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Klaus-Peter Teichmann (Mitte) und das Ehepaar Renate und Eckhard Raschke blicken auf die Ausgleichsfläche, die von der Stadt aufgeforstet wurde. Doch woher kommen die vielen Birken, die  wenige Meter von ihren Grundstücken entfernt in die Höhe sprießen? Foto: ahe
Klaus-Peter Teichmann (Mitte) und das Ehepaar Renate und Eckhard Raschke blicken auf die Ausgleichsfläche, die von der Stadt aufgeforstet wurde. Doch woher kommen die vielen Birken, die wenige Meter von ihren Grundstücken entfernt in die Höhe sprießen? Foto: ahe

Anwohnern ist städtische Ausgleichsfläche ein Dorn im Auge

ahe Lüneburg. Beim Blick über den Gartenzaun am Klosterkamp werden sich Anwohner und Stadt wohl nicht mehr grün. Wo einst ein Landwirt sein Feld bestellte, hat die Stadt vor fünf Jahren eine Ausgleichs- und Ersatzfläche für die Baugebiete Volgershall und Bilmer Berg geschaffen. Machten Klaus-Peter Teichmann und einigen seiner Nachbarn anfangs vor allem die Disteln zu schaffen, deren Blüten stets zu ihnen herüber wehten und wie Schnee auf ihre Grundstücke fielen, sind es nun Birken, die für Ärger sorgen.

Teichmanns Garten ist akkurat gepflegt, ebenso der von Renate und Eckhard Raschke direkt nebenan. Gemeinsam stehen sie an der Grundstücksgrenze und blicken gen Wendisch Evern. „Früher konnten wir von hier richtig weit gucken, das Klostergut Willerding sehen und all die Felder. Was meinen Sie, wie schön das war, als das alles geblüht hat“, sagt Teichmann wehmütig. So paradox es klingt: Heute verdeckt ihnen die Natur den Blick auf die Natur. Denn hinter dem Drahtzaun, den die Stadt gut zwei Meter hinter ihrer Grundstücksgrenze gezogen hat, sprießen inzwischen jede Menge Bäume in die Höhe.

Etwa 25.000 kleine Bäume, vor allem Traubeneichen, aber auch Laubbaum-Mischarten wie Spitz- und Bergahorn, Lärchen, Feld- und Bergulmen hatte die Stadt auf dem etwa sechs Hektar großen Areal gepflanzt. Sarah Cramer von Clausbruch aus dem Pressereferat erklärt: „Die Aufforstung stützt sich auf offizielle Bebauungspläne. So wurde das Thema beispielsweise im Grünflächen- und Forstausschuss vom 22. Juni 2011 diskutiert und von den Mitgliedern einvernehmlich zustimmend zur Kenntnis genommen. Alle Bäume befinden sich in ausreichendem Abstand zu den Grundstücken. Das Niedersächsische Nachbarschaftsgesetz besagt, dass die Bäume, die eine Höhe von etwa zwei Metern haben, einen Abstand von einem Meter zu den Grundstücken haben müssen.“

Das Distelproblem, über das die LZ bereits vor drei Jahren berichtet hatte, sei tatsächlich geringer geworden, gestehen die Anwohner ein, für Ärger sorgen aber jetzt vor allem die vielen Birken, sie stehen auch besonders nah an der Grenze, vielleicht drei Meter vom Zaun entfernt.

Teichmann verweist auf eine E-Mail, die er von der Stadt im Jahr 2011 bekommen hatte. Darin heißt es: „Im Übergang zu den Privatgrundstücken verbleibt ein Abstand von 30 Metern, der nicht mit Bäumen aufgeforstet wird.“ Die Stadt versichert: Sie habe die Birken nicht gepflanzt, sie hätten sich im Laufe der Jahre selbst ausgesät. Die Anwohner bezweifeln das. Renate Raschke moniert: „Wir können häufig nicht mal auf unserer Terrasse Kaffee trinken, weil das ganze Zeug von den Birken rüberfliegt. Die Blüten sehen aus wie kleine Plättchen, sie verstopfen auch die Dachrinne. Und wir sind schließlich nicht mehr die Jüngsten, um ständig da raufzuklettern und sauber zu machen.“

