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Im Hause Lienkamp macht das Planschen erst richtig Spaß, wenn viel Wasser spritzt. Mit Wasserbomben bewerfen sich Lea Sophie und Loui. Foto: t&w
Im Hause Lienkamp macht das Planschen erst richtig Spaß, wenn viel Wasser spritzt. Mit Wasserbomben bewerfen sich Lea Sophie und Loui. Foto: t&w

Der Trend geht zum Pool im Garten

ap Lüneburg/Melbeck. Einen großen Pool im Garten zu haben, sei schon schön, findet Tabea Rolles. Die Neunjährige nutzt ihn fast täglich, ob nach einem langen Schultag oder jetzt in den Ferien. Sie lässt sich auf einer Sonnenliege treiben oder taucht mit ihrem Bruder um die Wette. Der eigene Pool, der rund 7500 Kubikdezimeter Wasser fasst, war ihr „kleiner Traum“ im vergangenen Sommer. „Ich wollte nicht so oft ins Freibad fahren“, sagt das Mädchen, das mit ihrer Familie in Oedeme wohnt. Mit diesem Traum scheint sie in guter Gesellschaft zu sein, denn immer mehr Lüneburger Familien planschen im eigenen Garten.

Waren es vor einigen Jahren Trampoline, die wie Pilze aus dem Boden schossen, entdeckt man heute in vielen Gärten üppige Schwimmbecken. Die hiesigen Baumärkte bestätigen den Trend. Beim Bauhaus ist der Anstieg an verkauften Pools „massiv“, verrät die stellvertretende Geschäftsführerin Nadine Marciniak. „Wir verkaufen heute 50 bis 60 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren, und wir rechnen damit, dass sich der Trend weiter verschärfen wird.“ Mittlerweile seien auch nicht nur die einfachen aufblasbaren Schwimmbecken, sondern hochwertige Poolanlagen gefragt. Preislich bewegen sich die Käufe zwischen 1000 und 30.000 Euro, sagt Marciniak. Auch im Hinblick auf die Pflege sei eine Veränderung spürbar: „Es geht nicht mehr nur darum, Wasser einzulassen und darin baden zu können“, auch die Pflege mache einen immer größeren Kostenfaktor aus.

Im Hagebaumarkt in Rettmer sind vor allem Pools für Kleinkinder gefragter denn je. „Das ist ein relativ starkes Geschäft“, sagt Mitarbeiter Rainer Kluge und spricht von einem Plus von 25 Prozent. Die größeren Schwimmbecken seien zwar keine Spontankäufe, fänden aber auch immer häufiger Abnehmer. „Wir spüren vor allem einen Anstieg im Gesamtpaket.“ Das beinhalte Chlor­tabletten, eine Solar-Abdeckplane, damit sich das Wasser besser halte, und ein Testset, um die Wasserqualität zu messen.

Auch Hornbach verzeichnet eine „kontinuierlich steigende Nachfrage“, teilt Pressesprecher Florian Preuß mit. Der Baumarkt habe sein Angebot daher ausgeweitet, um sowohl Kunden mit kleinem als auch jene mit großem Geldbeutel zufrieden zu stellen. Sehr häufig werde ein Pool gekauft, der schnell einsatzbereit sei. Aber auch hier würden die Kunden den Laden nicht ohne das Komplett-Set verlassen.

Den Garten von Familie Lien­kamp in Melbeck ziert ein Planschbecken. Für Lea Sophie und Loui das ideale Mittel der Wahl gegen Langeweile. „Ich habe mir zwei Jahre lang einen Pool gewünscht“, verrät die Elfjährige, die wochenlang auf gutes Wetter warten musste. Seit drei Wochen ist das Duo nun fast täglich in Badekleidung unterwegs. Yvonne Lienkamp genießt es, ihrer Tochter und ihrem Patenkind beim Planschen zuzusehen. „Nach der Schule heißt es: Klamotten aus und rein ins Wasser“, sagt sie. Viel Pflege brauche der Pool nicht. Die Investition von rund 200 Euro lohne sich, auch der Auf- und Abbau sei einfach: Lediglich ein Ring müsse aufgepumpt, das Becken dann mit 7000 Kubikdezimeter Wasser befüllt werden. Genug Volumen, um mit dem Kopf voraus hineinzuspringen, findet Loui und nimmt Anlauf. Ihm gefällt, dass im eigenen Pool mehr erlaubt sei als im Schwimmbad. „Da darf man zum Beispiel nicht vom Beckenrad reinspringen“, sagt der Neunjährige. Lea Sophie verrät weitere Wasserspiele: „Wir befüllen Ballons, werfen uns gegenseitig ab, tauchen um die Wette und machen einen Strudel.“

