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Unterricht ganz klassisch - in der neuen Schule soll es anders laufen. Foto: A/be
Unterricht ganz klassisch - in der neuen Schule soll es anders laufen. Foto: A/be

„Demokratische Schule“ in Lüneburg als Ziel

ap Lüneburg. Der Schüler bestimmt selbst, was er wann lernen will, ob er zum Wochenstart lieber rechnen, experimentieren oder in den Wald gehen möchte — so sieht das Rezept für eine neue Schule aus. Bettina Küntzel, Alina Zilien und Carsten Jungblut wollen sie in Lüneburg gründen. Vorbilder für das Lernen unter dem Titel „Demokratische Schule“ gebe es in Bargteheide, Hamburg und im Wendland.

Viele Grundsätze der staatlichen Schule will die Gründungsinitiative über Bord werfen, fortan auf Lernen ohne festen Lehrplan setzen, auf jahrgangsübergreifenden Unterricht, flexible Anwesenheitszeiten, Freiarbeit und anderes pädagogisches Personal als Lehrer. „Kinder sollten frei entscheiden können, was sie lernen und ihre Lernwege selbst gestalten“, findet Bettina Küntzel, die nach dem Prinzip schon seit vielen Jahren als Musiklehrerin in der Hanseschule Oedeme arbeite. „Viele sind verwundert, wenn sie von der Idee hören. Auch ohne Lehrplan ist es möglich, einen Abschluss zu machen.“ Dass die Schüler von sich aus lernen wollen, dass sie neugierig sind und wissenshungrig, „darauf vertrauen wir“.

Bettina Küntzel (v.l.), Alina Zilien und Carsten Jungblut mit Sohn Tjark wollen die Schulwelt in Lüneburg revolutionieren: Eine neue Schule ohne Lehrpläne, ohne Anwesenheitspflicht und ohne Benotung. Foto: ap
Bettina Küntzel (v.l.), Alina Zilien und Carsten Jungblut mit Sohn Tjark wollen die Schulwelt in Lüneburg revolutionieren: Eine neue Schule ohne Lehrpläne, ohne Anwesenheitspflicht und ohne Benotung. Foto: ap

Ein Grundproblem regulären Unterrichts sei aus ihrer Sicht der sogenannte mittlere Weg. „Manche Schüler wollen und können mehr als die anderen. Daher stehen die Lehrer immer vor der Aufgabe, ein Mittelmaß zu finden“, erklärt die Pädagogin. „Das bedeutet, dass einige sich da hineinzwängen, sich einem Niveau anpassen müssen.“ Das sei vor allem für die Lehrer eine Mammut-Aufgabe, viel hilfreicher sei eine Begegnung auf Augenhöhe. „Nicht die Erwachsenen entscheiden, was das Kind lernen soll und was nicht.“ Zu diesem hohen Maß an Eigenständigkeit gehörten Spaß, viel Zeit und eben auch Fehler. „Und dieses Selbstbewusstsein wächst nicht durch Leistungsbewertung, Noten und Sanktionen“, macht die Pädagogin deutlich.

Den Risiken dieser freien Schulform ist sich das Trio bewusst: „Es setzt voraus, dass Schüler sich immer wieder für einen Lerninhalt entscheiden müssen“, verdeutlicht Jungblut, der ebenfalls Lehrer ist. Denn einen klaren Stundenplan mit unterschiedlichen Fächern soll es an ihrer Schule nicht geben. Ein Schulgeld sei zunächst unumgänglich. „Es soll Angebote geben wie Workshops, Projekte, Werkstattarbeit, Rollenspiele und Exkursionen.“ Schüler könnten zudem auch selbst Angebote machen oder Bedürfnisse äußern. Dafür sei die wöchentliche Schulversammlung geeignet, an der jedes Schulmitglied gleichermaßen beteiligt sei. „So soll Schule als gestaltbar erlebt werden, den Kindern wird nicht von oben etwas aufgedrückt“, erklärt Carsten Jungblut. Bei Entscheidungen habe jeder die gleiche Stimme, über Anträge werde demokratisch abgestimmt.

Nun will das Team erstmal den Bedarf in Lüneburg abklopfen, eine Grundlage für weitere Arbeitstreffen schaffen. Nach einer Vereinsgründung sollen Konzepte erstellt, Genehmigungsverfahren eingeleitet, Räume gesucht, ein Finanzierungsplan ausgearbeitet und Schüler angeworben werden. „Lüneburg hat eine vielfältige Bürgerschaft, wir sehen ein großes Interesse für das Thema“, sagt Jungblut, der schon viele Freunde und Bekannte für die Pläne gewinnen konnte.

