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Ein Bild aus der Vergangenheit: ein mobiles Radargerät an der Ostumgehung. Aktuell blitzt die Polizei nicht an der Umgehungsstraße. Foto: A/t&w
Ein Bild aus der Vergangenheit: ein mobiles Radargerät an der Ostumgehung. Aktuell blitzt die Polizei nicht an der Umgehungsstraße. Foto: A/t&w

Polizei beim Blitzen ausgebremst

ca Lüneburg. In Lüne wird geblitzt ohne Ende (siehe unten), doch an anderen Stellen auf der Ostumgehung haben Schnellfahrer gute Chancen, nicht von der Polizei erwischt zu werden. Denn nach LZ-Informationen aus Polizeikreisen haben die Beamten ihre Kontrollen mit mobilen Geräten bereits vor einem Jahr eingestellt. Der Lüneburger Polizeisprecher Kai Richter will das nicht kommentieren, verweist an Landkreis und Straßenbauverwaltung. Auffällig ist allerdings, dass sich in den Polizeiberichten seit Monaten kein Hinweis mehr auf Messaktionen findet.

Der Hintergrund dafür mutet skurril an. Die Polizei benötigt für das Justieren ihrer Apparate und die „rechtssichere Zuordnung“ von Fahrzeugen Linien auf der Fahrbahn. Die hat bislang die Landesbehörde für Straßenbau auf den Asphalt malen lassen. Doch müsse das Auge des Gesetzes dafür bezahlen. Auf der Hude soll man in der Leitungsetage darüber zuerst ungläubig gelacht und dann den Kopf geschüttelt haben: Die Polizei habe ja nichts von den Einnahmen, die reiche sie weiter. Warum solle man den eigenen Etat für ein Farbenspiel auf der Fahrbahn belasten?

Streit um Kosten für Markierungen auf der Ostumgehung

Ein paar Meter weiter, im Straßenbauamt, nennt Chef Dirk Möller eine ähnliche Erklärung: Das Land erziele keine Einnahmen durchs Blitzen. Da frage Hannover, warum man die Markierungen, die von Fremdfirmen aufgebracht werden, finanzieren solle. Möller sagt: „Wir sind darüber mit Kreis und Polizei in Gesprächen.“

Offenbar seit langem. Ohne Ergebnis. Denn im Kreishaus erklärt Sprecher Hannes Wönig: „Im März 2015 haben wir durch die Polizei hinsichtlich der Ostumgehung Kenntnis bekommen. Da der Landkreis allerdings nicht der Straßenbaulastträger der Ostumgehung ist, wäre hier eine Regelung zwischen der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und der Polizei erforderlich.“ Übersetzt heißt das: Die Landesbehörden sollen sich einigen. Und: Der Landkreis werde nicht die Aufgaben der Polizei wahrnehmen. Man darf daraus schließen, dass der Kreis seine Messgeräte wohl nicht an der Schnellstraße aufbauen dürfte.

Die Verwaltung hat keine Eile — das dürfte Tempo-Fans auf der Ostumgehung beflügeln.

Blitzer schießt 1301 Fotos am Tag

us/ahe Lüneburg. Auf der Ostumgehung im Bereich Ebensberg blitzt es in diesen Tagen heftig. Löst das Tempomessgerät normalerweise bis zu 20 Mal an dieser Stelle aus, war der Blitzer am Dienstag quasi im Dauerbetrieb, schoss 1301 Fotos. Grund ist das neue Tempolimit von 80 km/h für Autos und 60 km/h für Lkw im Bereich Ebensberg. Vor allem Autofahrer, die erst hier auf die Ostumgehung auffahren, laufen nun Gefahr, in die meist zwar bekannte, aber jetzt neu justierte Radarfalle zu tappen. Sie kritisieren insbesondere die Beschilderung an der Auffahrtstelle. Die Landesstraßenbaubehörde erwägt Nachbesserungen.

