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Der Bleckeder Ratsherr Heiko Borgert nutzt täglich den Bus von Bleckede nach Lüneburg und zurück. Aus seiner Erfahrung hat er eine Mängelliste erstellt, über die die Stadt Bleckede nun mit Landkreis und Verkehrsunternehmen verhandeln wird. Foto: t&w
Der Bleckeder Ratsherr Heiko Borgert nutzt täglich den Bus von Bleckede nach Lüneburg und zurück. Aus seiner Erfahrung hat er eine Mängelliste erstellt, über die die Stadt Bleckede nun mit Landkreis und Verkehrsunternehmen verhandeln wird. Foto: t&w

Bus und Bahn aus Bleckede „teilweise eine Zumutung“

off Bleckede. Die Stadt Bleckede macht sich stark für Verbesserungen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Das hat der Rat während seiner jüngsten Sitzung auf Antrag des Grünen-Ratsherren Heiko Borgert einstimmig beschlossen. Aus eigener Erfahrung hat Berufspendler Borgert eine Liste mit acht Verbesserungsvorschlägen erarbeitet. Beim Landkreis Lüneburg und den Verkehrsunternehmen soll sich Bleckedes Bürgermeister Jens Böther nun für die Umsetzung einsetzen.

Borgert, der selbst täglich mit Bus und Bahn aus Bleckede nach Hamburg pendelt, hält die aktuelle Situation des ÖPNV „teilweise für eine Zumutung“. Handlungsbedarf sieht er in folgenden acht Punkten.

Fahrplantaktung: Verbesserungen wünscht sich Borgert vor allem bei der Abstimmung zwischen Bus- und Bahnfahrplänen. Gute Anschlüsse mit einer Wartezeit von zehn Minuten seien morgens (5 bis 8 Uhr) und abends (16 bis 20 Uhr) gewährleistet. „Wird allerdings ein Bus oder Zug in der Zwischenzeit benutzt, sind Wartezeiten bis zu einer Stunde möglich“, berichtet Borgert. Auch an der Umsteigestation Bleckede Bahnhof entstünden unnötige Wartezeiten, die durch eine bessere Fahrplantaktung entschärft werden könnten.

Barrierefreiheit: Haltestellen und Busse sollten laut Borgert barrierefrei und damit auch von Menschen mit Handicap benutzbar sein. Die auf der Linie 5100 und 5110/11 eingesetzten Busse seien allerdings nur zu 60 Prozent barrierefrei, da beim Einstieg drei steile Stufen zu überwinden seien. „Es ist dringend erforderlich, dass schnellstmöglich nur noch Niederflurbusse mit ebenerdigem Einstieg verkehren“, fordert Borgert. Bis alle Busse umgestellt seien, sollte im Fahrplan vermerkt sein, wann barrierefreies Busfahren möglich ist.

Temperatur in den Bussen: Im Sommer hat Heiko Borgert nach eigenen Aussagen immer wieder Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius in den Bussen miterlebt. „Da in diesen Bussen noch nicht einmal manuelle Lüftungsmöglichkeiten vorhanden sind, ist die Luft bei vollen Bussen verbraucht und stickig.“ Im Winter sei das Gegenteil der Fall, lägen die Temperaturen morgens häufig weit unter zehn Grad „und eine halbstündige Fahrt wird selbst in dicker Winterkleidung zu einer Herausforderung“. Seine Forderung: „Die Temperatur ist in den Bussen auf einem erträglichen Niveau zu halten.“

Sitzqualität: Borgert wünscht sich mehr Sitzplätze für große Menschen. „Bisher gibt es nur wenig Sitzplätze in den Bussen, die für Menschen ab 1,85 Meter wirklich nutzbar sind.“ An 95 Prozent der Plätzen müssten die Beine angezogen und an die Rücklehne der Vordersitze geklemmt, wahlweise in den Gang gestreckt werden.

Anruf-Sammel-Mobil (ASM): Aktuell gibt es laut Borgert nach 20 Uhr eine gute Anbindung mit den ASM von Lüneburg aus in alle Ortsteile der Stadt Bleckede. „Das sollte auch in die umgekehrte Richtung ermöglicht werden, um auch längere Aufenthalte in Bleckede zu ermöglichen.“

ZOB Lüneburg: Wo welche Buslinie am ZOB Lüneburg hält, ist laut Borgert zwar ausgeschildert. „Nur halten die Busse dort nur selten, da andere Busse die Plätze blockieren.“ Das bedeutet, „dass sehr aufgepasst werden muss, wo der Bus hält und teilweise vorbei an mehreren Bussen mehr als 100 Meter am Bussteig entlanggegangen werden muss“. Für Ortsunkundige und Menschen mit Handicap ein „Unding“. Da wünscht sich Borgert ein konsequenteres Anfahren der Haltepunkte.

