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Alt und Jung sollen in einem Block in der alten Kaserne zusammen wohnen. Doch die Bewohner kaufen sich nicht ein, sondern zahlen Miete. Unterstützt wird das Konzept vom Bundesfamilienministerium. Foto: be
Alt und Jung sollen in einem Block in der alten Kaserne zusammen wohnen. Doch die Bewohner kaufen sich nicht ein, sondern zahlen Miete. Unterstützt wird das Konzept vom Bundesfamilienministerium. Foto: be

Besser wohnen in alter Kaserne

ca Lüneburg. Es gibt mehrere Wohnprojekte in der Stadt, die andere Wege des Zusammenlebens gehen, die Wohnanlage Lena am Brockwinkler Weg ist ein Beispiel, die Bauwagenplätze an der Straße zwischen Lüneburg und Vögelsen ein anderes. Die Initiative Gemeinschaft.Sinn möchte ein neues Projekt auf dem Gelände der ehemaligen Schlieffenkaserne umsetzen. Die Akteure wollen einen der Blocks kaufen, in denen einst Soldaten stationiert waren. Die Gruppe erhält nun Rückenwind: Das Bundesfamilienministerium hat die Lüneburger Idee als modellhaft erkannt und fördert sie bis 2019 mit 200.000 Euro.

Ine Pentz und Heike Rode, die zu den 18 Erwachsenen und fünf Kindern gehören, die derzeit zur Gruppe zählen, freuen sich über die Anerkennung und Hilfe. Denn das Ministerium gibt nicht nur Geld, sondern unterstützt mit Beratung und Öffentlichkeitsarbeit. Auch wird der Ansatz ausgewertet, um als Konzept anderen Lösungsmöglichkeiten zu zeigen.

Ihr Ansatz geht davon aus, dass Jung und Alt zusammen wohnen. Das Gebäude soll vom Verein erworben werden, aber anders als zum Beispiel in einer Genossenschaft, sollen im alten Haus Nummer 10 nicht nur Menschen zu Hause sein, die sich „einkaufen“, sondern beispielsweise auch Familien mit geringem Einkommen. Jeder, der dort einzieht, zahlt Miete. Das Haus soll nach den Bedürfnissen der Bewohner gestaltet werden.

Doch man will nicht nur für sich selbst sorgen, die beiden Mitstreiterinnen berichten, dass in dem Gebäude auch Gemeinschaftsräume entstehen, die von Nachbarn aus dem Viertel genutzt werden können etwa für gemeinschaftliches Kaffeetrinken oder kulturelle Veranstaltungen. Eine Partymeile will man aber nicht schaffen.

Es sei allerdings nicht einfach, das Gebäude zu erwerben, sagt Ine Pentz. Die Liegenschaft gehört einem Unternehmen des Bundes, kurz Bima. Die Immobilienagentur soll beim Verkauf von Liegenschaften mit Kommunen zusammenarbeiten. Bekanntlich bemüht sich die Stadt seit Jahren, weitere Teile der alten Kaserne zu erwerben.

Mit der Stadt sei man im Gespräch und werde unterstützt, berichten Ine Pentz und Heike Rode. Der Plan: Über die Stadt kann das Gebäude, das nahe der Bleckeder Landstraße steht, gekauft werden. Die Gruppe, die am Ende rund 45 Menschen ein Zuhause schaffen möchte, geht davon aus, dass sie mindestens 800.000 Euro für Sanierung, Umbauten und Beseitigung von Schadstoffen investieren muss. Der Kaufpreis sei ungewiss. Der hänge eben von den Verhandlungen zwischen Bima und Rathaus ab. Über Kredite, Einlagen und Miete soll die Finanzierung am Ende gestemmt werden. Langfristig, so glauben die Initiatoren, werde so auch in Lüneburg günstiger Wohnraum geschaffen. Denn in dem Gemeinschaftsprojekt müssen über Mieten keine Renditen erwirtschaftet werden.

Wann aus der Vision Wirklichkeit wird, ist noch offen. „Wir könnten sofort loslegen“, sagt Ine Pentz. Doch erst einmal müsse das Haus dem Verein übertragen werden.