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Auch über den Tourismuszweig der Marketinggesellschaft können Interessenten Ferienwohnungen mieten. Doch die Bleiben stehen dann für normale Mieter nicht mehr zur Verfügung. Foto: A/t&w
Auch über den Tourismuszweig der Marketinggesellschaft können Interessenten Ferienwohnungen mieten. Doch die Bleiben stehen dann für normale Mieter nicht mehr zur Verfügung. Foto: A/t&w

Gäste willkommen – Mieter nicht

ca Lüneburg. Stadt und Landkreis legen Programme auf, mit Millionen-Unterstützung wollen sie neuen Wohnraum schaffen. Gleichzeitig entstehen immer mehr Ferienwohnungen und Gästezimmer — Bleiben, die für normale Mieter nicht mehr zur Verfügung stehen. Im Rathaus blickt man skeptisch auf die Entwicklung. „Wenn wir gefragt werden, was wir lieber sehen möchten, neue Ferienwohnungen oder dauerhaft zu nutzende Wohnungen, dann liegt die Antwort auf der Hand“, sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck: „Wir haben ja nicht umsonst ein Wohnungsbauprogramm aufgelegt, um die Situation in der Stadt zu entspannen.“

Wie berichtet, entstehen in einem arg angegriffenen Komplex an der Neuen Sülze elf Ferienwohnungen. Zudem bestätigt die Stadt, dass für ein Gebäude an der Salzbrückerstraße eine Bauvoranfrage vorliegt. Das Gebäude sei bislang als Einfamilienhaus genutzt worden, nun sollen vier Bleiben für Urlauber entstehen.

Natürlich bringen die Gäste Geld in die Stadt, Handel und Gastronomie profitieren. Wer allerdings eine Wohnung braucht, dem schmeckt die Entwicklung kaum. Und der Trend ebbt nicht ab. Suzanne Moenck sagt: „Seit Jahresbeginn 2015 hatten wir in der Stadt drei Bauanträge beziehungsweise Bauvoranfragen für insgesamt 13 Ferienwohnungen sowie weitere vier Anträge und Vor­anfragen für sogenannte Beherbergungsstätten, also Hotels und Gästezimmer mit insgesamt rund 50 Zimmern.“ Noch zwei Zahlen: 2014 wurden rund 310000 Übernachtungen in Häusern ab neun Betten gezählt. 2013 hatte die Marketing erklärt, dass dazu noch 70000 Gäste in Ferienwohnungen kommen.

Beim Tourismusbereich der Marketing GmbH geht man in Stadt und Kreis von mehr als 150 Ferienwohnungen aus. Im Stadtgebiet weiß man offiziell von 65 Angeboten. Dass beide Zahlen zu niedrig gegriffen sind, ist der Verwaltung selbstverständlich bewusst. Suzanne Moenck: „Aus Gesprächen mit Bürgern, die sich mit ihren Sorgen an die Bauaufsicht wenden, weil in ihrer Nachbarschaft statt Nachbarn Feriengäste eingezogen sind, wissen wir, dass nicht jeder, der solch eine Nutzungsänderung anstrebt, diese auch offiziell vorher anmeldet.“

Eine Suche bei Google zeigt bei der Kombination Lüneburg und Ferienwohnung 285 Treffer an. Ein Ferienhaus in Embsen bietet bis zu zehn Personen Platz. Im edlen Speicherquartier lässt es sich für 115 Euro pro Nacht auf 112 Quadratmeter recht passabel Urlaub machen. In einem charmanten Altstadthaus muss man mindestens zwei Nächte bleiben, 74 Euro pro Übernachtung und 20 Euro für die Reinigung muss der Gast berappen.

Last für den Lüneburger Wohnungsmarkt

Dazu kommt das Internetportal airbnb, das es aktuell auf 18 Treffer brachte — von chic bis günstig. So bietet zum Beispiel ein Mann an der Elbinger Straße auf dem Kreideberg eines seiner drei Zimmer samt gemeinsamer Bad- und Küchennutzung für 16 Euro pro Nacht an.

In Metropolen wie in Hamburg und Berlin, die eben auch mit Wohnungsmangel und gleichzeitigem Zuzug zu kämpfen haben, reagieren die Städte mit Sanktionen. In der Hauptstadt beispielsweise listet airbnb 17300 Unterkünfte. Der Senat will künftig Bußgelder von bis zu 100000 Euro verhängen, wenn die Bleiben keine offizielle Genehmigung besitzen. Ob die Abschreckung funktioniert, bleibt abzuwarten. Keine Wirkung ohne Kontrolle.

Auch im Rathaus möchte man diesem innerstädtischen Wandel nicht tatenlos zusehen. Oberbürgermeister Ulrich Mädge hat sich beim niedersächsischen Sozialministerium starkgemacht für die Wiedereinführung der sogenannten Zweckentfremdungsverordnung. Diese verhinderte bis 2003 unter anderem die Umwandlung von Wohnungen in Ferienwohnungen. Suzanne Moenck: „Die Stadt Lüneburg könnte diese Regelung als kommunale Satzung beschließen, aber erst dann, wenn der Landtag die Städte zuvor per Gesetz ermächtigt hat. Dieser Schritt steht noch aus.“

Bis dahin können Ordnungs- und Bauamt nur auf Nadelstiche setzen: „Wir prüfen bei Anträgen auf Ferienwohnungen sehr genau die baurechtlichen Vorgaben“, sagt die Sprecherin. „So ist zum Beispiel die Frage von ausreichenden Parkplätzen zu klären, die ja bei der Nutzung als Ferienwohnung anders zu bemessen sind als bei Mietwohnungen.“

One comment

  1. Hmmm, laut der Logik der Stadtverwaltung in diesem Bericht, müsste ja dann dieses Vorhaben: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/335789-neue-ferienwohnungen abgelehnt werden, oder etwa nicht?