Zwei Genehmigungsverfahren sollen parallel laufen — für die Grundschule und für eine Sekundarstufe bis zum 10. Jahrgang. Der Abschluss würde extern abgelegt. „Wir möchten keine Einteilung nach Klassen, ein Achtjähriger sollte sich auch für etwas interessieren dürfen, was eigentlich für einen 14-Jährigen interessant ist und andersrum“, sagt Bettina Küntzel. Jungblut würde selbst gern an einer solchen Schule unterrichten, in seinem jetzigen Unterricht stoße er an Grenzen. „Man hat als Lehrer keine Möglichkeit, sich intensiv um jeden einzelnen Schüler zu kümmern.“

Der Info-Abend findet am Mittwoch, 22. Juni, ab 19 Uhr im Freiraum, Salzstraße 1, statt. Die Organisatoren zeigen den Film „Schools of Trust“.

40 Kommentare

  1. Die Vorteile des freien Lernens für die kindliche Entwicklung, Selbständigkeit und Bildung reifer Persönlichkeiten, wie sie im sozialen Gefüge und im Arbeitsleben wünschenswert und zunehmend erforderlich sind, habe ich in der Beschäftigung mit dem Thema erst in den letzten Wochen entdeckt. Ich bin begeistert, dass es künftig eine solche Möglichkeit in Lüneburg geben soll!

    Da die Gründung einer Schule – und inbesondere bei einem Konzept, das bei Vielen Ängste auslöst – eine langwierige, hürden- und vorurteilsbehaftete Angelegenheit ist, wünsche ich den Organisationsteam Durchhaltevermögen, Nerven und viel Erfolg!

    • @ san
      Klasse,dann möchte ich Eis essen,statt Mathe lernen. Nur, ob mein späterer Chef das Eis essen als wichtige Errungenschaft bei der Einstellung sieht,ist fraglich.

      • @ Mirko
        Die nächste Einschulungsrunde steht bevor. Beobachten Sie einmal Kindergartenkinder in ihrem letzten KiGa-Jahr und die Vorfreude, die die meisten dieser Kinder auf die Schulzeit haben.
        Dann fragen Sie in den Herbstferien noch einmal die gleichen Kinder. Leider ist die Freude oft dahin, da die Lehrpläne die vorhandene, natürliche Neugierde begrenzt.

        Da Sie lieber Eis essen wollen als Mathe zu lernen, haben Sie offenbar gelernt, was Schule vermittelt „Du tust (nur), was Dir gesagt wird“. Dies entspricht dem Anliegen, das Schule vor 200 Jahren der Zeit gemäß hatte.
        Ich arbeite gerne mit Kolleginnen und Kollegen zusammen, die selbst denken und initiativ sind. Natürlich gibt es dies auch bei Schulabgängern des heutigen Schulsystems – es geht hier nicht um schwarz und weiß! Ich hoffe, Sie stimmen mir zu, dass die Ansätze von vor 200 Jahren dem heutigen Arbeitsleben nicht mehr gerecht werden.

        Glücklicherweise gibt es Menschen, die sich frei lernend auf den Weg gemacht haben. Die Erfahrungen sind sehr interessant. Es mag Sie erstaunen, dass darunter viele mit Abitur sind. Ich freue mich auf Schülerinnen und Schüler, die den Mund aufmachen, Stellung beziehen und Wissen selbst entdecken.

        Die Angst, dass bei freien Schulen selbstbezogene, unsoziale und ungebildete also benachteiligte Wesen „herangezüchtet“ werden, lässt sich wahrscheinlich nur durch das Begegnen eines Freilerners oder der Beschäftigung mit dem Thema auflösen.

        • Was steht denn in den Lehrplänen was die Neugierde bremst? Oder ist es doch eher die Art und Weise, wie die Lehrer heute die geforderten Inhalte vermitteln.

          • Kinder lernen von Anfang an aus eigenem Interesse in eigenem Tempo laufen, reden etc. Die einen früher, die anderen später.
            Wie können wir davon ausgehen, dass mit der Einschulung alle Kinder (im Alter von fünf bis fast sieben) dasselbe Interesse daran haben, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen? Und dass es sich besser lernt, wenn etwas interessant ist, ist unbestritten.

            Zum Glück gibt es viele engagierte Lehrerinnen und Lehrer! Und ich bin mir sicher, dass es ihnen auch mehr Spaß macht, Kinder zu dem Zeitpunkt zu unterrichten, wenn diese interessiert sind. Und das bietet das Konzept der demokratischen Schulen.

            Im Übrigen führt die positive Verknüpfung von Lernen und Freude dazu, sich Themen zu erarbeiten – später auch Themen, die nicht im Fokus der Lernenden stehen.

