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Die beiden Gold-Gewinner: Anna Lena Clauß war mit ihrem Hannoveraner Wallach Enton bei den Special Olympics in Hannover gleich doppelt erfolgreich. Foto: us
Die beiden Gold-Gewinner: Anna Lena Clauß war mit ihrem Hannoveraner Wallach Enton bei den Special Olympics in Hannover gleich doppelt erfolgreich. Foto: us

Embsen holt Gold bei Special Olympics

us Lüneburg. „Lena, zeig mal! Wahnsinn!“ Fasziniert blicken die jungen Reiterinnen auf die beiden Medaillen, die Anna Lena Clauß in den Reitverein Reiterhof Rüter in Wetzen mitgebracht hat. Jede von ihnen muss die goldglänzenden Auszeichnungen einmal berühren, als seien sie nur so wirklich zu erfassen. In Wetzen trainiert Anna Lena Clauß mit ihrem Pferd Enton, bei den Special Olympics 2016 für Sportler mit geistiger Behinderung in Hannover holten beide in der vergangenen Woche Gold und das gleich zwei Mal.

„Ich habe schon auf einen guten Platz gehofft, aber dass es gleich zwei Mal der erste wurde, damit habe ich nicht gerechnet“, erzählt Anna Lena Clauß. Mit ihrem 17-jährigen Hannoveraner Wallach Enton setzte sie sich in der vergangenen Woche bei dem sportlichen Groß­ereignis in den Dressurwettbewerben in der Prüfung RE 1 und in der sogenannten Level A-Prüfung mit hohen Wertnoten gegen die Konkurrenz aus dem gesamten Bundesgebiet durch. Und dabei hatte Enton in der zweiten Prüfung noch leicht gepatzt, der Wechsel von Galopp zu Trab kam 20 Zentimeter zu spät. „Ich dachte, das wars. Zum Glück hat es dann ja doch noch gereicht“, freut sich die 26-Jährige.

Liebe zum Reiten von Klein auf

Schon früh hat die gebürtige Lüneburgerin ihre Liebe zum Reiten entwickelt. Mit acht waren zunächst Ponys angesagt, ab dem zehnten Lebensjahr trainierte sie auf Schulpferden im Reit- und Fahrverein Rote Schleuse. Wenig später dann kam Enton, damals dreijährig und vom Charakter her genau das richtige Pferd für die Reiterin, die seit ihrer Geburt geistig behindert ist. „Er sollte brav sein, und das ist er auch“, lobt sie ihr Gold-Pferd, mit dem sie auf Turnieren im Kreispferdesportverband Lüneburg mehrfach erfolgreich war.

An den Special Olympics nahm sie zum ersten Mal teil. Mit Enton, ihrer Trainerin Corina Fritz, ihrer Mutter und reichlich Ausrüstung und Futter im Gepäck ging es nach Alt-Vinnhorst bei Hannover, wo die Wettkämpfe der Reiter stattfanden. „Die ganze Woche war es brütend heiß, und ich musste immer mittags ran“, berichtet Anna Lena. Doch sie nutzte die Zeit, trainierte in jeder freien Minute, um sich an die örtlichen Gegebenheiten zu gewöhnen, und beobachtete nebenbei die Prüfungen der Konkurrenz. „Ich hab mich schon gefreut, wenn die einen Fehler gemacht haben“, gesteht die 26-Jährige ein, sagt aber auch: „Es war schön, mit den anderen Reitern zusammenzusein und neue kennenzulernen.“

Überraschung in Embsen

Nach dem sportlichen Groß­ereignis in Hannover erwartete sie in ihrem Wohnheim der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg in Embsen dann die nächste Überraschung. Überall waren von ihren Mitbewohnern Glückwunsch-Plakate für einen feierlichen Empfang angebracht, und auch für Enton gab es Schmuckgirlanden an seinem Stall in Wetzen.

Trotz aller Freude über ihren großen Erfolg, eine erneute Teilnahme an den Special Olympics wird für die beiden Goldgewinner wohl nicht mehr in Frage kommen. „Aufwand und Kosten sind schon erheblich“, sagt Mutter Maren Clauß, die ihre Tochter zu den Turnieren stets begleitet. Anna Lena denkt jetzt ohnehin erstmal ans Ausruhen, „die Woche war richtig anstrengend“. Reiten steht an diesem Wochenende bei ihr jedenfalls nicht auf dem Programm: „Ich gehe mit meinem Freund aufs Stadtfest.“