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Egon Lause (vorn, v.l.), Kathrin Sander mit Jonte und Dirk Steininger werfen einen Blick auf die Karte. Auf dem Feld hinter ihnen soll ein neues Wohngebiet entstehen. Die Anwohner fürchten um den beschaulichen Charakter ihres Dorfes. Foto: phs
Egon Lause (vorn, v.l.), Kathrin Sander mit Jonte und Dirk Steininger werfen einen Blick auf die Karte. Auf dem Feld hinter ihnen soll ein neues Wohngebiet entstehen. Die Anwohner fürchten um den beschaulichen Charakter ihres Dorfes. Foto: phs

Hohenbosteler wehren sich gegen Bebauungspläne

emi Hohenbostel. Ein umfassendes Bebauungskonzept für die gesamte Einheitsgemeinde Bienenbüttel, Beteiligungskultur statt formaler Info-Veranstaltungen und eine Verkehrsführung ohne zusätzlichen Lärm — das sind nur einige Forderungen, die Hohenbosteler Bürger an die Verwaltung sowie die im Bienenbütteler Rat vertretenen Parteien stellen. Eine Willensbekundung mit 140 Unterschriften ist bereits im Rathaus eingegangen. Die Liste ist eine weitere Reaktion auf die Pläne der Gemeinde, nördlich und östlich des Hohenbosteler Baugebietes „Klusfeld“ neue Wohnbauflächen auszuweisen.

Schon im jüngsten Bauausschuss hatten etwa 35 Anwohner ihrem Unmut darüber Luft gemacht. Die geplante Entscheidung wurde letztlich auf Wunsch der Fraktion „Kommunalpolitische Alternative“ wegen Beratungsbedarf ohne Diskussion vertagt. Endgültig vom Tisch ist das Thema aber nicht.

Dirk Steininger lebt seit fast 20 Jahren im Klusfeld. Ausschlaggebend für den Wohnort war auch „der Wunsch nach einer ruhigen Umgebung“. Doch damit könnte bald Schluss sein, fürchtet der 48-Jährige. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Baugebiete, aber die vorgesehene Fläche hat die doppelte Größe unseres schon bestehenden Wohngebietes. Dann wird noch mehr Verkehr durch unseren Ort rollen.“

Widerstand gegen Bebauungspläne

Kritisiert wird von den Hohenbostelern auch, dass im Vorfeld der Bauausschusssitzung nicht alle Bürger darüber informiert worden waren, dass ein Aufstellungsbeschluss zur Änderung des Flächennutzungsplans gefasst werden sollte. In der Tat hatte der Bienenbütteler Bürgermeister Dr. Merlin Franke nur diejenigen Anwohner angeschrieben, deren Grundstücke an die beabsichtigte Fläche angrenzen.

In dem Schreiben begründet Franke das Vorhaben, neue Wohnmöglichkeiten zu schaffen: „Derzeit verfügt die Gemeinde Bienenbüttel über keine veräußerungsfähigen Bauplätze mehr.“ Um das gemeindliche Angebot dauerhaft für die Zukunft aufrechterhalten zu können — „vielfältige Geschäftswelt, Freibad, Kindertagesstätten, Grundschule, Bahnhof und so weiter“ — sei es notwendig, die Einwohnerzahl konstant zu halten oder leicht zu steigern. Auf LZ-Nachfrage fügt der Bürgermeister hinzu: Die Gemeinde arbeite daran, eine Zwischenlösung für 2016 und 2017 zu finden, andernfalls könne man drei Jahre lang keine Grundstücke mehr anbieten. Die Sicherung von Vorkaufsrechten erfolge, um Vermögensschäden von Gemeinde und Steuerzahlern abzuwenden.

Inzwischen hat der Konflikt die Kommunalpolitiker auf den Plan gerufen. Jüngst haben etwa die Grünen einen Infoabend zum Thema Baugebiete abgehalten. In einem Beschlussantrag für den Bauausschuss und den Gemeinderat Bienenbüttel fordern sie zudem, die Pläne für Hohenbostel einzustellen. „Wir meinen, dass die Planung eines neuen Baugebietes einer gründlichen Diskussion bedarf“, schreibt Fraktionsvorsitzender Reinhard Schelle-Grote. „Die betroffenen Bürger müssen beteiligt werden.“

Der Wunsch nach Mitbestimmung trifft den Nerv vieler Hohenbosteler. In ihrer Willensbekundung fordern sie „eine sehr frühzeitige Beteiligung aller direkt und indirekt Betroffenen vor dem Einleiten des formalen Regelverfahrens zur Aufstellung von Bebauungsplänen“. Bürgermeister Franke kann das Informationsbedürfnis verstehen, sagt er. Die Gemeinde werde sich jetzt bemühen, alle Bürger umfassend zu unterrichten.

Nach der Kommunalwahl im September soll ein Arbeitskreis einberufen werden, um die gesamte Gemeinde in den Blick zu nehmen.