Verbindungen am Sonntag: Aktuell gibt es lediglich drei Verbindungen am Sonntag zwischen 13 und 17 Uhr zwischen Bleckede und Lüneburg (beide Richtungen). Für Borgert „nicht ausreichend“.

Stationsansagen: Aktuell gebe es nicht in allen Bussen eine Anzeige oder Ansage der nächsten Haltestelle. Das sollte sich laut Borgert ändern. „Diese Ansagen müssen so verständlich sein, dass sie einem Ortsfremden den Ausstieg an der richtigen Haltestelle möglich machen.“

Das sagt der Landkreis

Lüneburgs Erster Kreisrat kennt diese Themen, die derzeit bundesweit diskutiert werden. „Wir haben ein integriertes Mobilitätskonzept ausgeschrieben und stellen unseren Nahverkehrsplan neu auf“, so Krumböhmer, „darin werden alle genannten Punkte abgearbeitet.“ Hierbei würde die Öffentlichkeit mitgenommen werden, auch die Kommunalpolitik. „Allerdings werden wir uns nicht isoliert auf einzelne Kommunen konzentrieren können, gerade die Gesamtsicht ist entscheidend.“ Der Rat der Stadt Bleckede könne aber sicher sein, dass kein Thema verloren ginge und dass er bei der Neuaufstellung des Konzeptes intensiv mitarbeiten könne. Ab 2020 werde es im Landkreis Lüneburg neue rechtliche Grundlagen für den Nahverkehr geben. Bis dahin müsse das neue Konzept stehen. „Natürlich können wir auch in der Zwischenzeit über Veränderungen reden“, sagt Erster Kreisrat Krumböhmer, „aber da gilt der Grundsatz, wer bestellt, bezahlt.“ Das sei bisher auch bei anderen Kommunen so gehandhabt worden.

Das sagt der Busbetrieb

Oliver Blau, Pressesprecher der KVG, nimmt zu verschiedenen Kritikpunkten des Bleckeder Ratsherrn konkret Stellung.
Barrierefreiheit: „Es ist richtig, dass teilweise noch Fahrzeuge eingesetzt werden, die keine Barrierefreiheit aufweisen, dieses wird durch laufende Neubeschaffung barrierefreier Busse und Ausmusterung alter Fahrzeuge stetig reduziert.“ Eine Kennzeichnung der nicht barrierefreien Fahrten im Fahrplan sei nicht umsetzbar, da es keine durchgängige Zuteilung der Fahrzeuge zu einzelnen Fahrten gibt.

Temperaturen in den Bussen: „Nur wenige Busse verfügen über Klimaanlage, sofern keine verbaut ist, sind auch manuelle Lüftungsmöglichkeiten vorhanden.“ Ist eine Klimaanlage verbaut, könne diese aufgrund des häufigen Öffnens der Türen auch nur einen begrenzten Wirkungsgrad erzielen, zudem seien extrem hohe Temperaturen selten. „Daher werden Fahrzeuge in der Regel ohne Klimaanlagen beschafft.“ Zur Situation im Winter erklärt Blau: „Viele Fahrzeuge starten morgens am Betriebshof in Bleckede, leider erreichen die Fahrzeuge so schnell keine ausreichende, für den Fahrgast angenehme Raumtemperatur.“

Sitzabstand: Der kritisierte Sitzabstand sei in den aktuellen Linienbusse standardisiert. „Zudem geht in Zukunft generell eher die Tendenz zu weniger Sitz- und zu mehr Stehplätzen, auch wegen der Herstellung der Barrierefreiheit.“

ZOB Lüneburg: „Es handelt sich am Überlandbereich des ZOBs in Lüneburg nur um Haltebereiche.“ Somit sei nicht klar getrennt, welcher Bus wo auf der einen vorhandenen Spur hält. „Leider ist dies aus planerischer und baulicher Sicht nicht umsetzbar.“

Stationsansagen: „Derzeit sind durchgängig in allen Fahrzeugen, die auf Stadtlinien eingesetzt werden, Anzeigen samt Ansagen verbaut.“ Reine Überlandfahrzeuge seien derzeit noch nicht mit dieser Technik ausgestattet. „Im Zuge von Neubeschaffungen wird aber der Anteil der Fahrzeuge mit entsprechender Technik sukzessive erhöht.“