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Was genau auf dieser Freifläche am Wienebütteler Weg entstehen soll, wird erst nach der Kommunalwahl wieder Thema sein. Das Neubaugebiet steht nun in der Warteschleife. Foto: nh
Was genau auf dieser Freifläche am Wienebütteler Weg entstehen soll, wird erst nach der Kommunalwahl wieder Thema sein. Das Neubaugebiet steht nun in der Warteschleife. Foto: nh

Neubaugebiet in der Warteschleife

as Lüneburg. Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben sind die Planungen für das Neubaugebiet „Am Wienebütteler Weg“. Die Mitglieder des Bauausschusses vertagten den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan. Erst einmal soll das endgültige Klimagutachten auf dem Tisch liegen, ein Verkehrsgutachten und eine Potenzialabschätzung für Flora und Fauna erstellt werden. Außerdem wurde die Verwaltung beauftragt, die Bürgerbeteiligung auf den Weg zu bringen. Voraussichtlich im Oktober/November soll es einen Workshop mit Vertretern von Verwaltung, Politik und der Bürgerinitiative geben, in dem Planungsansätze und Interessen abgewogen werden — „aber mit Blick auf die Wohnbebauung“, wie Klaus-Dieter Salewski, SPD-Fraktionschef, deutlich machte.

„Wir machen keine Politik über die Köpfe der Bürger hinweg“, sagte Salewski. Mit dem Gruppenpartner, den Grünen, und „anderen“ habe man besprochen, dass es in der Sitzung nicht zum Aufstellungbeschluss kommen solle. Ulrich Blanck, Fraktionschef der Grünen, hielt fest: „Für uns geht es besonders um das Klimagutachten als Grundlage für die Bebauung.“

Wie berichtet, haben Umweltverbände, grüne Basis und zuletzt Vertreter der Initiative Grünerhalt West die Sorge geäußert, dass sich die Bebauung auf die Kalt- und Frischluftversorgung der Innenstadt auswirken könne. Deshalb müsse erst das endgültige Klimagutachten vorliegen. „Das ist auch unsere Position“, meinte FDP-Politikerin Birte Schellmann. Klima und Kaltluft seien auch die „heilige Kuh“ der Union, sagte Eberhard Manzke (CDU), „das Thema haben nicht einzelne Parteien für sich gepachtet.“ Er dankte der Verwaltung, dass sie das Klimagutachten in Auftrag gegeben habe. „Das waren nicht die Grünen.“

Stadtbaurätin Heike Gundermann erläuterte, dass das geplante Neubaugebiet an den geplanten Grüngürtel West grenze. Zwischen Gut Wienebüttel, das sich im Grüngürtel befindet, und der ersten Bebauung gemäß Entwurf gibt es einen Abstand von zirka 350 Metern. Das Plangebiet ist 24 Hektar groß, die Wohnbaufläche würde 8,1 Hektar einnehmen. Der Entwurf für eine Bebauung sei in Abstimmung mit Peter Trute gefertigt worden, dessen Büro das Klimagutachten für die Stadt erstellt. „Aber wir sind noch nicht fertig“, unterstrich Gundermann.

Trute stellte erste Ergebnisse des Gutachtens vor. Knapp gesagt, geht von dem Gebiet Weiße Berge die ,,größte Kaltluftdynamik“ aus, die Strömung zieht laut Modellrechnung am Neubaugebiet vorbei in Richtung Innenstadt. Für die Kaltluftversorgung der Innenstadt seien die überplanten Landwirtschaftsflächen von nachrangiger Bedeutung. Die Belüftung der Innenstadt erfolge durch andere Gebiete.