„Wir nehmen die Hinweise auf und schauen uns die Situation daraufhin noch einmal an“, sagt Dirk Möller, Leiter der Landesstraßenbaubehörde in Lüneburg. Wie berichtet, hatte sie zu Beginn dieser Woche Schilder mit dem neuen Tempolimit aufstellen lassen, da Schäden an den Lärmschutz-Elementen festgestellt wurden. In diesem Zuge wurde auch der in diesem Bereich aufgestellte Blitzer auf 80 km/h umgestellt — zum Leidwesen von Autofahrern, die das Tempolimit offenbar kalt erwischt hat.

Marco Eberhardt ist am Dienstag gleich zweimal geblitzt worden: „Beim ersten Mal habe ich es gar nicht gemerkt, erst beim zweiten Mal“, erzählt er. „Wenn man wie ich morgens zur Hauptverkehrszeit auf die Ostumgehung fährt, ist man als Autofahrer damit beschäftigt, auf den nachfolgenden Verkehr zu achten, um sich einzuordnen. Da guckt man nicht auf die Beschilderung.“

Hinzu kommt, dass die Tempolimit-Schilder nicht wie sonst üblich am Ende des Beschleunigungsstreifens stehen, sondern unmittelbar vor der Brückenunterführung und damit etwa auf halber Höhe des Beschleunigungsstreifens. Dieser Umstand scheint nun auch die Ämter zu beschäftigen, Möller gab an, hierzu in Kürze Gespräche mit der Polizei und der zuständigen Verkehrsbehörde führen zu wollen.

Landesstraßenbaubehörde erwägt Nachbesserungen

An dem Tempolimit selbst aber hält Möller fest, auch wenn noch nicht absehbar ist, wann die Arbeiten an der Lärmschutzwand beginnen: „Wir müssen erst Art und Umfang der Schäden klären.“ Da aber insbesondere von vorbeifahrenden Lkw eine starke Sogwirkung auf die Lärmschutzelemente ausgehe, müsse bereits jetzt mit reduzierter Geschwindigkeit in diesem Bereich gefahren werden, um die vorhandenen Schäden nicht noch zu vergrößern. Weshalb aber auch Pkw langsamer fahren müssen, begründet Möller mit der „Homogenisierung“ des Verkehrsflusses: „Die Geschwindigkeits-Differenz zwischen Lkw und Pkw sollte nicht zu groß sein.“

Marco Eberhard jedenfalls hat sich bereits rechtlichen Rat eingeholt und ist sicher: So, wie sich die Situation aktuell darstellt, werde er mögliche Folgen für das Überschreiten der dort nun geltenen 80 km/h nicht hinnehmen. Zumal er mit der Meinung, dass die Beschilderung nicht in Ordnung sei, auch außerhalb juristischer Kreise nicht allein sei. „Meine Kollegen, von denen einige auch am Ebensberg auffahren, sehen das genauso“, versichert der Prokurist der Firma Eisenvater & Stitz.

Ähnlich sieht es auch der Lüneburger Rechtsanwalt Peter Luths: „Nach erster Einschätzung bieten sich gute Aussichten, erfolgversprechend dagegen vorgehen zu können.“ Er empfiehlt, den Hinweis auf das neue Tempolimit für die auffahrenden Autofahrer bereits anzukündigen, „also noch vor Beginn des Beschleunigungsstreifens, auf dem die Autofahrer ihre Aufmerksamkeit immer auf den fließenden Verkehr richten müssen“.

Geändert werden soll auf jeden Fall der Zusatz „Brückenschäden“ unterhalb der Tempolimit-Schilder. „Das ist so natürlich nicht richtig, aber wir hatten gerade kein passendes Schild zur Verfügung“, erklärt Möller.

Wie die Behörde auf die Kritik  an der Beschilderung der Tempo-80-Zone auf der Ostumgehung reagiert hat, lesen Sie hier: