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Um den Charakter der Kasernengebäude an der Bleckeder Landstraße zu erhalten, wurde jetzt für den Bereich ein Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Foto: t&w
Um den Charakter der Kasernengebäude an der Bleckeder Landstraße zu erhalten, wurde jetzt für den Bereich ein Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Foto: t&w

Kasernengebäude sollen als Ensemble gesichert werden

as Lüneburg. Entlang der Bleckeder Landstraße prägen Kasernengebäude seit vielen Jahren das Stadtbild. Die Gebäude sind bis heute in ihrer äußeren Form erhalten, auch wenn es inzwischen Umnutzungen zum Beispiel durch das Behördenzentrum Ost gegeben hat. Die Stadt möchte dort bekanntlich in einem weiteren Bauabschnitt Wohnraum entwickeln, auch wenn das Areal derzeit noch dem Bund gehört. „Es ist Ziel der Stadt, dieses Gesamtensemble in seinem Charakter zu sichern“, machte Stadtbaurätin Heike Gundermann im Bauausschuss deutlich. Dafür sei die Aufstellung des Bebauungsplans „Hanseviertel-Ost/Bleckeder Landstraße“ notwendig. Die Ausschussmitglieder folgten dem einstimmig. Gleichzeitig wurde eine Veränderungssperre beschlossen.

Gundermann erläuterte, dass es bereits Interessenten für die Gebäude gebe. Umbauten wolle man durchaus ermöglichen, auch den Ausbau von Dachgeschossen sowie den Anbau von Balkonen. Um den Charakter der Gebäude zu erhalten, bedürfe es eines Bebauungsplanes, der unter anderem Baugrenzen festsetzt. Und Baulinien, die vorgeben, wo auf zwei Freiflächen noch Gebäude entstehen können.

Rainer Petroll (Linke) erklärte, er habe als Soldat nicht gern in einer Kaserne gewohnt. Seine Fraktion präferiere statt Erhalt der Gebäude den Abriss und Neubau. Die Stadt solle dazu einen Architektenwettbewerb ausloben. Das war für die Stadtbaurätin eine Steilvorlage für ein leidenschaftliches Plädoyer für den Erhalt des Ensembles. Gebäude und Struktur hätten eine hohe städtebauliche Qualität. „Ich würde dort auch einziehen, weil ich die Fantasie habe, was dort entstehen könnte.“ Die Stadt habe außerdem im Vorfeld ein Architektenbüro beauftragt, bei einem Gebäude zu prüfen, was dort entstehen könnte. Dabei sei auch der Sanierungsaufwand ins Verhältnis zu einem Neubau gesetzt worden. Inklusive Schadstoff- und energetischer Sanierung sei Sanierung die günstigere Variante. „Kasernen gehören außerdem zu unserer Geschichte und alle Kasernenstandorte gewinnen Qualität durch das, was bewahrt wird.“

Birte Schellmann (FDP) sagte: „Ich freue mich, dass Sie so engagiert vortragen.“ Der Bauausschuss habe sich in anderen Städten solche Projekte angeschaut, die Gebäude hätten enorme Qualität. Das Plädoyer beeindruckte zwar auch Eberhard Manzke (CDU), „aber man muss doch auch Investoren ermöglichen, etwas Neues zu bauen“. Man könne doch über den Bebauungsplan regeln, dass die neue Substanz hineinpasst. Gundermann hielt dem entgegen, es gehe nicht um ein Erhaltsgebot. Doch wenn jemand etwas abreiße, müsse er sich an die jetzt vorhandenen Formen beim Wiederaufbau halten. Aus Sicht von Ulrich Blanck muss es darum gehen, Prägendes zu erhalten. Für den Grünen spricht aber noch Weiteres dafür: „Hochwertige Bausubstanz zu erhalten, ist auch im Sinne der Nachhaltigkeit sinnvoll.“ Den Gedanken ergänzte Christian Burgdorff, der für den Arbeitskreis Lüneburger Altstadt als beratendes Mitglied im Ausschuss sitzt: Bei Abriss seien 50 Prozent der Abfallmenge Bauschutt. Das korrigierte Eberhard Manzke: „Wir haben eine Recycling-Quote von 95 Prozent.“ Recycling koste allerdings auch Energie, setzte Ulrich Löb (Grüne) dagegen.