Bei Tabea Rolles in Oedeme winkt das Rundum-sorglos-Paket, sie hat nicht nur einen Pool geschenkt bekommen, sondern den „Poolboy“ gleich dazu erworben. Ihr Vater Arndt muss lachen, als er von dem Spontankauf im vorigen Sommer erzählt. „Das ist etwas eskaliert, eigentlich sollte er deutlich kleiner sein.“ Für die Stahlwand-Konstruktion habe er etwa 250 Euro ausgegeben, damit sei es aber nicht getan gewesen. „Als das Wasser plötzlich grün wurde, musste ich mich damit auseinandersetzen“, sagt er. Dank Filteranlage, Abdeckplane und Multifunktionstabletten habe er das Wasser seither nicht wechseln müssen. Tabea und ihr Bruder Rufus lieben die Abkühlung im 90 Zentimeter tiefen Becken. „Ich kann tolle Kunststücke machen, zum Beispiel einen Purzelbaum oder Handstand“, erzählt Tabea stolz. Außerdem habe sie schon das Bronze-Abzeichen, könne gut tauchen. Ab und zu seien auch Freundinnen zu Besuch, dann werde der Pool zum Meerjungfrauen-Paradies. Auch die Eltern genießen die Erfrischung vor der Terrassentür. „Das Wasser reicht mir zwar nur bis zur Hüfte, aber abends ist es doch sehr angenehm“, sagt Arndt Rolles.

Das rät der Experte

David Walmsey, Mitarbeiter am Institut für Ökologie an der Lüneburger Universität, warnt vor allem vor Nährstoffen im Schwimmbecken. „Sie werden durch Haut, Luft und andere organische Materialien ins Wasser getragen“, erklärt er. Viele Bakterien würden an Oberflächen haften, andere sich wiederum im Becken bewegen. „Phosphat, Stickstoff und Sonneneinstrahlung fördern die Algenbildung.“ Je wärmer das Wasser werde, desto schneller würden diese Prozesse ablaufen. Um den Pool sauber zu halten, sei eine gute Belüftung wichtig, da das Wasser bei Sauerstoffarmut „umkippe“. „Das passiert bei einem Pool, dessen Wasser nicht gewechselt wird, aber erst nach Wochen.“ Um Organismen abzutöten, würden Chlor oder hochkonzentrierte Salzmengen helfen. Außerdem gebe es neuere Methoden, beispielsweise die Seiten des Beckens mit UV beschichten zu lassen. „Die Strahlen werden an das Wasser abgegeben, töten so die Keime.“ Andere Möglichkeiten seien, vor dem Bad zu duschen und möglichst wenig Nährstoffe ins Wasser gelangen zu lassen. „Beispielsweise kann eine Abdeckung helfen, um Laub abzuhalten“, rät der Ökologe. Außerdem müssten die Seiten regelmäßig gereinigt werden.

Aber erst bei erheblichen Mengen an Bakterien, die toxische Stoffe produzieren, könne es für den Menschen unangenehm werden, verdeutlicht der Biologe. Dann könnten Hautreizungen auftreten. „Da appelliere ich an den gesunden Menschenverstand. Wenn sich sichtbar Algen bilden, man den Boden des Beckens nicht mehr sehen kann, dann sollte man sich dem nicht unbedingt aussetzen.“ In kleinen Pools sind Sauerstoffreserven im Vergleich zum Volumen geringer, erläutert Walmsey, daher komme es darin schneller zu Verunreinigungen.

Pflegetipps

  • pH-Regulierung: Der pH-Wert beeinflusst alle Faktoren des Beckenwassers. Er sollte idealerweise bei 7,0 bis 7,4 liegen.
  • Desinfektion: Bei Wassertemperaturen über 20 Grad vermehren sich Keime und Bakterien schneller. Oxidationsmittel verbrennen diese und desinfizieren so das Becken.
  • Algenbekämpfung: Algen dienen als Nährboden für Bakterien. Um eine einwandfreie Wasserqualität zu gewährleisten, muss das Becken algenfrei gehalten werden. Dabei helfen Desinfektionsmittel.
  • Flockung: Kleinste Schmutzteilchen werden nicht durch den Sandfilter aufgefangen. Flockungsmittel beseitigen diese, halten das Wasser klar. Außerdem sollte die Filteranlage auf die Größe des Beckens abgestimmt sein.
  • Hydraulik: Diese ist wichtig, da eine schlechte Durchströmung des Beckens häufig Algenbefall auslöse.