    • Carsten Jungblut

      Danke!

  2. Ich kann nur hoffen, dass es sich bei dem Artiktl um einen verspäteten Aprilscherz handelt.
    Alle Menschen die auf einer Waldorf- oder Montessorischule waren sagen übereinstimmend, dass ihre Eltern ihnen nichts schlimmeres hätten antun können.
    Warum eine dritte unnötige Schulform?

  3. Georg Gunkel-Schwaderer

    Endlich! Kann ich nur sagen.
    Endlich brechen wir auf und entwerfen Bildungsmodelle, die schon seit 100 Jahren in der Reformpädagogik angelegt, aber bisher leider nur an wenigen Stellen im Schulsystem Niederschlag finden. Das, was hier versucht wird, findet auf einer anderen, sehr stark benachteiligten Ebene – im außerschulischen Bildungsbereich seit langer Zeit mit einem Riesenerfolg statt: Informelle, selbstbestimmte Bildung macht den überwiegenden Teil unseres „Wissensinventars“ aus (Faure-Studie, bereits von 1972!!!).
    Garanten hierfür sind die schlecht ausgestatteten und vernachlässigten Jugendverbände…

    Ich wünsche Euch sehr, sehr viel Erfolg und viel Zuspruch auf Eurem (hoffentlich nicht zu langen) Weg!
    Georg

    • Richtig, im AUSSERSCHULISCHEN „Bildungsbereich“. Da kommt es aber auch auf nichts an. Und da gibt es keine, für später wichtige, Lernkontrolle. Es kann dich nicht so schwer sein zu verstehen, dass die 68er aus gutem Grund gründlich gescheitert sind!

      • @WHM
        ui … im AUSSERSCHULISCHEN „Bildungsbereich“. fast jeder hat in der Schule ein solches Dingens gehabt bei dem er sich am liebsten in Luft aufgelöst hätte. ins treppenhaus hab ich mich auch mal übergeben 🙂 und im wtg unterricht (grundschule)…
        und in der 6. klasse hatten wir deutsch und ich hab iwie ned nachgedacht, bin mit meinem stuhl so nach hinten gekippelt und hab voll laut gegähnt versehentlich XD mein lehrer dann so: “conni, dein gegenüber ist nicht erfreut” 🙂
        oder einmal bin ich in der 6. in mathe voll abgeschweift und der lehrer hat mich aufgerufen und das einzige was ich gesagt hab war “was, was” weil ich kp hatte, was der gerade wollte 😀
        naja und dann hatten wir mal mit den jungs sport und damals war ich schon in einen aus meiner klasse verliebt und wir sollten aufm kasten handstandüberschlag machen und ich konnte ned mal handstand und dann hat mich der lehrer zum üben weggeschickt 🙁
        oder eine klassenkameradin (die ich nicht leiden kann) hat mich im unterricht total laut gefragt, ob ich eig immer noch pokemon spiel (8.klasse) >.< und NEIN ich spiele mittlerweile kein pokemon mehr 🙂

        WHM was war das Peinlichste das dir je in der Schule total voll peinlich passiert ist?

        • also ich hab da auch son ein was…
          das war letztes jahr. ich war in der 12ten und wir hatten nen ziemlich guten, bzw. nen richtig geilen deutschlehrer. wir hatten dann mal ein schulfest und unsere klasse musste in der küche helfen. wir standen dann da und dann läuft plötzlich mein deutschlehrer an der küche im lehrerzimmer vorbei & ich sag nur so voll laut zu meinen freundinnen( ich dachte er wäre weg): boa, da war die geile sau herr *****! ich hab mich dann umgedreht & sag im fenster wen..? MEINEN LEHRER! ich bin soooo rot angelaufen und hab mich umgedreht, der nur fett am grinsen & dann hab ich noch versucht, dass auf wen anders zu schieben, war aber zu spät. er ist dann weiter gegangen und ich meinte nur so, boa scheiße, ich bin so ein opfer! in dem moment steht er wieder in der tür und meinte nur, ach, ist ja süß, dass es dir wenigstens peinlich ist.

          ich bin im erdboden versunken…

          naja, bei dem lehrer hab ich mich aber schonmal blamiert. in der 11ten.
          wir haben immer so lollys im kiosk die ich heimlich im unterricht gelutscht habe, mein lehrer hat dann die ganze zeit auf mich geguckt und ich habe versucht den stab vom lolly so weit in meinen mund zu schieben, ABER NICHT ZU WEIT, dass nur ein stückchen aus meinem mund guckt. hab ihn mir dann ausversehen ganz in den mund gesteckt und hatte dann so schön ecken un den wangen, bekam meinen mund nicht mehr zu und konnte nicht sprechen, weil der stab mir quer im mund hing..ist meinem lehrer dann auch aufgefallen..:D

          man war das peinlich.
          heute finde ich es nur noch lustig.

