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Nördlich des Naturbads Bardowicker Strand könnte künftig auch der Lüneburger SK in einem neuen Sportpark kicken. Doch das Projekt ist in der Kommunalpolitik umstritten. Foto: A/t&w
Nördlich des Naturbads Bardowicker Strand könnte künftig auch der Lüneburger SK in einem neuen Sportpark kicken. Doch das Projekt ist in der Kommunalpolitik umstritten. Foto: A/t&w

Bardowick: Gerät Sportpark ins Abseits?

dth Bardowick. Politische Unruhe um den angedachten Bardowicker Sport- und Freizeitpark: „Da uns Zahlen, Daten und Fakten fehlen, ziehen wir jetzt die Notbremse, bevor dem Flecken erhebliche Planungskosten entstehen“, erklärte gestern Frank Isenberg, Sprecher der Mehrheitsgruppe SPD/Wir für Bardowick (WfB)/Grüne. Bekanntlich betreibt die Verwaltung Vorbereitungen, in Kooperation mit der Klosterkammer Hannover ein Sportleistungszentrum sowie Objekte für sozialen Wohnungsbau zu entwerfen. Die Sportstätte nordwestlich des Fleckens könnte auch dem Lüneburger SK eine Perspektive bieten.

Zur Mitteilung der Mehrheitsgruppe sagt Bardowicks Samtgemeindebürgermeister und Gemeindedirektor, Heiner Luhmann (CDU): „Das ist eine durch den Wahlkampf geprägte Meinungsbekundung, die ich erstmal zur Kenntnis nehme. Wir sollten uns aber sachlich darüber auseinandersetzen.“

Den Willen, die Reißleine zu ziehen, formulierte die Gruppe SPD/WfB/Grüne bei einer internen Sitzung am Montag. Zum Zeitpunkt der Ankündigung sagt Isenberg auf LZ-Nachfrage: „Den Ausschlag hat gegeben, dass zwar Planungen in der Verwaltung da sind, das Projekt durchzuführen, aber die Politik wurde an dem Entscheidungsprozess noch gar nicht richtig beteiligt. Es gibt keine validen Zahlen, um das zu rechtfertigen.“ Zu viele Fragen seien nach wie vor offen: „Wir haben mehrmals nachgehakt, aber passiert ist einfach nichts. Nach dem, was wir wissen oder nicht wissen ist das Projekt so nicht durchführbar“, sagt Isenberg, der auch zweiter Vorsitzender der SV Eintracht Lüneburg ist.

Irritiert zeigte sich von dieser Erklärung Bardowicks Verwaltungschef Luhmann. Auf LZ-Nachfrage sagt er: „Erstmal muss die planerische Grundlage soweit gediehen sein, dass wir überhaupt Zahlen ermitteln können. Bisher befinden wir uns aber immer noch in der Phase von Vorgesprächen.“ So bestehe nicht nur Kontakt zu möglichen Hotelinvestoren. Es werde auch weiterhin über den Tausch von Flächen verhandelt.

„Die Bauchschmerzen waren von Anfang an da.“
Bürgermeisterin Eva Köhler

Als möglicher Investor für Wohnungsbau und Sportstätten (vier Fußballplätze, davon ein Stadion für zirka 5000 Zuschauer) steht die Klosterkammer parat. Deren Projektentwicklungsgesellschaft hatte zuletzt auf eigene Kosten einen ersten Entwurf gefertigt, wie das insgesamt rund zehn Hektar große Areal nördlich des Naturbads aufgeteilt werden könnte (LZ berichtete). Doch nun äußert sich in der gemeinsamen Presseerklärung die Mehrheitsgruppe auch kritisch zum Entzug von Flächen zur landwirtschaftlichen Nutzung. Lothar Meyer (WfB) sagt: „Die Landwirtschaft prägt Bardowick. Dazu müssen wir uns bekennen.“

Zudem gäbe es im gesamten Rat Bedenken zur Leistungsfähigkeit der Infrastruktur und Sorgen über die Lärmbelastung für das Wohngebiet, sagt Bardowicks Bürgermeisterin Eva Köhler (SPD): „Die Bauchschmerzen waren von Anfang an da. Und auch Sportvereine haben Bedenken geäußert.“ Würde nun die Notbremse gezogen, könne sich „die Verwaltung um dringendere Angelegenheiten kümmern“.

Hermann Soltau von der CDU-Fraktion zeigte sich von dem Vorstoß von SPD/WfB/Grüne überrascht: „Das ist für mich neu. Wir wollten das Projekt eigentlich noch erörtern, sobald weitere Informationen vorliegen.“ Die Zeit dafür wird sich der Rat wohl dennoch nehmen müssen, da er bereits gefasste Beschlüsse zum Bebauungsplan oder zur Veränderungssperre für das Areal zumindest teilweise zurücknehmen müsste.

Unstrittig sind hingegen die Bestrebungen für den sozialen Wohnungsbau, die ein Bestandteil der Sport- und Freizeitpark-Idee sind. „Wir haben in Bardowick ein erhebliches Problem mit bezahlbarem Wohnraum. Die Chance, neuen, guten Wohnraum zur Verfügung zu stellen, sollten wir unbedingt nutzen“, sagt Johannes Vogel (Grüne). „Auch die Pläne für die Wohnmobilstellplätze im Sinne der Tourismusförderung, sowie den Ausbau von Freizeitangeboten für Jugendliche möchten wir weiter verfolgen. Diese waren immer Bestandteile der Planung.“ Was davon übrig bleibt, dürfte sich spätestens nach der Kommunalwahl im September zeigen.

One comment

  1. Als Bardowicker würde ich mir wünschen, dass man sich zunächst schleunigst an die Erweiterung der Schulen macht. Eine Mensa ist mehr als überfällig, die Schulen platzen räumlich aus allen Nähten.
    Ein Sportpark ist überflüssiger Luxus, solange andere dringende Baumaßnahmen nicht erledigt sind.
    Die Räume in den Schulen werden dringend benötigt!