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Seit 2002 gibt es das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue, ein mehr als 56.000 Hektar großes Schutzgebiet entlang der Elbe im Kreis Lüneburg und in Lüchow-Dannenberg. Vor Ort wünscht man sich von Anfang an den Einsatz hauptamtlicher Ranger - bisher allerdings vergeblich. Foto: rg
Seit 2002 gibt es das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue, ein mehr als 56.000 Hektar großes Schutzgebiet entlang der Elbe im Kreis Lüneburg und in Lüchow-Dannenberg. Vor Ort wünscht man sich von Anfang an den Einsatz hauptamtlicher Ranger - bisher allerdings vergeblich. Foto: rg

Biosphärenreservats-Beirat fordert Einsatz hauptamtlicher Ranger

off Bleckede. Die Forderung ist so alt wie das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue: Zur Betreuung des Schutzgebietes und zur Schaffung von Akzeptanz wünschen sich die Mitglieder des Biosphären-Beirats den Einsatz hauptamtlicher Ranger. Doch während das Land Niedersachsen sowohl den Nationalpark Harz als auch das Weltnaturerbe Wattenmeer mit entsprechendem Personal ausgestattet hat, warten die Verantwortlichen an der Elbe seit 14 Jahren vergeblich. „Alle unsere Bemühungen liefen bisher ins Leere“, sagt der Beiratsvorsitzende und Geschäftsführer des hiesigen Bauernverbandes Wolf Winkelmann. Für ihn und seine Mitstreiter ein klares Zeichen: „Das Umweltministerium degradiert unser Biosphärenreservat zu einem Schutzgebiet zweiter Klasse.“

Der Beirat selbst besteht aus insgesamt 20 Vertretern aus Gemeinden, Landkreisen, Kammern, Verbänden, Umweltbildungseinrichtungen und Hochschulen — und eine seiner Kernaufgaben ist es, „das Verständnis der ortsansässigen Bevölkerung für den Wert des Biosphärenreservates und die notwendigen Schutzmaßnahmen“ zu fördern. „Diesen Auftrag nehmen wir sehr ernst“, sagt Winkelmann, „und deswegen haben wir 2015 einen erneuten Anlauf unternommen, um das Umweltministerium von der Notwendigkeit hauptamtlicher Ranger zu überzeugen.“ Doch auch der grüne Umweltminister Stefan Wenzel macht Winkelmann wenig Hoffnung. Was fehlte, seien die finanziellen Mittel. Und zwar auf ungewisse Zeit.

Grundsätzlich steht zwar auch das Umweltministerium dem Ranger-Einsatz offen gegenüber, hat 2014 selbst ein entsprechendes Konzept für den Nationalpark Wattenmeer und das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue erarbeitet. Für das Biosphärenreservat sind darin fünf Stellen vorgesehen, genehmigt hat das Ministerium allerdings nur die elf Ranger-Stellen für das Wattenmeer. Winkelmanns Vorschlag, drei der elf Stellen dem Biosphärenreservat zuzuschlagen, kann Wenzel in seinem Antwortschreiben wenig abgewinnen. Die elf Stellen seien der Mindestbestand für den Nationalpark. „Ein Abzug würde die Qualität des Konzeptes in der Umsetzung beeinträchtigen.“

Die gleiche Antwort erhielt im Februar dieses Jahres auch der Bürgermeister der Samtgemeinde Elbtalaue, Jürgen Meyer. Als Leiter der Arbeitsgemeinschaft Elbtalaue/Wendland hatte auch er das Ministerium im Sommer 2015 um den Einsatz hauptamtlicher Ranger gebeten — vergeblich. Die Gebietsbetreuung, so der Umweltminister, erfolge im Biosphärenreservat durch die Polizeireiter, die zertifizierten Natur- und Landschaftsführer sowie die Bildungsangebote der Biosphärenreservatsverwaltung, des Biophaeriums und des Archezentrums. „Mir ist bewusst, dass das kein voll adäquater Ersatz für hauptamtliche Ranger ist“, schreibt Minister Wenzel. „Allerdings ist mit der Kombination … gegenwärtig zumindest ein Mindestmaß an Gebietsbetreuung gewährleistet.“

Für das Ministerium scheint das Thema damit vom Tisch zu sein. Für Winkelmann und seine Mitstreiter ist es das noch lange nicht. „Auch 14 Jahre nach der Gründung fehlt es dem Biosphärenreservat in der Bevölkerung nach wie vor an Akzeptanz“, sagt der Beiratsvorsitzende. „Da braucht es dringend gezielt ausgebildete Leute, die nicht nur Regeln überwachen oder Führungen anbieten, sondern den Menschen vor Ort die Idee des Biosphärenreservates nahe bringen.“