    • unsere kinder werden doch schon im kindergarten auf unsere leistungsgesellschaft vorbereitet. welcher arbeitgeber stellt nicht- leistungsbereite ein? von was sollen diese dann leben? es sind nur fragen , ich denke,wie ich denke. alle die, die sich vor einen karren spannen lassen, tun mir leid. ob es die wirtschaft ist, oder deren politischen vertreter, oder wer sonst auch immer.

      • @ bruns

        zitat: „welcher arbeitgeber stellt nicht- leistungsbereite ein? von was sollen diese dann leben?“

        Der Bundestag ist voll davon und die Migrationsindustrie auch.
        Wenn ich z. B. Frau Roth sehe und höre und die Forderungen der grünen Jugendorganisationen und den Nachwuchs der Partei *die Linke*, stelle ich fest, daß sie mit Ahnungslosigkeit gesegnet sind und mit „Finger auf andere zeigen“, viel Geld verdienen.
        Übrigens ,ich halte es mit der AFD ,also Fahnen ans Auto und überall angebracht und nicht wie Frau Roth mit „Deutschland verrecke“ oder den Linken, „Bomber Harrys, do it again“. Letzteres von Linken am Gedenktag der Bombardierung Dresdens mit Zahlreichen zivilen Opfern.

        • Schön,

          Ihr Kommentar ist populistisch, undifferenziert und zeugt von Ahnungslosigkeit = nichts anderes erwarte ich von AFD-Sympathisanten , danke dafür!

      • Tja so ist das Herr Bruns, wenn man einen Sozialstaat will muss man halt die Leistungsgesellschaft in Kauf nehmen. Der funktioniert nämlich nur, wenn die Masse bereit ist mehr zu leisten als sie eigentlich für sich benötigt. Denn nur so kann ausreichend für die Frühpensionäre, Hinkenden, Lahmen, Alte, Kinder und Flüchtlinge und Minderleister erwirtschaftet werden.

        • Fabian Bruns
          Tja so ist das Herr Bruns, wenn man einen Sozialstaat will muss man halt die Leistungsgesellschaft in Kauf nehmen.
          wie weit? auch für hungerlöhne arbeiten? auch nur ohne lob arbeiten? auch nur mit kritik arbeiten? soll man auch leistungsbereit sein, wenn der eigene job wegrationalisiert werden soll? ich habe eine menge fragen. ich stelle auch die leistungsgesellschaft in frage. soll es dazu keine alternative geben und zwar für den menschen und nicht gegen ihn?

          • Herr Bruns ich glaube Sie haben ihr Problem noch nicht erkannt. Es ist weniger die System Frage sondern vielmehr der Umgang der Menschen miteinander und das völlig Systemunabhängig. Vielleicht waren Sie einfach zu lange bei der Bundeswehr um das zu erkennen. Dort hat man bekanntlich keine Kollegen sondern Untergebene. Das hat sich bei Ihnen wohl in Form eines zu engen Sichtfeldes ausgewirkt.

  4. Naja, in meinen Augen ist nicht das Schulsystem das Problem(obwohl es auch fehlerhaft ist und Verbesserungen ruhig einfließen könnten), sondern die Klassengrößen.
    Bei einer Lehrkraft auf ca. 25-30 Schüler, braucht man sich nicht wundern das viele auf der Strecke bleiben, durch geringere Beachtung sich vernachlässigt fühlen und das Desinteresse wächst.

    • Michael Jungblut

      Zu unserer Schulzeit in den 70er und 80er waren in unserer Gegend 30-35 Schüler in der Klasse normal, selbst auf dem Gymnasium. Eine gut gebildete, leistungsfähige Generation mit freiem Geist war das Ergebnis. Unsere Lehrer waren allerdings auch konzentriert und konsequent bei der Sache und in der Schulstunde wurde 45 min gelernt und gearbeitet und nicht erst nach 10 min das Buch aufgeschlagen. Das übertrug sich auf die Schüler, die in der Regel interessiert bei der Sache waren. Gerade die älteren Lehrer vermittelten Lebenserfahrung und Persönlichkeit. Nachrückende Wischiwaschi Junglehrer, die sich absenkten, um auf Augenhöhe mit den Schülern zu kommen scheiterten auch damals schon bei der Vermittlung von Inhalten. Nicht die Schülerzahl ist das entscheidende, sondern die Persönlichkeit Qualität der Lehrer. Je besser die Lehrer, je eher schaffen sie es auch Schüler erfolgreich ins Erwachsenen Alter zu begleiten, die vom Elternhaus wenig vorbereitet wurden.

