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Elias Gowin fährt mit dem Longboard nach Rom

Eligator 03: auf vier Rollen durch Europa

ap Lüneburg. Unter dem Pseudonym Eligator 03 tourt er durch Europa. Sein Ziel: Rom. Elias Gowin nimmt jedoch nicht den Zug, den Fernbus oder das Auto. Der 19-Jährige ist mit seinem Longboard unterwegs. 1700 Kilometer muss er insgesamt bewältigen. Und wer möchte, kann den jungen Mann auf großer Fahrt begleiten, denn Elias hat einen Youtube-Kanal eingerichtet. Täglich veröffentlicht er ein Video-Tagebuch mit Aufzeichnungen während der Fahrt und kleinen Anekdoten. Seine Abonnentenzahl auf der Plattform steigt täglich, 17 000 Nutzer folgen dem Sportbegeisterten aus Lüneburg. Eines seiner Videos wurde fast 50 000 Mal aufgerufen.

Elias Gowin fährt mit dem Longboard nach Rom. Foto: Stefan Janke/IKZ
Elias Gowin fährt mit dem Longboard nach Rom. Foto: Stefan Janke/IKZ

„Die vielen Kommentare sind sehr aufbauend“, sagt Elias, der seine Tour über sechs Monate bis ins Detail plante, in Lüneburg vor allem im Stadtteil Ochtmissen fleißig trainierte. „Longboard Tracking“ ist das Fachwort, für das, was den Absolventen der Wilhelm-Raabe-Schule zurzeit durch Deutschland treibt. „Das habe ich bei einem Freund gesehen, der Skandinavien durchquert hat.“ Eigentlich sei der Plan gewesen, von New York nach Los Angeles zu fahren, aber die „größenwahnsinnige Idee“ habe er schnell wieder verworfen. Dafür habe er sich aber fest vorgenommen, später einmal England mit dem Brett zu umrunden.

Rom erschien zunächst greifbarer, zumal Elias die italienische Hauptstadt schon mit seiner Familie besucht hat. „Meine Eltern wollten mich zuerst unbedingt von meinen Reiseplänen abbringen, sie fanden es zu gefährlich – und den Gedanken, mit einem Longboard zu reisen, absurd“, erinnert er sich heute. „Aber mittlerweile unterstützen sie mich total, meine Mutter organisiert jetzt sogar meine Übernachtungen.“

Sein Tagesziel von 50 Kilometern habe er in Niedersachsen stets erreicht, momentan seien es eher 35 bis 45 Kilometer. Vor allem das schlechte Wetter durchkreuze ihm die Pläne. „Es regnet viel und es ist sehr windig“, erzählt Elias, der sich momentan im Raum Augsburg aufhält. „Das Mittelgebirge habe ich wirklich unterschätzt, das war viel anstrengender als gedacht.“ Phasenweise habe er sich auch auf seine Füße verlassen müssen, als schlecht asphaltierte Straßen das Fahren verhinderten.

Video-Tagebuch hat 17 000 Fans

Sein Rekord-Tag mit 60 absolvierten Kilometern endete mit einem „sehr schmerzhaften Sonnenbrand“ im Nacken. „Ich nehme mir aber immer auch genug Zeit, um mir kleinere Städte anzuschauen und mal zu verschnaufen“, sagt der Longboarder und schwärmt von der nordrhein-westfälischen Stadt Iserlohn. „Da hat es mir wirklich gut gefallen.“
Längere Pausen von ein bis zwei Tagen hat Elias schon vor Reisestart festgelegt: Dortmund, Köln, München, Innsbruck und Venedig. Die Zeit brauche er, um sich zu regenerieren. Denn das Longboarden gehe vor allem in die Beine. Das bekamen auch seine Schuhe schon zu spüren: Nach nur einer Woche waren die Sohlen „komplett durch“, ein neues Paar musste her.

Sein Gepäck hat der 19-Jährige auf ein Minimum beschränkt: Klamotten für vier Tage, Laptop mit Kabel, zwei Kameras inklusive Ersatzteile und sein Board. In den Abendstunden sei er neben der Essenssuche vor allem mit dem Video-Schnitt beschäftigt. „Das hat mir immer schon Spaß gemacht, ich lerne täglich dazu“, erzählt Elias.
Um sich diese Freiheit nehmen zu können, musste Elias allerdings viel arbeiten: „Ich habe vor allem in einem Nachtclub gejobbt.“ Außerdem habe er von einem Sponsor Regenkleidung und eine Finanzspritze von 500 Euro erhalten.

Trotz der großen Unterstützung hat Elias schon das ein oder andere Mal darüber nachgedacht, abzubrechen. Doch der Ehrgeiz habe stets überwogen. „Ich denke, dass solche Höhen und Tiefen normal sind, gerade wenn man allein reist“, sagt Elias und benennt die Vorteile: „Ich kann entscheiden, wann ich eine Pause machen will, habe viel Zeit zum Nachdenken.“ In der Schule habe er vor allem das Gruppengefühl gemocht, sich vor Einzelarbeiten immer gern gedrückt. Für ihn habe diese Reise auch etwas mit Selbstbewusstsein und selbstständigem Arbeiten zu tun. „Ich hoffe, dass ich nach dieser Tour allein mehr leisten kann.“ Nach seiner Rückkehr wartet zunächst die Bundeswehr auf den reiselustigen jungen Mann, der langfristig gern Schauspieler werden möchte.

One comment

  1. Sehr geehrtes LZ-Team,

    nur der Ordnung halber, Elias ging nicht auf die Wilhelm-Raabe-Schule, sondern auf die Waldorf-Schule in Lüneburg.

    Schade, die Rudolf Steiner Schule hätte sich gefreut (!) dennoch ein schöner Bericht über diese außergewöhnliche Tour,
    danke !!

    Der Vater von Elias.

    Mit freundlichen Gruß,
    Ralf Gowin