2 Kommentare

  1. Stadtbaurätin Heike Gundermann hielt „ein leidenschaftliches Plädoyer für den Erhalt des Ensembles“ der seit vielen Jahren das Stadtbild zierenden Kasernengebäude entlang der Bleckeder Landstraße. „Gebäude und Struktur hätten eine hohe städtebauliche Qualität.“ (…) „Kasernen gehören außerdem zu unserer Geschichte und alle Kasernenstandorte gewinnen Qualität durch das, was bewahrt wird.“ (…) Es sei deshalb „Ziel der Stadt, dieses Gesamtensemble in seinem Charakter zu sichern“, machte Stadtbaurätin im Bauausschuss deutlich. Dafür sei die Aufstellung des Bebauungsplans „Hanseviertel-Ost/Bleckeder Landstraße“ notwendig. Die Ausschussmitglieder folgten dem einstimmig. Gleichzeitig wurde eine Veränderungssperre beschlossen.

    Ach! — Hier sollen also – anders als am Bockelsberg – keine „militaristischen Strukturen“ und keine im Einklang mit dem Roten Feld tatsächlich einmal erhaltenswert gewesene städtebaulich einmalig einheitliche Backsteinarchitektur durch das Hineinpflanzen einer grauenvollen grauen, angeblich aber Grauenvolles „kontrastierenden“ Riesenbizarrerie aus Zinkblech und Stahlbeton „aufgebrochen“ werden?

    Ich habe den Eindruck, die ausgelutschten Worthülsen und leeren Phrasen, welche die „Stadtplanung“ in Lüneburg argumentativ aufhübschen, richten sich im Grunde immer nur nach den Pegelständen in der Gelddosen der Kämmerei. Hat man irgendeine landeseigene oder europäische Förderbehörde über den Löffel balbieren können, wird „freies Denken contra alte Ordnung“ propagiert, muss man aber mit vorhandenen Geldmitteln wirtschaften, wird „der Reiz des Hergebrachten“ zum kunsthistorischen Notwendigkeitsimperativ verklärt.

    Auch „aus Sicht vom Architekturexperten Ulrich Blanck (wen wundert das) muss es (angesichts klammer Kassen) darum gehen, Prägendes zu erhalten“. Verständlicher Weise hatte nur Bauunternehmer Eberhard Manzke (CDU) eine andere Meinung: „Aber man muss doch auch Investoren ermöglichen, etwas Neues zu bauen“, ließ sich der Immobilien-Entwickler, -Investor und Bauträger („Geht es um Immobilien in Lüneburg und Niedersachsen? Dann sind Sie bei uns genau richtig.“) Manzke vernehmen.

    • Sie haben Recht. Stadtbaurätin Heike Gundermann betonte, „inklusive Schadstoff- und energetischen Aspekten sei Sanierung die günstigere Variante.“ Auch ist ja nichts dagegen zu sagen, dass die Kosten, sofern neben den materiellen auch die sozialen und gesundheitlichen Kosten berücksichtigt worden sind, eine wichtige Rolle spielen. Aber dass dann, nachdem damit ohnehin schon alles entschieden war, fürs LZ-Publikum inferiore stadtästhetische und architekturhistorische Plattitüden in Stellung gebracht wurden, die der eigenen Verkaufspropaganda zugunsten der Libeskind-Monstrosität, des düsteren Museumsmausoleums und des klebrigen Stadtvillenskandalons in der Lessingstraße hohnsprechen, um nicht zu sagen, diese Propaganda in ihrer verschleiernden Zweckrhetorik geradezu entlarven, ist schon ein Meisterstück selbstgerechter Chuzpe, die sich entweder besorgniserregenden Gedächtnisschwächen unter den Mitgliedern des Bauausschusses verdankt oder, was wahrscheinlicher ist, ganz einfach auf die Gedächtnisschwächen der Lüne-Bürger*innen setzt.