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Patchwork-Familien machen mittlerweile jeden siebten Haushalt in Deutschland aus. Neben neu verheirateten Paaren, die Kinder aus anderen Beziehungen mit in die Ehe bringen, zählen dazu auch nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern und Familien mit Pflegekindern. Foto: A/tamme
Patchwork-Familien machen mittlerweile jeden siebten Haushalt in Deutschland aus. Neben neu verheirateten Paaren, die Kinder aus anderen Beziehungen mit in die Ehe bringen, zählen dazu auch nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern und Familien mit Pflegekindern. Foto: A/tamme

Schwieriges Patchwork-Erbe

rast Lüneburg. Der Treueschwur auf ewig vor dem Pastor oder Standesbeamten ist längst nicht mehr bindend: Rund 50 Prozent aller in Deutschland geschlossenen Ehen werden innerhalb der ersten sieben Jahre geschieden. Mehr als die Hälfte aller geschiedenen Mütter und Väter haben nach zwölf Monaten einen neuen Partner. Eine Patchwork-Familie entsteht. Beim Thema Erben kann es dabei böse Überraschungen geben, denn das Erbrecht hat nur die klassische Familie im Blick. Die Notarkammer Celle, der auch die Lüneburger Notare angehören, hat einige Regeln und Tipps zusammengestellt.

Erbberechtigt sind Eheleute, gleichgeschlechtliche Partner mit eingetragener Lebenspartnerschaft sowie leibliche Kinder. Stirbt ein Partner in einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft, haben nur die leiblichen Kinder des Verstorbenen, nicht aber des Partners oder die Stiefkinder Anspruch auf das Erbe. Ist die frühere Ehe nicht geschieden, erbt auch der Ehegatte. Sind Immobilien im Spiel, könnte sich ohne Testament Folgendes ergeben: Besitzt die nichteheliche Lebensgemeinschaft ein Haus und sind beide Partner im Grundbuch eingetragen, erben im Todesfall die Kinder die Hälfte des Hauses.

Nach einer Scheidung wird oft vergessen, Testamente oder Erbverträge an die neue Lebenssituation anzupassen. Damit die erbrechtlichen Bestimmungen aus erster Ehe mit denen der neuen Lebenssituation nicht in Konflikt geraten, sollten die alten Dokumente unbedingt widerrufen werden.

Ein Tipp der Kammer für die Eltern in Patchwork-Familien: Paare, die aus früheren Beziehungen Kinder mitbringen und im Todesfall nicht nur diese, sondern auch den jeweils anderen Partner absichern möchten, können diesen Wunsch mit einer sogenannten Vor- und Nacherbschaft oder mit Vermächtnissen regeln: Stirbt der eine Partner, wird der andere der Vorerbe. Er erbt ein sogenanntes Sondervermögen. Bis zu dessen Tod bleiben allerdings das geerbte Sondervermögen und sein eigenes Vermögen getrennt. Denn stirbt nun auch der zweite Partner, geht das Sondervermögen an die leiblichen Kinder des Erstverstorbenen. Sie sind dessen Nacherben. Ein Verzicht auf den Pflichtteilsanspruch bei Eintritt der Vorerbfolge ist möglich, muss aber notariell beurkundet werden. Betroffene sollten beachten, dass durch die Vor- und Nacherbschaft die Erbschaftssteuer doppelt anfallen kann.

Wer quasi maßgeschneidert vererben will, dem empfiehlt die Notarkammer das Aufsetzen eines Erbvertrages: Mit ihm kann das Paar individuell bestimmen, was mit dem Erbe im Falle des Todes der Partner geschehen soll. Sofern die Kinder volljährig sind, kann das Paar die leiblichen und fremden Kinder in den Vertrag einbinden. Die Familie sollte aber beachten, dass ein Erbvertrag nur mit Zustimmung des anderen Partners geändert werden kann und nach dem Tod des einen Partners gar nicht mehr — es sei denn, man hat sich das Recht zur einseitigen Änderung vorbehalten.

Die ungerechte Verteilung
Was passiert, wenn in einer Patchwork-Familie kein Testament vorliegt, zeigt folgendes Beispiel: Beide Partner bringen je ein Kind mit in die neue Familie. Stirbt der Ehemann, erbt seine Ehefrau die Hälfte des Vermögens, die andere Hälfte geht an sein leibliches Kind. Stirbt dann die Mutter, bekommt deren leibliches Kind das komplette Vermögen der Mutter — diesmal erhält das leibliche Kind des Mannes nichts. So landen letztlich drei Viertel des elterlichen Vermögens beim leiblichen Kind der Mutter.