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Vorbild für den Ochtmisser Kirchsteig: Am Häcklinger Friedhof steht bereits eine Höhenbegrenzung. Solch eine Messlatte will die Stadt am Kreisel Bei Mönchsgarten aufstellen. Foto: t&w
Vorbild für den Ochtmisser Kirchsteig: Am Häcklinger Friedhof steht bereits eine Höhenbegrenzung. Solch eine Messlatte will die Stadt am Kreisel Bei Mönchsgarten aufstellen. Foto: t&w

Die Erde am Ochtmisser Kirchsteig wird sich wieder auftun

ca Lüneburg. Für die Anwohner waren es keine guten Nachrichten: Die Erde am Ochtmisser Kirchsteig senkt sich weiter. Sie müssen mit erneuten Erdfällen rechnen, auf ihren Grundstücken, aber auch im Bereich der Straße. Den Verkehr kann die Stadt nur in begrenztem Maße bremsen und reduzieren. Rund 80 Nachbarn und Interessierte waren am Montagabend in die Aula der Herderschule gekommen, wo Oberbürgermeister Ulrich Mädge und seine Mitarbeiter zur aktuellen Lage Stellung nahmen.

Anlass war ein knapp drei Meter tiefer Krater, der Anfang des Monats im Garten eines Anwohners klaffte. Folge der Senkungen, die seit 2004 den Boden absacken lassen, Häuser in Schieflage bringen und augenscheinlich die Straße verschieben und reißen lassen. Der Geologe Thorsten Trapp, der das Geschehen im Auftrag der Stadt seit Jahren begleitet, ließ die Entwicklung Revue passieren. Hatte die Senkung in den vergangenen Jahren im Zentrum nachgelassen und sich per anno bei 10 bis 14 Zentimetern bewegt, könnte sie in diesem Jahr hochgerechnet auf etwa 26 Zentimeter steigen. Rund 10.000 Kubikmeter Erdreich seien durch Ausspülungen des Grundwassers in den vergangenen Jahren im Untergrund verschwunden.

Der aktuelle Erdfall — vor zehn Jahren hatte es auf dem Nachbargrundstück schon einmal einen gegeben — sei nicht vorhersehbar gewesen, sagt Trapp. Er habe noch kurz zuvor einen Messpunkt in 40 Zentimeter Entfernung überprüft: „Es gab nichts Auffälliges.“ Er rechnet damit, dass der Boden sich wieder auftun wird: „Aber wann, ist nicht vorhersagbar.“ Dafür sprechen ähnliche Erdfälle, die seit Jahrzehnten dokumentiert werden.

Er empfiehlt mehrere Maßnahmen. So sollte auf einigen Grundstücken mit einem Bodenradar fünf bis sechs Meter tief geschaut werden, um Unregelmäßigkeiten zu entdecken. Anwohner können Geogitter in den Boden einbringen, das sind Netze, die einwachsen. Das hat die Stadt bekanntlich schon vor langem an der Kita Stadtmitte gemacht, um Kinder vor denkbaren Erdlöchern zu schützen. Zudem sollten die Hausbesitzer auf Warnsignale achten, etwa Geräusche im Boden.

Trapp sagte auch, dass nicht nur Grundstücke und Gebäude betroffen sein können, sondern auch die Straße im Gefahrenbereich liegt. Er glaube allerdings nicht, dass ein Risiko besteht, dass Menschen zu Schaden kommen.

Mädge sagte den Betroffenen Unterstützung der Stadt zu. Sie wolle helfen in Fragen des Bodenradars und der Geonetze. Auch bei finanziellen Fragen sei man offen. Nach den Sommerferien möchte der OB mit Anwohnern den Straßenzug abgehen, um zu schauen, wie manches verbessert werden kann. Da geht es etwa um einen Huckel, der zur Sprungschanze geworden ist, oder zusätzliche Verkehrsinseln.

Die Höhenbremse

Die Stadt will in Höhe des Kreisels Bei Mönchsgarten eine Höhenbegrenzung von drei Metern installieren. So soll verhindert werden, dass Lastwagen und Sprinter auf das 400 Meter lange Stück bis zur Herderschule einbiegen. Dort ist Fahrzeugen, die mehr als 3,5 Tonnen wiegen, die Durchfahrt nicht erlaubt, es gilt Tempo 20.

Anwohner beklagen mehr Verkehr und sehen dafür zwei Ursachen: die Baustelle an der Willy-Brandt-Straße und die gesperrte Ortsdurchfahrt in Vögelsen. Sie sind überzeugt, dass die Erschütterungen durch Autos und Lkw zu weiteren Rissen an ihren Häusern führen. Dem widerspricht Geologe Trapp: Es bestehe kein kausaler Zusammenhang. Es gebe gewaltige Spannungen in der Erde, die sich ruckartig entladen und dann zum Beispiel einen Erdfall verursachen könnten. Allerdings räumte er ein, dass der Verkehr diese „Spannungsentladungen“ beschleunigen könnte.

Laut Stadt befahren pro Tag rund 6400 Fahrzeuge den unteren Ochtmisser Kirchsteig. Bei Zählungen an zwei Tagen hätten sich 48 Verstöße gegen Gewichtsbeschränkungen ergeben. Das sei auf die Gesamtzahl gerechnet wenig, die Folgen vermutlich überschaubar.

Polizeidirektor Roland Brauer warnte davor, aus dem kritischen Stück eine Einbahnstraße zu machen. Die Erfahrung zeige: Wenn Autofahrer keinen Gegenverkehr erwarten, gäben sie eher Gas. Die Stadt will die Straße nicht sperren, rechtlich sei das bei diesen Zahlen nicht möglich. Zudem würden dann andere Straßen mehr belastet. Das führe zu Klagen von Anwohnern.

Auf die Frage, was passiert, wenn ein Brummi in Höhe Herderschule alle Warnungen missachtet und durchfährt bis zum Kreisel, gab es keine eindeutige Antwort. Allerdings war klar, dass die Fahrer keine Möglichkeit zum Wenden oder gar Zurückfahren haben. Das Ganze werde sich einspielen, glaubt Mädge.