  5. „Demokratisches Krankenhaus“ in Lüneburg als Ziel

    „Der Patient bestimmt selbst, was er wann therapieren will, ob er zum Wochenstart lieber operiert werden, mit sich experimentieren lassen oder in den Wald gehen möchte.“

    Totalüberforderung geht natürlich anders.

  6. Das bestehende Schulsystem ist ein Verblödungssystem. Gut, dass es immer mehr Menschen gibt die es hinterfragen und nach alternativen Suchen.

  7. Die in der Theorie wunderbaren Schulmodelle gehen dummerweise – wie bei allen Idealmodellen – davon aus, dass alle Menschen(-kinder) dem Idealmodell entsprechen: offenen Geistes, willig das zu tun, was nötig ist, wissend, dass Wissen später gebraucht wird, mit starker Selbstmotivation auch das Schwere angreifend.

    Leider scheitern alle diese tollen Modelle an der Realität, daran, dass Menschen auch nur zweibeinige Tiere sind, die oft auf den Moment, die schnelle Belohnung aus sind und dann tun, was sie wollen, ohne Rücksicht auf später… Ich kann mir nicht vorstellen, dass Marx und Engels mit der DDR, der Sowjetunion oder Nordkorea glücklich gewesen wären. Alle diese Modelle beriefen sich auch auf eine tolle Idee…

    • Traumwelt
      was haben kinder von schlechten noten? sollen die etwa ansporn geben? sie schreiben, menschen sind nicht alle gleich. stimmt. schlechte noten können sehr viel schaden anrichten, finden sie nicht?es gibt eltern ,die reagieren blind darauf. die armen kinder. druck erzeugt bekanntlich gegendruck.

      • Herr Bruns,

        wo in meinem Post schreibe ich über Noten oder Druck? Richtig! Nirgends…

        • traumwelt
          lesen und verstehen ist bei vielen zweierlei. wo habe ich behauptet, was sie behaupten?

      • Noten sind doch was feines Herr Bruns. Ich fand die jedenfalls Klasse, auch wenn es bei mir eher die größeren Zahlen waren. Da wusste ich zumindest meine Fähigkeiten und meinen Wissensstand einzuordnen. Es ist auch sehr lehrreich, wenn man erkennt, was manche richtig schlauen Mitschüler draufhatten. Da lernt man Respekt vor dem Wissen und Fähigkeiten anderer und lernt sein eigenes Vermögen kennen. Daraus kann sich auch ein vernünftiges Anspruchsdenken entwickeln. Es würde manch einem selbst ernannten Schlaumeier und Besserwisser mal gut tun ihre Defizite zu erkennen und daran zu arbeiten. Die Selbstüberschätzung vieler Zeitgenossen heutzutage schreit doch zum Himmel. Es wimmelt doch nur von Prinzen und Prinzessinnen und außer ordentlich begabten Kindern und heranwachsenden. Wenn man sie dann mal ein wenig fordert, klappen Sie weg. Sprechen Sie mal mit Ausbildern, die noch andere Zeiten kennen.

    • Von welcher Realität ist bei Ihnen hier die Rede? Es gibt inzwischen viele demokratische Schulen die diese Modelle in die Praxis umgesetzt haben. Es haben sich dort ganz normale sozial und kognitiv integrierte Junge Menschen gebildet und auch ihre Real- oder auch Abi-Abschlüsse als externe Bewerber abgegeben. Es ist Zeit, dass man endlich der Realität in die Augen schaut!

  8. einer redet, alles schläft , sowas nannte man auch schon zu meiner zeit unterricht.

    • … und der eine, der redet, waren, sind und werden sein – allein Sie, nicht wahr, Klaus Bruns? Da „Ihre Zeit“ ja erst mit Ihnen endet, haben Sie natürlich bis dahin auch keinen Grund, „sowas“ nicht mehr „Unterricht“ zu nennen.

      • Kunibert
        warum so bissig? viele jugendliche haben ein problem. es fehlt ihnen wirklich an echten vorbildern. woran liegt es? fragen sie sich das mal. der unterricht hat gerade begonnen, gemerkt? schmunzel.

    • Hallo Klaus Bruns, ganz klar, dass ich freundlich und hilfsbereit Auskunft gebe, beispielsweise wenn ich beim Einsteigen an der Haltestelle Landwehrplatz gefragt werde, ob dieser Bus über die Neuetorstraße und den Sand zum Hauptbahnhof fährt. Insbesondere und vor allem dann, wenn die Frage vom sichtlich nervösen Busfahrer selbst kommt. Aber deswegen erwarte ich noch lange nicht, dass jedes Gebrabbel von mir „Unterricht“ genannt wird und ständig aller Leute Augen auf mich gerichtet sind. Fühlen Sie sich da als Volkspädagoge nicht überfordert? Wenn Sie jeden Ihrer Zeitgenossen jederzeit als Schüler ansehen, müssen Sie auch damit rechnen, über die Maßen genau beobachtet zu werden. Sind Ihnen die Folgen bewusst?

