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Neun Mitglieder des Vereins Freunde Masurens packten an, um den Innenraum der Kirche in Warpuny/Warpuhnen auf Vordermann zu bringen (v.l.): Hanna Firch, Anne Krull, Angelika Zuber, Susanne Leupold, Anette Salewski,Horst-Peter Richter-Kaidas, Susanne Wendlandt, Pastor Fryderyk Tegler und Kerstin Harms. Foto: nh
Neun Mitglieder des Vereins Freunde Masurens packten an, um den Innenraum der Kirche in Warpuny/Warpuhnen auf Vordermann zu bringen (v.l.): Hanna Firch, Anne Krull, Angelika Zuber, Susanne Leupold, Anette Salewski,Horst-Peter Richter-Kaidas, Susanne Wendlandt, Pastor Fryderyk Tegler und Kerstin Harms. Foto: nh

Gotteshaus vor Verfall gerettet

off Scharnebeck. Als Vorsitzende des Vereins Freunde Masurens ist Kerstin Harms schon oft nach Polen gereist. Doch der jüngste Besuch war auch für sie ein besonderer. „Nach mehr als 20 Jahren Leerstand wurde in der Kirche des Dorfes Warpuny (Warpuhnen) zum ersten Mal wieder ein Gottesdienst gefeiert“, sagt sie. Ein Ziel, für das der Scharnebecker Verein seit seiner Gründung im Sommer 2010 gekämpft hat.

Während einer Studienfahrt nach Masuren mit Pastor Frydryk Tegler sah Kerstin Harms die Backsteinkirche in Warpurny zum ersten Mal. „Die Kirche war dem Verfall preisgegeben“, erinnert sich Kerstin Harms, „und es gab keine Gemeindemitglieder mehr, die den Gottesdienst besuchten.“ Tegler, der 1976 aus Masuren nach Deutschland gekommen ist, erzählte, dass er in der Kirche getauft, konfirmiert und getraut, auch seine Tochter dort getauft worden sei. „Das Schicksal der Kirche berührte mich“, erinnert sich Harms. „Und ich wollte irgendetwas tun.“ Schnell fanden sie und Tegler Gleichgesinnte, um einen Verein zu gründen. Eines ihrer Ziele: „Wir wollten hier helfen.“

Doch wie rettet man eine Kirche vor dem Verfall? „In den ersten Jahren haben ehemalige Bewohner des Dorfes versucht zu helfen, bauten zum Beispiel einen Zaun um die Kirche, um sie vor weiterem Vandalismus zu schützen“, sagt Harms. Doch das Geld zur Instandsetzung von Dach, Turm und Fenstern fehlte. Bis 2014. „Damals nahm ein Geschäftsmann aus Mragowo/Sensburg Kontakt mit uns als Verein auf und erzählte, dass Pastor Tegler ihm in seiner Kindheit in Masuren die Liebe zu Literatur und Kunst nahegebracht hatte.“ Aus Dank investierte er 62000 Euro, ließ er das Dach der Kirche reparieren, 200 neue Fenster einsetzen und den Turm sichern.

Ende April dieses Jahres flogen dann neun Mitglieder des Vereins Freunde Masurens nach Warpuny, um gemeinsam mit polnischen Freunden die Kirche auch von innen wieder auf Vordermann zu bringen. „Eine Aktion, die genau das erfüllte, was wir als Ziele in der Satzung unseres Verein festgehalten haben“, sagt die Vorsitzende: „Brücken der Freundschaft zueinander zu bauen und europäisches Kulturgut zu erhalten.“

Zum Gottesdienst selbst strömten dann mehr als 500 Menschen, „die Kirche wurde im Innenraum von weit über 200 Kerzen angestrahlt“, erzählt Harms. Sogar aus Deutschland waren einige Gäste angereist. „Und Pastor Tegler hielt eine bewegende Predigt.“ Ein erster Schritt in eine neue Zukunft. „Noch ist viel in der Kirche instand zu setzen“, sagt Harms, „aber wir sind zuversichtlich, dass uns auch das gelingen wird.“

Und tatsächlich: Der Einsatz der Freunde Masurens brachte den Samtgemeindebürgermeister von Sorkwity und die Bürgermeisterin von Warpuny und dem Landkreis Mragowo dazu, sich ebenfalls für den Erhalt der Kirche einzusetzen. Darüber hinaus hat ein Mitglied der Freunde Masurens — ein Rechtsanwalt aus Berlin — einen Verein zur Rettung der Kirche und der Orgel gegründet, sodass weitere Erhaltungs- und Renovierungsarbeiten an der Kirche vorgenommen werden können.

Wer die Aktion „Die Kirche in Warpuny/Warpuhnen retten und wieder lebendig machen“ unterstützen möchte, findet weitere Infos im Internet unter www.freunde-masurens.de.

Hintergrund

Vor 150 Jahren (1866) entstand in Warpuhnen eine evangelische Pfarrgemeinde. In den 1930er-Jahren hatte das Dorf 600 evangelische Einwohner. 1881 wurde nach Entwürfen des Kirchenbaurates Friedrich Adler die Backsteinkirche gebaut. Adler prägte den preußischen Kirchenbau des späten 19. Jahrhunderts maßgeblich mit und hat auch die Deutsche-Evangelische-Lutherische Erlöserkirche in Jerusalem gebaut.

Die Gottesdienste wurden bis Ende 1939 in deutscher und masurischer Sprache abgehalten, danach wurde die masurische Sprache in der Kirche verboten. Der letzte deutsche Pfarrer war bis 1945 Erich Schimba, von da an fanden die Gottesdienste nur noch auf polnisch statt. In den 1950er-Jahren zählte die Kirchengemeinde noch 2000 evangelische Mitglieder. Nach der Flucht und Vertreibung schrumpfte die Gemeinde auf wenige 100 Mitglieder — heute gibt es gar keine mehr.