei jetzt schon das Verkehrsaufkommen hoch. „Dabei hieß es 1998, als wir unser Haus am Brockwinkler Weg gebaut haben, seitens der Bauverwaltung, dass die Freifläche dahinter nicht bebaut werden dürfe wegen der Frischluftzufuhr“, erinnert sich Petra Vollmer.

Statt auf Neubaugebiete zu setzen, „sind wir für Innenentwicklung“, lautet der Tenor in der Initiative. Darauf pochen auch der grüne Ortsverband und Umweltverbände. Ihre Vorstellungen gehen aber weit über das, was das Wohnungsbauprogramm der Stadt vorsieht, hinaus. Danach sollen von den 2100 Wohneinheiten, die bis 2021 geschaffen werden könnten, 500 über Nachverdichtung erfolgen.

Spannungsfeld zwischen Wohnungsnot und Naturschutz

Es ist eine Zwickmühle: Stimmt der Bauausschuss des Rates am Montag dem Aufstellungsbeschluss zur Ausweisung des Baugebietes am Wienebütteler Weg zu, widerspricht er seinem Beschluss zur Sicherung des Grüngürtels West. Sagt er aber Ja zur Frischluftschneise für Lüneburg, geht ihm dringend erforderliches Bauland verloren. Die Verwaltung hat ihrerseits die Prioritäten offenbar bereits gesetzt.

„Was wir brauchen, sind Wohnungen“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Bereits in der jüngsten Ratssitzung hatte er erkennen lassen, dass es für eine von den Grünen angestrebte Unterschutzstellung der betroffenen Freiflächen keine Grundlage gebe (LZ berichtete). Das stieß bei den Umweltverbänden BUND und Nabu auf Kritik. „Die Aussage von Herrn Mädge, dass es keine Grundlage für ein Landschaftsschutzgebiet gibt, ist fachlich nicht haltbar. Der Grüngürtel ist als Kaltluftentstehungsgebiet schutzwürdig und durch den Siedlungsdruck auch schutzbedürftig“, sagt Nabu-Mitglied Inga Niederhausen. Schriftlich wandten sie sich an Rat und Stadt und zeigten auf, dass aus ihrer Sicht die Gesetzeslage eine Unterschutzstellung der Flächen durchaus ermögliche.

„Gesetze können wir selbst lesen“, reagiert Mädge gereizt. Die Stadt habe im Bauausschuss und im Rat dargestellt, dass 80 Prozent des Grüngürtels bereits unter Schutz stünden, nur 20 Prozent noch fehlten. Außerdem werde man mit Vögelsen und Reppenstedt Gespräche führen, um den Grüngürtel zu schließen. Danach soll erarbeitet werden, wie dieser geschützt werden kann. Jetzt gelte es, Wohnungen zu schaffen. „Dabei würde ich mir, ehrlich gesagt, mehr konstruktive Begleitung wünschen. Formalien schaffen keine einzige Wohnung.“

Der grüne Gruppenpartner zeigt für dieses Vorgehen kein Verständnis. Die Fraktion erklärt, dem Aufstellungsbeschluss nicht zustimmen zu wollen, solange kein Klimagutachten für das Gebiet am Wienebütteler Weg vorliegt. Andreas Meihsies sieht die Schuld für das Dilemma indes auch in der eigenen Partei: „Der monatelange Wackelkurs der Grünen hat den Oberbürgermeister ermutigt, jetzt Vorlagen zu Wienebüttel auf den Weg zubringen.“ Zudem sei es falsch gewesen, den Antrag in den Bauausschuss zu verweisen. „Der Rat sollte Farbe bekennen.“

Ablehnung zum Aufstellungsbeschluss kommt auch von der FDP: „Bevor wir irgendwas entscheiden, halte ich das Klimagutachten für diesen Bereich für dringend erforderlich, damit wir uns über die Konsequenzen für unsere Stadt im Klaren sind. Wenn das Ergebnis sein sollte, dass wir diesen klimatischen Ausgleichsraum erhalten müssen, ist ein Unterschutzstellen durch Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes geboten“, sagt Birte Schellmann.