      Denken Sie daran, wie ungläubig sich Netz-Europa in diesen Tagen ein paar YouTube-Videos unseres prominentesten Fußballlehrers anschaut. Für alle Beteiligten, wahrscheinlich für ganz Deutschland, einschließlich Jan Böhmermann und Präsident Recep Tayyip Erdoğan, wäre es besser, diese Bilder von Joachim Löw gäbe es nicht. Aber sie sind nun einmal da und werden, seit das italienische Fernsehen sie ausstrahlte, im Internet herumgeschickt. Und zwar so lawinenartig, dass ohne jeden Zweifel ein ziemlich übler Eindruck an Löw haften bleiben wird. Der Weltmeister-Trainer, der für Körperpflegemittel wirbt und für elegante Kleidung, und der angeblich Wert darauf legt, den deutschen Fußball mit Stil und Niveau zu repräsentieren, hat sich in der Coaching-Zone des Stadions in Lille während des Spiels gegen die Ukraine ein paar Momente lang vergessen.

      Er hat sich – wir sprechen es nur ein einziges Mal aus – an Körperstellen gefasst, die in der Öffentlichkeit tabu sind, und danach seine Hand prüfend an die Nase geführt. Zusammen mit unzähligen früheren sehr unappetitlichen Videos, in denen Löws Nase ebenfalls die Hauptrolle spielte, wird daraus ein echtes Problem.

      Zunächst ist es eine Frage der Manieren. So etwas tut man als Lehrer nicht. Schon gar nicht vor 50.000 Zuschauern und unter dem Fokus von Fernsehkameras. Und erst recht nicht, wenn man eine Mannschaft betreut, die den Anspruch hat, eine positive gesellschaftliche Kraft in diesem Land zu sein. Manager Oliver Bierhoff hat schon vor der WM 2014 erklärt: „Die Nationalelf ist quasi die vierte Macht im Staat.“ Da mag er übertrieben haben. Aber wer einen solchen Anspruch formuliert, sollte sich auch entsprechend benehmen können. Auch unter Druck.

      Eine Stil-Ikone, ein Vorbild für die Jugend, ein Repräsentant von Schwarz-Rot-Gold reißt sich zusammen und ist nicht auf gnädige Bild-Zensur der Europäischen Fußball-Union angewiesen – die unterblieb. Löw muss es wissen: wie die Schüler im Klassenraum mit ihren iPhones ihre Lehrer belauern, so beobachten Kameras bei der EM die Trainer 90 Minuten lang, Fernsehsender können sich diese Bilder kaufen, den Anspruch auf einen ungestörten Moment der Privatheit gibt es nicht.

      Die Idee, mit der die Nationalelf vermarktet wird, postuliert: Wir sind nicht nur Weltmeister – wir haben Klasse – wir sind professionell. Deswegen hat Löw zuletzt den Wolfsburger Max Kruse aus dem Kader entfernt. Sein Lebenswandel war nicht untadelig. Dass Löw andere Spieler, die ihre Kameraden ohrfeigten oder in einer Hotellobby über ein großes Ledersofa urinierten, trotzdem weiter für Deutschland spielen ließ, ist ohnehin nur erklärlich, wenn man um einen allgemein akzeptierten Konsens weiß: Wenn es ums Gewinnen geht, bekommt das Saubermann-Image auch mal Pause. Doch die Frage bleibt: Woher will Löw eigentlich künftig die Autorität nehmen, das Benehmen seiner Spieler zu beurteilen?

      Trotz allem bremsen die deutschen Medien, gerade der Boulevard, ihre Bissigkeit im Hinblick auf das sogenannte „Schnüffelgate“. Ganz im Gegensatz zu den Heimatländern der Konkurrenz. Dort ist Löw Gegenstand von Hohn und Spott. Hierzulande scheint klar zu sein: Es geht um den Europameistertitel, da sind Störungen kontraproduktiv. Es kann also sein, dass Fußball-Deutschland Löws Fehlgriffe erst einmal herunterzuspielen versucht. Die Hand werden ihm aber wohl nicht mehr alle reichen wollen.

      Was lernen wir daraus, Klaus Bruns?

      • Hallo Kunibert

        Was lernen wir daraus?
        lernen ,,wir,, denn ?