Die Stadt dagegen will die Natur auch Natur sein lassen. Sie bewertet das Dasein von Birken und Wildkraut als positiv: „Wir sollten es vermeiden, in die ganz natürlichen Prozesse, die am Klosterkamp stattfinden, einzugreifen. Das Wildkraut und die Birken spenden den gepflanzten Bäumchen Schatten im Sommer und Schutz vor Frost im Winter, so dass sie gut wachsen können. Das sollte auch das Ziel sein, denn mit Größerwerden der Bäume wird der angesprochene Wildwuchs zurückgehen. Je weniger Sonne sie bekommen, desto stärker wird er zurückgedrängt. Deshalb haben wir uns entschieden, Bäume und Kraut vorerst stehen zu lassen. Wie alle städtischen Flächen behalten wir auch diese genauestens im Blick. Sollten dort ungewöhnlich viele Birken oder Disteln wachsen oder sie den Grundstücken zu nah kommen, werden wir natürlich tätig.“

Die Anwohner dürfte das kaum zufriedenstellen. Teichmann sagt lapidar: „Wer die Stadt als Nachbar hat, braucht keine Feinde.“

6 Kommentare

  1. Markus Kroeger

    Ich hatte diesen Artikel auf Facebook geteilt. Diesen Kommentar eines Lesers möchte ich euch nicht vorenthalten:
    „Ich würde ihnen die Visitenkarte des örtlichen Bestatters in die Hand drücken – dann können sie sich schon mal einen Sarg aussuchen, sich reinlegen, und müssen sich über die Natur und Wildwuchs keine Sorgen mehr machen.“

  2. Da wird der Hartbrandwichtel zugekrautet? Das geht ja gar nicht! Wo kommen wir denn da hin, wenn die Natur einfach so Flächen naturiert. Immer schön ordentlich, was soll denn sonst der Nachbar denken? Was man nicht mit der Nagelschere verschönern kann, muss weg.
    Ich weiß gerade nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

  3. selten so gelacht. ja, wo kommen diese birken wohl her? wie können die sich in der natur nur verbreiten?Die Birke kann bereits im Alter von 5 Jahren mit der Fruktifikation beginnen und produziert dann regelmäßige große Mengen an Samen, die durch den Wind verbreitet werden.Und was der Mensch dazu beigetragen hat:
    Die Birke breitet sich mit Beginn der menschlichen Eingriffe in die Natur, als “Kulturfolger” wieder stark aus. Zur Verbreitung der Birke hat auch beigetragen, dass sie vor mehr als 200 Jahren als beliebter Alleebaum entlang von Straßen gepflanzt wurde. Zum einen sollte sie die Fuhrwerke davon abhalten die Straße zu verlassen und zum anderen diente sie der Trockenlegung (Wasserpumpe) der Wege.

  4. Hildegard Schroeder-Betula

    Ein fürwahr bedrohliches Szenario – das LZ-Foto dokumentiert den erschreckenden Grad der Verbuschung. Wohlmöglich pirscht im Gestrüpp auch noch ein Wolf umher und treibt dort sein Unwesen. Aber mal im Ernst, ich möchte Herrn Teichmann und dem Ehepaar Raschlke ein Youtube-Video empfehlen:
    „QiGong – Die 18 Übungen für Anfänger“ Lassen Sie in Ihrem Inneren einen Regenbogen erstrahlen, und machen Sie sich die Birken dieser Welt zu Freunden, denn sie spenden Sauerstoff und Chi. – Viel besser als „Tatort“!

  5. So ist eben die Natur…. und die bald großen Birken können dann ja die fliegenden Distelsamen auffangen!
    Deren Gärten sind doch top gepflegt…da stört doch die wilde Natur in der Nachbarschaft nicht. Und der Natur tut es gut, einfach nur Natur zu sein! Schmetterlinge und andere Insekten brauchen Blüten, z.B. die Distelblüten. Es gibt leider immer weniger Insekten…wenn man mal genau drauf achtet. Die Sorgen der Anwohner finde ich ein wenig übertrieben. Ich freue mich immer sehr, wenn ich “ Wilde Natur“ finde.

  6. Was meinen Sie, wie schön das war, als der Bauer noch ordentlich Gülle und Jauche auf die Felder gefahren hat! Dieser Landgeruch war einfach herrlich! Die Pflanzenschutzmittel und Industriedünger im Grundwasser werden wir einfach vermissen!