Als Hinweise für das Gebiet empfiehlt das Gutachten eine zurückhaltende Bebauung mit einer Versiegelung von maximal 40 Prozent, zweigeschossige, stark durchgrünte Einzel- und Reihenhausbebauung, einen 50 Meter breiten grünen Streifen entlang des Wienebütteler Weges zum Erhalt der Kaltluftschneise sowie eine grüne Achse durchs Quartier. Gundermann geht von maximal 260 Wohneinheiten aus, „aber es ist noch nichts festgeklopft“. Oberbürgermeister Ulrich Mädge hielt fest: „Wir haben die Aufgabe, Wohnungen zu schaffen. Dazu brauchen wir eine sachorientierte Diskussion.“ Er stellte in Aussicht, dass ein Klimagutachten für die ganze Stadt erstellt werden könnte. „Das wird allerdings dazu führen, dass wir nicht überall nachverdichten können.“ Bekanntlich fordern das verstärkt — statt der Ausweisung von Neubaugebieten — Grüne und Umweltverbände.

Brief sorgt für Ärger

Für Empörung sorgte bei Bauausschussmitgliedern ein Rundschreiben von Vorstandsmitgliedern des Ortsverbands der Grünen sowie von Monika von Haaren und Wolf von Nordheim, die auf Spitzenplätze der Partei für die Kommunalwahl kandidieren. Der Ausschussvorsitzende Heiko Dörbaum (SPD) nannte es einen „Drohbrief“. Die Absender hatten erklärt, dass es nicht vorschnell zu einem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Am Wienebütteler Weg“ kommen dürfe, solange „kein seriöses Klimagutachten“ vorliege. „Wir möchten Sie noch einmal daran erinnern, dass die Hansestadt Lüneburg Mitglied in mehreren Umweltbündnissen ist und sich damit zu einem entsprechenden Handeln verpflichtet (…) Klimatisch wichtige Gebiete dürfen nicht überbaut und versiegelt werden, schon gar nicht ohne Gutachten.“ Ansonsten müssten die Verantwortlichen in Lüneburg damit rechnen, dass bei laufenden und kommenden Umweltwettbewerben für Kommunen erneut Verbände und Privatpersonen von einer möglichen Preisverleihung an die Hansestadt abraten.

Mehr dazu:

Widerstand gegen Bebauung „Am Wienebütteler Weg“

Bremsen Häuser im Neubaugebiet die frische Luft?

Wohnraum für Lüneburg oder grüner Westen?

 

4 Kommentare

  1. Wetten das nach der Wahl gebaut wird!
    Ich würde mich freuen wenn ich mich täuschen würde aber…

  2. Machtgier und wirtschaftliche Interessen werden bald die ganze Peripherie Lüneburgs zubauen. Wo soll das bloß noch hinführen, wenn die ganze Natur und Landschaft zerstört wird? Endlich melden sich mal die Grünen und Umweltverbände zu Wort. Da war ja kaum noch ein Unterschied zwischen den Parteien zu spüren. Ich frage mich, wie die Infrastruktur dieses übertriebene Wachstum verkraften soll: Schulen, Kindergärten, Krankenhaus…Wird bei den Metronomzügen noch eine Etage draufgesetzt? Die sind jetzt schon überfüllt. Irgendwann muss doch auch mal gut sein und die Innenverdichtung ausreichen.

    • Ich glaube leider nicht Klaus.

      Unsere Stadtoberen haben natürlich eine ureigenes Interresse daran, gehaltskräftige Menschen aus Hamburg und Umgebung anzuziehen.
      Da diese mit hoher Wahrscheinlichkeit ihren Hauptsitz dann nach Lüneburg verlegen werden, kann
      die Gemeinde dann 15% der Lohnsteuer einbehalten.
      So kann man sich auch finanzieren und behaupten das alle Lüneburger davon etwas hätten, man kann dann die Schulden abbauen und mehr Geld für allgemeingültige Sachen ausgeben(theoretisch).
      Obwohl, vor einigen Jahren hat mir mal ein Vöglein gezwitschert, das angeblich die Schulden der Stadt seit dem Amtsantritt von Hr.Mädge exorbitant gestiegen sind, aber ob das stimmt kann ich leider nicht nachprüfen.
      Kurzum Lüneburg wird auf Gedeih und Verderb weiter wachsen und in naher Zukunft kann dann ein Oberbürgermeister(hoffentlich nicht Hr.Mädge) fröhlich verkünden das des bis zum Großstadtstatus(100.000 Ew) nicht mehr weit ist!

      • kleiner hinweis
        ab einer bestimmten bevölkerungszahl steigt das salär des ob.