      • Kunibert
        Fühlen Sie sich da als Volkspädagoge nicht überfordert? Wenn Sie jeden Ihrer Zeitgenossen jederzeit als Schüler ansehen, müssen Sie auch damit rechnen, über die Maßen genau beobachtet zu werden. Sind Ihnen die Folgen bewusst?
        zum ersten teil nö, zum zweiten teil ja.
        da viele köche bekanntlich den brei verderben können, frage ich mich, warum schulpolitik nicht schon längst bundessache ist. aber wer möchte schon im landtag wirklich nichts mehr zu sagen haben? schmunzel

      • @ Schnüffelgate

        Lieber Klaus Bruns, lieber Kunibert, ich werde jetzt wieder öfter gefragt, auf der Arbeit und aber auch beim Einkaufen und von meinen Bekannten, was ich über Jogi Löw denke.

        Das ist eine recht witzige Geschichte. Ich habe mit meiner Freundin, ihrer Schwester und ihrem Freund das Ukraine-Spiel gesehen. Und wir haben vorher schon drüber gesprochen, was der Löw vorher schon alles gemacht hat. Gepopelt, unter den Achseln gerochen und sonst was. Da habe ich immer gesagt: Der Jogi Löw ist Weltmeister. Der darf das. Der darf alles.

        Am nächsten Tag schickt mir meine Freundin das Video. Und ich habe sofort wieder gesagt: Tja, Jogi Löw. Der darf das. Der ist Weltmeister. Aber insgeheim habe ich mir trotzdem gedacht, dass es ein bisschen widerlich ist. Trotzdem soll man da keine große Sache daraus machen. Rein sportlich, und darauf kommt es ja an, hat das keine Auswirkungen. Er hat von seiner Autorität nichts eingebüßt.

        Thomas Müller (25), Industriekaufmann aus Scharnebeck

        • Thomas Müller
          hallo, wir hatten das thema schon mal mit dem hund. warum hat er es bloß gemacht? weil er es kann. schmunzel

    • Irgendwas stimmt da mit dem Reim nicht, Bruns. Das können Sie besser.

  9. Erinnerung an meine Schulzeit in der ALG

    Mein Name ist Tanja Pinkas, damals hieß ich Tanja Wennmacher. Ich besuchte die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in Geilenkirchen von 1993 bis 1999 in der Klasse von Frau Gebel und Herrn Zöller. Einige, die damals schon in der ALG unterrichtet haben, werden sich bestimmt noch an mich erinnern.

    Vor kurzem fragte mich meine alte Klassenlehrerin Frau Gebel, zu der ich immer noch Kontakt habe, ob ich Lust hätte, etwas aus Sicht einer ehemaligen Schülerin etwas zum 20jährigen Bestehen der Schule zu schreiben.

    Vor längerer Zeit hatte ich die Homepage der Schule (http://www.alg-gk.de/) besucht, und ich musste feststellen, dass das Schmökern auf der HP ein wehmütiges aber dennoch schönes Gefühl für mich war. Wehmütig, weil ich diese Zeit teilweise sehr vermisse und ich immer wieder gerne an meine Schulzeit zurückdenke. Die HP lässt sicher auch manche anderen ehemaligen Schüler in Erinnerung an die Schulzeit schwelgen. Das Schönste war für mich, zu sehen, dass alte Traditionen heute noch immer fester Bestandteil des Schullebens sind und weiterleben.

    Das bezieht sich zum allergrößten Teil auf unsere, aber aus meiner Sicht, auf „meine“ Arbeitsgemeinschaft „Jung und Alt, Lernort Altenheim“. Ich war damals vom ersten Tag an dabei, als dieses Projekt entstand, und machte bis zum Ende des 10. Schuljahres dort mit. Zunächst betreute Frau Steffens die AG, später übernahm ihr Bruder, Herr Steffens, die Leitung. Noch heute bin ich sehr dankbar, dass ich das alles erleben durfte. Wir hatten eine wundervolle, aufregende und sehr spannende Zeit im Altenheim.

    Wir machten die unterschiedlichsten Dinge, zum Beispiel wurden Weihnachtsfeiern und Sommerfeste gestaltet. Wir durften lernen, was man meiner Meinung nach sonst nirgendwo lernen kann, einen Umgang, wie man ihn heute leider oft vermisst. Wir Schüler erfuhren, wie es ist, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Wir verbanden uns die Augen und mussten uns führen lassen. Wir saßen im Rollstuhl und lernten, wie schwer das Leben sein kann ohne Beine. Für uns Schüler waren es Spiele, Spiele, die uns lehrten, wie sehr die Heimbewohner auf Hilfe angewiesen waren. Wir lernten, auf die jeweilige Situation eines Bewohners eingehen zu können.

