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Chumin Chen betreibt den Rote-Rosen-Treff an der Altenbrückertorstraße in Lüneburg. Ein Anwalt soll jetzt 340.000 Euro zahlen. Foto: A/ca
Chumin Chen betreibt den Rote-Rosen-Treff an der Altenbrückertorstraße in Lüneburg. Ein Anwalt soll jetzt 340.000 Euro zahlen. Foto: A/ca

Landgericht verurteilt Anwalt wegen schlechter Beratung

ca Lüneburg. Auch schlechte Beratung hat einen Preis. Die Rechnung servierte jetzt das Landgericht einem Lüneburger Juristen: Er soll einer Investorengruppe aus dem Landkreis 339.640,09 Euro zahlen. Der Rechtsanwalt hatte den Geldanlegern beim Kauf-Prozedere eines Hotel in der Hansestadt zur Seite gestanden. Klar war dabei, dass die Eigentumsverhältnisse kompliziert sind. Und so kam es: Die Käufer können das Haus, das sie 2011 gekauft hatten, bis heute nicht nutzen.

Sie waren vor den Kadi gezogen, weil sie sich schlecht beraten fühlten. Anfang Mai verhandelte die Zweite Zivilkammer den Fall, nun liegt das Urteil vor. Tenor: Der Jurist ist für den Schaden verantwortlich und soll zahlen. Allerdings kann er sich das Geld von den eigentlichen Hauseigentümern wiederholen.

Ursprünglich waren die Kläger auch gegen den Notar vorgegangen. Gegen diesen Anwalt wurde kein Urteil gesprochen, weil sich die Kontrahenten außergerichtlich geeinigt haben. Gleichwohl sieht ihn die Kammer mit in der Verantwortung. Das ergibt sich aus der Kostenentscheidung für das Verfahren: Der Notar soll davon ein Sechstel tragen.

Wie berichtet, geht es um den Rote-Rosen-Treff an der Altenbrückertorstraße, das früher einmal ein China-Restaurant war. Wirtin Chumin Chen bewirtschaftet das Haus bis heute.

Eine Rückblende: Der Ex-Mann der Chinesin hatte mehrere Immobilien in Norddeutschland gekauft. Bei der Finanzierung kam es zu Schwierigkeiten mit der Bank. Am Ende sollten Häuser verkauft werden, auch das in Lüneburg. Doch bevor der Kaufvertrag unterzeichnet werden konnte, machte er einen Rückzieher. Denn seine Frau sollte das Lokal an der Ilmenau weiter nutzen dürfen.

Wirtin vermietet weiterhin Zimmer

Trotzdem verkaufte die Hausbank des Chinesen die Immobilie 2011 an die Geschäftsleute. Der vom Notar abgefasste Vertrag enthält jedoch den Hinweis auf die ungeklärte Eigentumsfrage. Die Käufer betrieben eine Räumungsklage gegen Wirtin Chen, die auf ihren Besitzanspruch beharrte. Sie scheiterte vor dem Lüneburger Landgericht, aber das Oberlandesgericht in Celle kam 2014 zu einem anderen Schluss. Die Wirtin vermietet weiterhin Zimmer. Die Käufer blieben auf der Summe und weiteren Kosten sitzen, zum Beispiel für einen Architekten: Der Komplex sollte in Ferienwohnungen umgewandelt werden.

Im aktuellen Prozess beschäftigte sich das Gericht mit zwei Aspekten: Der Empfehlung der Kaufabwicklung trotz schwieriger Besitzverhältnisse, weil ein Rücktritt erhebliche Risiken mit sich bringe. Das fand der Anwalt der Kläger widersinnig — da noch kein Geld geflossen war. Der zweite Aspekt betraf den Notar. Der wies zwar in seiner Beurkundung auf die wackelige Rechtslage hin. Doch später habe er die Käufer angeschrieben: Sie sollten zahlen. Damit entstand der Eindruck, alles habe seine Richtigkeit. Fatal.

Schon in der Verhandlung im Mai war den Richtern klar, dass der Fall wohl in einer nächsten Instanz landen dürfte. Das Gute für den Anwalt oder seine Versicherung: Er muss nicht auf dem Schaden sitzen bleiben. Im Urteil heißt es, dass Ansprüche gegen den Mann der Wirtin und die Bank, welche den Verkauf angeschoben hatte, bestünden. Die Begründung kurzgefasst: Sie haben das Haus zu Unrecht verkauft.