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Erkan Teper (l.) hatte nach seiner abgelaufenen Dopingsperre mit Derric Rossy einen äußerst unbequemen Aufbaugegner. Der Profi-Boxabend in der Gellersenhalle lockte 400 Zuschauer an. Foto: t&w
Erkan Teper (l.) hatte nach seiner abgelaufenen Dopingsperre mit Derric Rossy einen äußerst unbequemen Aufbaugegner. Der Profi-Boxabend in der Gellersenhalle lockte 400 Zuschauer an. Foto: t&w

Profi-Boxabend lockt 400 Zuschauer an

dub Reppenstedt. So sehr sich Erkan Teper auch mühte, der angestrebte K.o.-Sieg gegen den US-Amerikaner Derric Rossy gelang ihm beim Profi-Boxabend in der Reppenstedter Gellersenhalle nicht. Aber die deutsche Nummer 1 im Schwergewicht bleibt nach einem einstimmigen Punktsieg in nun 16 Kämpfen ungeschlagen weiter im Geschäft. Doch eine Empfehlung für einen WM-Fight waren die zehn Runden nicht unbedingt.

Das lag am ausgebufften Rossy, der am Vortag seinen 36. Geburtstag gefeiert hatte und gegen den zwei Jahre jüngeren Teper seine ganze Routine ausspielte. Und zehn Runden sind nicht das Ding des Deutsch-Türken, der seine sonst so krachende Rechte selten an den Mann bekam. Der Journeyman wollte gegen den Ex-Europameister eine gute Figur abgeben, nicht von vornherein die Rolle des designierten Verlierers und K.o.-Opfers übernehmen.

Zum Gelingen des Events am Sonntagabend vor gut 400 Boxsportfreunden trugen auch die drei Lokalmatadoren bei: Toni Camin besiegte im Supermittelgewicht den Serben Eniz Colakovic durch K.o. in der zweiten Runde, Hasan Olaki im Schwergewicht Haris Radmilovic (Bosnien u. Herzegowina) durch TKo. in Runde 3 und Nesthäkchen Joanna Kölln (Weltergewicht) die frühere Kickboxerin Marion Farkas (Kiel) ebenfalls durch TK.o in der zweiten Runde.

Toni war trotz des K.o. ein bisschen unzufrieden — weils zu schnell ging. „Ich hätte gerne länger gemacht, um zu sehen wie es um die Kondition steht, wie lange ich sie ausspielen und vielleicht besser einteilen kann. Andererseits freut man sich ja über jeden K.o.-Sieg.“

Jetzt will der Kraftwürfel weiter abnehmen, rund vier Kilogramm, denn seine unmittelbare Zukunft sieht er eher im Mittelgewicht (bis 72,574 kg). „Vielleicht klappt es ja noch mit einem Kampf um die Junioren-WM“, hofft der 22-Jährige. Das wird auch ein Kampf gegen die Zeit, im Januar wird Camin 23 und entwächst dem Junioren-Alter.

Alle Zeit vor sich hat Joanna Kölln (Foto rechts), um ihrem großen Vorbild, Fliegengewichts-Weltmeisterin Susi Kentikian, nachzueifern. Im Alter von 16 Jahren ist „Anna“ bis dato die jüngste Profiboxerin Deutschlands und darf träumen. Was sie drauf hat, zeigte die Realschülerin gegen Marion Farkas, die ebenfalls ihr Profi-Debüt bestritt und nach allen Regeln der Boxkunst vorgeführt wurde. Nach 1:01 Minuten in der zweiten Runde flog aus ihrer Ecke das Handtuch. „Ich hatte es mir schwerer vorgestellt“, resümierte Joanna erleichtert nach einer zuvor schlaflosen Nacht.

Teper bleibt im Geschäft

Im Fight von Hasan Olaki wurde überdeutlich, wie bei den meisten der insgesamt zehn Kämpfen an diesem Abend leistungsmäßig die Balance nicht stimmte, die Gäste aus dem Ausland wirklich schlechte „Reisende“ waren. Der alles andere als austrainiert wirkende, unförmige Radmilovic hatte dem Lüneburger gar nichts entgegenzusetzen, allenfalls „waghalsige Tanzeinlagen“, wie der Hallensprecher bei der Urteilsverkündigung wohl ironisch bemerkte.

KSL-Trainer Danny Oleksy war jedenfalls „sehr zufrieden“ mit dem Auftreten seiner Schützlinge: „Alles gut“, bilanzierte er, „darauf lässt sich aufbauen.“

Was sonst noch passierte: Der Hamburger Cruisergewichtler Shokran Parwani beförderte Ognjen Marcic nach nur 1:31 Minuten durch die Seile aus dem Ring. Mittelgewichtler Dimitri Weimer (Hamburg), einst Problemkind, dann Welt- und Europameister im Kickboxen und nun im Hauptberuf Polizeibeamter, überzeugte bei seinem klug herausgeboxten K.o in Runde 3 gegen Haris Hrustanovic. Und Ilja Mezencew (Hamburg) zeigte eindrucksvoll, wieso er zu den großen deutschen Hoffnungen im Schwergewicht zählt: Sein ungarischer Gegner Laszlo Czene ging in Runde 2 auf die Bretter — es war der zwölfte K.o.-Sieg des 20-Jährigen in 13 siegreichen Kämpfen bei nur einer Niederlage.