Die CDU sieht zunächst die Stadt am Zug: „Verwaltung und Oberbürgermeister sind gefordert, die Situation sauber und transparent aufzuarbeiten, die rechtliche Situation genau darzulegen und bestenfalls die Vorwürfe der Verbände zu entkräften“, sagt Fraktionschef Niels Webersinn. „Wir als CDU werden uns, wie schon 2014, für den effektiven Schutz des Grüngürtels West einsetzen.“

„Wir sollten zunächst die Problemgebiete zu den Nachbarn Vögelsen und Reppenstedt klären, bevor wir in Lüneburg etwas beschließen“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus-Dieter Salewski. Dazu sei man mit den Gemeinden im Gespräch.

Die Linke hat im Bauausschuss kein Stimmrecht, die Piraten haben sich nicht zur Sache geäußert. us

Mehr dazu:

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Wohnraum für Lüneburg oder grüner Westen?

 

7 Kommentare

  1. Sebastian Rehberg

    Kappung der städtischen Frischluftzufuhr durch Erweiterung von Siedlungsstrukturen? Da müsste man in HH ja längst mit Gasflasche durch die Innenstadt laufen. Könnte wirklich die schwächste Argumentation sein, die jemals in einem derartigen Zusammenhang ins Feld geführt wurde. Grünflächenerhalt, fair enough, aber bitte keinen derartigen Nonsens.

    • André Märtens

      Natürlich gibt es Städte mit einer Smog-Problematik und ebenfalls Städte mit einem Mangel an Kaltluftentstehungsgebieten. Daher ist es ja wichtig und richtig dies schon in der Planungsphase eines Bauvorhabens zu bedenken und nicht erst dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist und alles zugebaut ist (Beispiele dafür gibt es ausreichend in China). Nur weil Sie nicht im Thema sind, würde ich das Ganze an Ihrer stelle nicht als Nonsens abtun. Die Stadt Lüneburg (Innenstadtbereich) hat nunmal das Problem, in einer art Senke zu liegen. Das traurige ist, dass die örtliche SPD-Fraktion sowie unser Bürgermeister da ähnlich naiv an diese Thematik herangehen wie Sie.

    • Sie kennen Hamburg nicht. Dort wird durch die Wasserstraßen sehr viel Frischluft in die Stadt transportiert. Darüber hinaus gehört Hamburg zu den grünsten Grossstädten weltweit. Über die Elbe (Ost/West) z.B. bläst der Wind mächtig durchs Stadtgebiet und erzeugt dadurch permanent für Zu- und Abluft und das am tiefsten Punkt der Stadt. In der Hafencity können sie das sehr gut spüren. Weiter gibt es Grünstreifen vom Alstertal bis ins Stadtcentrum, ebenso wie die Wanze von Volksdorf bis ins Centrum. Nicht Umsonst können sie mitten in der Stadt Segeln. Also mit Hamburg haben Sie das ungeeignetste Beispiel gewählt.

  2. Innenentwicklung und Nachverdichtung sieht dann so aus :

    http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/335789-neue-ferienwohnungen

    Da werden die Grünen noch manche Kröte nicht mehr über die Straße tragen können, sondern sie schlucken müssen.

  3. Das Herr Mädge nicht für die Umwelt steht,sollte doch jeden Lüneburger klar sein,seit er es geschafft hat Wilschenbruch aus dem Naturschutzgebiet zu nehmen,damit er dort Häuser bauen lassen durfte. Und er wird weiterhin einen „Furz“ auf die Umwelt geben,solange er damit neue Bebauungsgebiete ausschreiben kann.Dieser OB ist seit Jahren nicht mehr haltbar für Lüneburg.Ich frage mich nur,warum erweitert er dann nicht Klosterkamp oder baut in Kaltenmoor noch mehr Hochhäuser um den Markt gerecht zu werden?

    • Dirk
      Das Herr Mädge nicht für die Umwelt steht,sollte doch jeden Lüneburger klar sein,
      wie kann das sein? er ist doch mit den grünen ins bett gegangen. ob die grünen für die umwelt sind? schmunzel

  4. Wenn wir Wohnungen brauchen, warum lässt Herr Mädge denn seine „LüWoBau“ keine Wohnungen bauen.
    Auf der Website der LüWoBau sind deren Geschäftsberichte veröffentlicht. Bereits im Jahr 2010 wurde festgestellt, dass Lüneburg Zuzugsgebiet ist und dringend Wohnungen gebaut werden müssen. Was hat die LüWoBau in den letzten 6 Jahren gemacht? Es werden in jedem Geschäftsbericht unbebaute Grundstücke ausgewiesen. Was ist damit? Können die nicht bebaut werden? Und…können die vorhandenen Grundstücke nicht nachverdichtet werden? Fragen über Fragen…