Denn anders als gemeinhin wahrgenommen, verfolgt das Bioshärenreservat in seiner Ursprungsidee nicht nur die Belange des Naturschutzes. „Es geht in dieser Modellregion auch um soziale und wirtschaftliche Entwicklung“, sagt Bleckedes Bürgermeister und stellvertretender Beiratsvorsitzende, Jens Böther. Leider seien die soziale und wirtschaftliche Komponenten bisher zu kurz gekommen. „Umso wichtiger ist es, dass wir nun endlich eine gemeinsame nachhaltige Entwicklung von Natur, Mensch und Wirtschaft vorantreiben.“

Und dafür ist mehr notwendig als Polizeibeamte und Ehrenamtliche. „Dafür brauchen wir endlich hauptamtliche Ranger“, sagt Böther.

Grüner Gesinnungswandel?

Schon seit Jahren wird der Einsatz von Rangern im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue diskutiert. Auch von den Grünen im Landtag. 2012 — die Grünen saßen noch auf der Oppositionsbank, Umweltminister war Stefan Birkner (FDP) — veröffentlichte die Öko-Partei eine Pressemitteilung zum Thema. Überschrift: „Grüne wollen Ranger statt Reiterstaffeln im Biosphärenreservat“. Mehr als deutlich kritisierte die Grünen-Landesvorsitzende Meta Janssen-Kucz damals die Entsendung von Polizisten ins Schutzgebiet, warf Birk­ner unter anderem „Angst vor der Natur vor“ und betonte: „Wir sind uns mit vielen Bürgern im Wendland einig, dass es zum Schutz von Natur und Tourismus und für die Einhaltung von Regeln besser wäre, fachlich geschulte Ranger statt polizeiliche Reiterstaffeln einzusetzen.“

Konkrete Zusagen macht das niedersächsische Umweltministerium in Sachen Biosphärenreservats-Ranger nicht. Doch eins stellt Ministeriumssprecherin Justina Lethen klar: „Auch wir wünschen die Einstellung von hauptamtlichen Rangern im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue.“ Der Schutzgebiets-Beirat hatte das Thema am Montag öffentlich gemacht und beklagt, das Land behandele das Biosphärenreservat wie ein Schutzgebiet zweiter Klasse. Jetzt äußerte sich auch das Ministerium in Hannover zu dem Thema, blieb konkrete Zusagen allerdings schuldig.

Wie berichtet, kämpfen die Verantwortlichen in den Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg schon seit Jahren für den Einsatz hauptamtlicher Ranger – auch um die Akzeptanz des Schutzgebiets in der Bevölkerung zu steigern. Doch auch ihr jüngster Vorstoß scheiterte, stattdessen gab Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) dem Wattenmeer den Vorzug.
Das allerdings bedeutet laut Ministerium nicht, dass man das Biosphärenreservat aus dem Blick verloren hat. Auf Nachfrage erklärt Sprecherin Lethen: „Die Landesregierung hat das Ziel, nach den positiven Erfahrungen im Nationalpark Harz auch in den anderen beiden Großschutzgebieten eine entsprechende Gebietsbetreuung durch Rangerinnen und Ranger sicherzustellen.“ Und zwar Schritt für Schritt.

Auf Grundlage eines eigens erstellten Konzeptes wurden laut Lethen „in einem ersten Umsetzungsschritt“ zunächst im Nationalpark Wattenmeer zehn neue Rangerstellen und eine Stelle zur Koordination geschaffen. Und zwar nicht ohne Grund: „Angesichts der Tatsache, dass der Landesrechnungshof die Sicherstellung einer ausreichenden Gebietsbetreuung im Bereich des Wattenmeeres thematisiert hatte und das Nationalparkgebiet Teil des staatenübergreifenden UNESCO-Weltnaturerbe-Gebietes Wattenmeer und gleichzeitig auch UNESCO-Biosphärenreservat ist, musste eine Prioritätensetzung zugunsten dieses Gebietes erfolgen.“

Auch für das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue wird das Rangerkonzept laut Ministerium aber weiterhin verfolgt. „Sobald Haushaltsmittel dafür zur Verfügung stehen, sollen stufenweise Stellen für hauptamtliche Rangerinnen/Ranger geschaffen werden“, erklärt Lethen. Offen bleibt allerdings, wann genug Geld dafür vorhanden sein wird.
Nicht locker lassen will bei dem Thema auch die regionale Grünen-Landtagsabgeordnete Miriam Staudte. Der Einsatz von Rangern an der Elbe werde in den Regierungsfraktionen zurzeit intensiv diskutiert, sagt sie und betont: „In den letzten Sitzungen des rot-grünen Arbeitskreises Umwelt zum nächsten Haushalt bestand Einigkeit, dass die Einführung von Rangern im Biosphärenreservat mit Nachdruck verfolgt werden muss.“