Aktuell
Home | Lokales | Wettlauf zwischen Behörde und Natur
Der Zustand der Ententeiche hat sich leicht gebessert. Trotzdem bemängelt Nabu-Vorsitzender Mitschke noch immer zahlreiche Versäumnisse, zum Beispiel die aus seiner  Sicht zahllosen Nisthilfen für Waservögel. Foto: nh
Der Zustand der Ententeiche hat sich leicht gebessert. Trotzdem bemängelt Nabu-Vorsitzender Mitschke noch immer zahlreiche Versäumnisse, zum Beispiel die aus seiner Sicht zahllosen Nisthilfen für Waservögel. Foto: nh

Wettlauf zwischen Behörde und Natur

kre Lüdersburg. Thomas Mitschke macht keinen Hehl aus seinem Unmut: „Die Natur arbeitet, daran gibt es keinen Zweifel“, sagt der Vorsitzende des Naturschutzbundes Lüneburg. Ob die Kreisverwaltung ebenso emsig ihre Aufgaben erledigt, da ist sich der Naturschützer längst nicht mehr so sicher. Gute zwei Jahre ist es jetzt her, dass Mitschke aus seiner Sicht Missstände der Freiherr von Spoercken GmbH & Co. KG in Lüdersburg öffentlich gemacht hatte: „Verstöße gegen Wasser-, Naturschutz- und Jagdgesetze“ hatte er damals angeprangert. Was ist seitdem passiert? „Eindeutig zu wenig“, kritisiert Mitschke. Die Verwaltung sieht das differenzierter. Und auch von Spoerckens Anwalt Florian Asche weist den Vorwurf zurück.

Zur Erinnerung: Im Kern ging es um drei Vorwürfe — Veränderungen an Teichen ohne wasserbaurechtliche Genehmigung, ganzjähige Fütterung von Wildtieren und letztlich um die Frage, ob das gut 200 Hektar große Areal in Lüdersburg ein Jagdgehege oder doch nur ein „Tierpark“ ist. Die letzte Frage allerdings muss nicht der Kreis, sondern das Landwirtschaftsministerium beantworten.

Aber auch so hat der Kreis aus Sicht von Mitschke genug offene Baustellen — etwa bei der Renaturierung der Teiche, deren Wasserqualität der zuständige Fachbereichsleiter beim Landkreis, Wolfram Kallweit, im Oktober 2014 gegenüber der LZ noch mit „ungereinigten häuslichen Abwässern“ verglichen hatte.

Der Kreis hatte daraufhin angeordnet, dass der Besitzer für seine sieben Ententeiche ein fachgutachterliches Sanierungskonzept zu erstellen habe. Eine Verfügung, die vom Oberverwaltungsgericht aber als fehlerhaft befunden und deshalb kassiert wurde. Stattdessen, so die Richter damals, hätte der Kreis als Aufsichtsbehörde selbst anordnen müssen, wie die Teiche zu sanieren sind.

„Das sind formelle Dinge. Die werden wir jetzt möglichst schnell in unserer Verfügung konkretisieren“, sagte damals Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer. Doch passiert ist offenbar wenig. Die Natur vor Ort sei von einem anderem Ehrgeiz gepackt, „denn die liefert auch unter schwierigsten Bedingungen Ergebnisse“, stichelt der Nabu-Vorsitzende.

Den Vorwurf weist Kallweit zurück. Nachdem das OVG die erste Anordnung gekippt hatte, habe der Kreis versucht, im Rahmen eines Forschungsprojektes die Teichsanierung zu bewerkstelligen. Doch auch aus diesen Plänen wurde nichts. „Im Mai haben wir das Projekt für gescheitert erklärt“, sagt Kallweit: „Jetzt geben wir das Sanierungskonzept vor!“ Im Übrigen habe man gerade neue Wasserproben in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz gezogen. „Die Ergebnisse liegen noch nicht vor.“

Während also die Behörde noch an der Papier- und Parargrafenfront kämpft, hilft sich die Natur bereits selbst: Auch wenn die Wasserqualität der Teiche noch immer dürftig ist, Uferrand, Schwimmblatt- und Unterwasserpflanzen fehlen, hat der Nabu auch positive Entdeckungen gemacht: In einem flachen Teilstück gibt es wieder Fische (Rotfedern) und verschiedenste Libellenarten. Und auch Erdkröten-Kaulquappen erobern die Gewässer zurück.