    Längst waren es für mich nicht mehr nur Schulstunden, sondern es war ein Erlebnis. Ich ging oft in meiner Freizeit zum Pflegeheim und durfte ehrenamtlich betreuen. Ich las zum Beispiel einem blinden Mann aus der Zeitung vor, ging mit Bewohnern zum Einkaufen oder im Park spazieren. Es war eine traumhaft schöne Zeit für mich, die ich nur durch meine Schule erleben durfte.

    Ich war sehr stolz, als unsere AG 1998 bundesweit im Altenpflegepreis-Wettbewerb von mehr als 100 Bewerbern unter die fünf besten Projekte kam. Außerdem erhielten wir einen vierten Platz und eine „Ehrenvolle Nennung“. Dafür wurden alle Teilnehmer der AG ans Meer eingeladen, wo wir die Bewohner im Urlaub besuchen durften.

    Wegen dieser Erlebnisse machte ich später einen Kurs für Altenpflegehelferinnen und legte beim DRK die Prüfung zur Schwestern- und Pflegediensthelferin ab. Mehrere Jahre arbeitete ich in der Pflege.

    Es fallen mir noch viele andere schöne Dinge aus der Schulzeit ein. Unsere Klasse machte jährlich ein Projekt, zum Beispiel einmal zu Afrika. Stundenlang flochten wir Mädchen uns an Nachmittagen Rasterzöpfe, nähten afrikanische Kleidung, übten Tänze und ein Theaterstück ein. Es hat viel Spaß gemacht. Wir durften die unterschiedlichsten Dinge kennen lernen.

    Heute habe ich selbst eine Tochter, die im Sommer auf eine Gesamtschule wechselt. Mein Mann und ich hoffen, dass sie eine genauso schöne Schulzeit haben wird wie ich sie hatte. Auch wünsche ich mir für meine Tochter, dass sie eine Klassenlehrerin bekommt wie ich sie hatte, warmherzig, gut, perfekt, einfach da.

    Tanja Pinkas

    • . . . Christiane Berg, Felix Stephan, Florian Kirchner, Sven Haberbeck, Tristan Schyboll, Christian Schröter, Alf Kandrik, Bernd Lesko, Marjola Nagyidai, Bockel Mi, Marco Sievers, Birgit Harneit, Reza Rezai, Rainer Saalfeld, Suzo TheVet, Ursula Heinrich, Theo Tsiftsidis, Babsi Rdmnt, Didi Weinhold, Susanne Brinkmann, Kristofova Kvetoslava, Tom-Henry Grove, Regina Mürmann, Torsten Gaitzsch, Elias Hauck, Leo Riegel, Tim Wolff und Martin Sonneborn, Manuela Klein, Dörte GM, Nina Šveitsi, Kerstin Paar, Matthias Stoll, Ina Matthies, Melanie Düring, Kevin Wilms, Susanne Hagemann, Tim Messerschmidt, Melanie Meyer, Rosemarie Lönnies, Hen Ning und 17.518 anderen gefällt das.

  10. Interessant ist doch die rauschende Entwicklung der Pädagogik. Die hat die letzten 50 Jahre dermaßen viele neue Erkenntnisse gesammelt, neue Ideen in die Praxis getragen und sich dermaßen verbessert, dass es kaum zu verstehen ist, dass der Output immer beschränkter ist und die Wissenslücken immer größer. Völlig unverständlich ist auch, warum ausgerechnet die Bayern mit ihrem hinterwäldlerischen dreistufigen Schulsystem in vielen Belangen vorne liegen. Wahrscheinlich ist es einfach das beste, einfach zu unterrichten, als permanent zu reformieren.

  11. Peter
    nett von ihnen , dass sie wegen meiner besorgt sind. ich war z 4 und habe mich aber nach zwei jahren von dem club der ( 10 000 verarschungen ) getrennt. aber zum thema. das system erzeugt zwänge. zwänge erzeugen verhaltensmuster. peter, sie können auch nur helfen, wenn sie sich vorher selbst geholfen haben. wer nichts hat, kann eben auch nichts teilen. unsere kinder werden in diesem system zu egoisten erzogen. ellenbogen raus heißt die devise. ich bin mal bei einer mutter eingeschritten, die es zugelassen hatte, dass ihr kleinkind einer älteren frau ständig gegen deren beine getreten hat. als ich diese mutter zur rede gestellt hatte, gab sie mir folgende antwort: mein kind muss doch lernen, sich beizeiten durchzusetzen. diese aussage ist keine erfindung von mir. erst ,als ich der alten dame geraten habe, sich doch mal mit ihrem schlüsselbund zu wehren, protestierte die mutter, nahm ihr kind und verschwand.