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Der Ortskern von Kirchgellersen ist geprägt von historischer Bausubstanz. Die Gemeinde möchte den gewachsenen Dorfcharakter bewahren. Foto: uk
Der Ortskern von Kirchgellersen ist geprägt von historischer Bausubstanz. Die Gemeinde möchte den gewachsenen Dorfcharakter bewahren. Foto: uk

Gratwanderung im Ortskern von Kirchgellersen

uk Kirchgellersen. Den Charakter des Dorfes für die Zukunft bewahren — das ist der erklärte Wille der Gemeinde Kirchgellersen. Dass das bisweilen eine schwierige Gratwanderung sein kann, zeigte sich bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses in der Aula der Grundschule. Auf der Tagesordnung: Der Bebauungsplan Nr. 17 „Dorf“, der künftig Regeln zur Gestaltung, Dichte und Art der Bebauung im Ortskernbereich festlegen soll. Dorfcharakter auf der einen Seite, Wohnungsknappheit und hohe Nachfrage nach Bauland auf der anderen Seite — zwischen diesen Polen galt es auszuloten. Die Ausschussmitglieder einigten sich nach Kritik von Zuhörern in der Einwohnerfragestunde auf einen Kompromiss, gaben eine einstimmige Beschlussempfehlung an den Gemeinderat.

Eingangs skizzierte Ortsplaner Frank Patt nochmals das Ziel des B-Plans. Überall, wo in der Vergangenheit neue Bau- oder Industriegebiete entstanden sind, habe man entsprechende B-Pläne, nur der historische Ortskernbereich mit seiner teils alten Bausubstanz sei bisher nicht überplant. „Es geht darum, Verstädterungstendenzen zu stoppen, damit hier nicht ein Allerweltsort entstehen kann“, so Patt. Der Großteil der Fläche soll nun als Dorf- bzw. Mischgebiet ausgewiesen werden, was zum einen den Fortbestand der landwirtschaftlichen Betriebe im Ort sichert, zum anderen Ansiedlung von Gewerbe zulässt, wobei Spielhallen und Discotheken ausgeschlossen sind. Für ausgewiesene Grünflächen, etwa am Niederungsbereich In der Peul, gelten die Sonderregeln der Grünordnung: Das Pflanzen von fremdländischen Gehölzen etwa ist untersagt.

Als Knackpunkt erwies sich die Festlegung der Grundstücksgröße für Wohnhäuser: Der Plan sieht eine Mindestgröße von 650 Quadratmetern vor, auf denen maximal zwei Wohneinheiten entstehen dürfen. Das rief Widerspruch im Publikum hervor: Die Gemeinde verhindere damit, dass sich junge Familien angesichts der hohen Baulandpreise ein Grundstück leisten könnten. „Auch wer nur 500 Quadratmeter bezahlen kann, sollte bauen dürfen“, so die Kritik. Gemeindedirektor Tobias Raudies sah das anders: „Mit 650 Quadratmetern liegen wir schon unter dem Wert von Reppenstedt. 500 hat nichts mehr mit Dorf zu tun.“ Es gebe immer noch genügend Möglichkeiten, große Grundstücke zu teilen, ergänzte Patt: „Wenn man das noch weiter reduzieren will, kann man es auch ganz lassen.“

Ausschussvorsitzender Alfred Lemke (parteilos) betonte, für steigende Grundstückspreise sei nicht die Gemeinde verantwortlich: „Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Wir wissen, dass der Bedarf groß ist. Aber irgendwo müssen wir auch Grenzen setzen.“ Einige Änderungen werden nun aber doch eingearbeitet: Der hintere Bereich der Grundstücke am Wappenhorner Weg wird nicht mehr als Grünfläche festgelegt. Die Grundstücksgröße von 650 Quadratmetern bleibt, für eine dritte Wohneinheit sind aber nur noch 400 Quadratmeter zusätzlich erforderlich. Ausdrücklich ausgenommen davon ist die Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude. Hier hofft die Gemeinde, dass leerstehende Scheunen im Dorf nicht abgerissen, sondern zu Wohnzwecken genutzt werden.