Anwalt Asche wundert das nicht: „Es ist ohnehin sehr, sehr schwer, verbindliche Umweltparameter für die beanstandeten Teiche festzusetzen aufgrund verschiedenster Einflüsse wie Temperatur, Jahreszeiten, Laubeintrag und Niederschlag.“ Er sei sehr gespannt, wie das Teichkonzept des Landkreises aussehen wird, sagt Asche.

Zum Thema Fütterungsverbot im Jagdgehege sagt Kallweit: „Der Kreis hat eine Verfügung erlassen, die das Füttern von Wildtieren in der Zeit vom 1. Mai bis zum 31. Dezember untersagt.“ Gegen diese Verfügung habe die Gegenseite geklagt, eine Entscheidung gebe es noch nicht. „Die Angelegenheit ist jetzt beim Verwaltungsgericht“, sagt Asche.

Jagdgatter

Die Fage, ob Jagdgatter oder nicht, stellt sich nicht für Dr. Florian Asche, Anwalt der Freiherr von Spoercken GmbH, die das Jagdgehege betreibt. Das Jagdgatter habe Bestandsschutz, sagt der Jurist. Im Übrigen habe der Kreis das Gutachten eines Privatforst-Direktors eingeholt. Der sei laut Asche zu der Auffassung gekommen, dass das Gatter korrekt, das Wild bei guter Konstitution sei.

Die bereits im Februar 2015 vom Ministerium geforderte Wildbestandserhebung liegt derweil noch nicht vor. „Sie konnte noch nicht durchgeführt werden“, bedauert Wolfram Kallweit, zuständiger Fachbereichsleiter beim Kreis. Asche hält dies auch nicht für notwendig. Auf dem rund 200 Hektar großen Areal lebten 100 Sauen und 50 Stück Damwild. Das sei nicht zu viel.

Und das sagt das Landwirtschaftsministerium: „Im Jagdgatter Lüdersburg gilt das Bundesjagdgesetz. Gemäß des entsprechenden Paragraphen 21 (Abschussregelung) darf Schalenwild sowie Auer-, Birk- und Rackelwild nur auf Grundlage eines Abschussplanes erlegt werden. Der Abschussplan ist von der zuständigen Behörde, in diesem Fall also vom Landkreis Lüneburg, auf entsprechenden Antrag hin zu genehmigen. Der Landkreis wurde darauf hingewiesen, dass hierfür zunächst der Wildbestand im Jagdgatter zu ermitteln ist. Solange dieses nicht erfolgt ist, dürfen im Jagdgatter Lüdersburg keine dieser Wildarten erlegt werden.“ kre

2 Kommentare

  1. Darf man mal fragen, wie lange dort auf ca. 2 Millionen Quadratmetern schon ein Jagdgatter nebst Jagdschule betrieben wird, ohne dass es bisher irgendjemanden interessiert hat, ob dort die Jagdgrundsätze und -Gesetze gelehrt und eingehalten werden? Eine Wildbestandsermittlung erscheint den Betreibern und/oder den juristischen Vertretern völlig überflüssig? Dubios.

  2. Das Jagdgatter hat Bestandsschutz, allerdings gilt auch im Jagdgatter das Niedersächsische Jagdgesetz (NJagdG) und damit das Fütterungsverbot ab 1.Mai. Es wurde ein Gutachten erstellt, allerdings ohne Bestandszahlen, was seine Wertigkeit mehr als überschaubar macht. Somit kann selbst ein Gericht nicht über das Füttern entscheiden. Der Landkreis hatte die Auflage die tatsächlichen Wildzahlen zu ermitteln, was bei fehlender Vegetation im Frühjahr durchaus möglich war. Denn das gesamte Areal lässt sich auch in Dritteln unterteilen bzw. absperren, was früher für Jagdvorbereitungen auch umgesetzt wurde. Dies würde eine Bestandsaufnahme/Zählung deutlich erleichtern. Bis jetzt liegen nur Bestandszahlen des Betreibers vor, aus diesen können aber aus rechtlicher Sicht keine Abschusspläne erstellt werden. Viel Zeit ist vergangen, passiert ist nichts.