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Diese beiden jungen Adler wurden schon beringt. In diesem Jahr haben im Kreis Lüneburg sieben Jungvögel in vier Horsten Ringe erhalten. Foto: nh
Diese beiden jungen Adler wurden schon beringt. In diesem Jahr haben im Kreis Lüneburg sieben Jungvögel in vier Horsten Ringe erhalten. Foto: nh

Ringe für kleine Seeadler

emi Lüneburg. Der Seeadlerbestand im Kreis Lüneburg entwickelt sich gut. Von sieben Revierpaaren haben in diesem Jahr fünf erfolgreich gebrütet, dabei sind sieben kleine Adler geschlüpft. Und es könnten sogar noch mehr werden, denn ein Horst wurde noch nicht ausgezählt, sagt Joachim Schwarz von der Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen (AAN). „Den Rekord aus dem vergangenen Jahr mit elf Jungadlern werden wir diesmal zwar nicht erreichen“, sagt der Brietlinger. „Aber mit sieben Jungvögeln sind wir relativ weit vorn.“ Damit die Entwicklung der Greifvögel auch weiter so positiv verläuft, wollen die zehn AAN-Mitglieder die Seeadler noch stärker schützen. Landesweit sollen möglichst viele Jungvögel beringt werden. Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung fördert dieses Vorhaben mit 6600 Euro.

Im Kreis Lüneburg haben jetzt sieben kleine Adler in vier Horsten jeweils einen schwarzen und einen Messingring mit deutlich sichtbaren Nummern erhalten. „Durch die Beringung wollen wir uns einen Überblick verschaffen, wo sich die Jung­adler aufhalten, wo sie neue Reviere gründen und wie weit ihr Flugradius ist“, sagt Joachim Schwarz. Auch Verluste sollen so besser aufgeklärt werden.

Meist sind es Hobbyfotografen, die den Adlerschützern wertvolle Hinweise über den Verbleib der streng geschützten Tiere liefern. Auf vielen Fotos sind die Ringnummern gut zu erkennen, sodass sie der Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen oder der Beringungszentrale Helgoland (ring@ifv-vogelwarte.de) gemeldet werden können.

Die jungen Greifvögel werden direkt im Nest beringt, um die Stressbelastung möglichst gering zu halten. Dazu klettert ein Beringer per Seiltechnik bis zu 25 Meter hoch in den Baum. „Wir achten darauf, dass die Jungen mindestens fünf Wochen alt, aber nicht älter als acht Wochen sind“, sagt Joachim Schwarz. Denn sind die Vögel noch zu klein, kann der Ring herunterrutschen und sich in den Krallen verhaken. „Sind die Adler älter als acht Wochen, sind sie schon zu munter.“ Bei der Flucht vor dem Menschen könnten sie aus dem Horst fallen und sich verletzen. Und eben das wollen die Adlerschützer verhindern.

Weit und breit kein Wasser

Seit rund zwei Jahren beobachtet Joachim Schwarz „ein komisches Phänomen“. Der AAN-Experte sagt: „Mittlerweile bauen Seeadler ihre Horste auch in Bereichen, wo weit und breit keine Gewässer sind.“ Ein Nest befinde sich demnach mitten in der Lüneburger Heide: „Die Seeadler leben dort von Igeln, Wildschweinen und Rehen, die sie irgendwo tot finden.“

Die bis zu sieben Kilogramm schweren und 60 bis 80 Zentimeter großen Seeadler ernähren sich hauptsächlich von Fisch und Wasservögeln. Aber weil kleinere Säugetiere und Aas ebenfalls auf ihrem Speiseplan stehen, sind sie offensichtlich in der Lage, auch fern von Seen und Flüssen ihre Horste zu bauen.

Um 1900 waren die Tiere fast ausgerottet. Jahrhundertelang hatten Menschen den Vogel rücksichtslos gejagt. Daneben dezimierte das Pflanzenschutzmittel DDT die Bestände. Das Gift gelangte in die Nahrungskette, ließ die Eierschalen dünn und brüchig werden. Die Eier gingen während der Brut kaputt, es gab kaum noch Nachwuchs. Mittlerweile stehen die Adler unter Schutz und die Bestände erholen sich wieder. In freier Wildbahn können Seeadler bis zu 36 Jahre alt werden, in Gefangenschaft mehr als 40 Jahre.