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Die Sparkasse An der Münze. Foto: t&w
Die Sparkasse An der Münze. Foto: t&w

Niedrigzinsen erschweren der Sparkasse das Geldverdienen

jj Lüneburg. Die Zinsen liegen am Boden. Das freut die Häuslebauer, aber nicht die Banken. Das Geldverdienen wird bei den internationalen Rahmenbedingungen auch lokal immer schwieriger, das spürt auch die Sparkasse Lüneburg. Bei dem Trend muss man sparen.

Eine neue Studie besagt: Wenn eine Sparkasse 74 Cent aufbringen muss, um einen Euro zu verdienen, werde es „wettbewerbsgefährdend“. Die Fachleute reden bei dem Kosten-Ertragsverhältnis von Cost-Income-Ratio. Die Studie, die zitiert wird, stammt von Wirtschaftsprofessor Bernd Nolte, Chef der Beratunsfirma 4P Consulting. Laut Studie  muss heute jede dritte Volksbank oder Sparkasse mehr als 74 Cent ausgeben, um einen Euro zu verdienen.

Noch bei seinem Abschied  als Sparkassen-Chef sagte Reinhold Mai  vor kurzem in der LZ: „Wir liegen deutlich niedriger, nämlich 2015 bei 65 Cent Kosten für einen Euro Verdienst. Alles im grünen Bereich.“ Mittlerweile ist der Faktor in Lüneburg auf 71,71 Prozent geklettert und liegt über dem Durchschnittswert in Niedersachsen. „Die Verschlechterung der CIR-Werte gegenüber dem Vorjahr ist insbesondere Resultat der  – bedingt durch das vorherrschende Zinsniveau – deutlich rückläufigen Zinsergebnisse in der Breite“, heißt es in einem Protokoll des Sparkassen-Verwaltungsrates.

Die Sparkassen müssen vor dem Hintergrund die Quadratur des Kreises schaffen: Anders als die Internet- oder Direktbanken unterhalten sie ein großes und teures Filialnetz, sie sind nah beim Kunden. Und sie haben auch deswegen deutlich mehr Mitarbeiter. Auch die Konkurrenz betonte Ex-Vorstand Mai im LZ-Interview auf die Frage, was sich seit seines Einstiegs in Lüneburg 1997 verändert habe: „ Zum einen gab es 1997 noch keine Internet-Banking, keinen internationalen Wettbewerb, heute eine massive Herausforderung für ein Haus unserer Größe. Und zum anderen wurde 2005 die Gewährträgerhaftung abgeschafft. Bis dahin hafteten Stadt und Kreis als Träger, Sparkassen konnten nicht in Konkurs gehen. Seither stehen wir im globalen Wettbewerb und müssen jeden Euro fürs Eigenkapital verdienen.“

Verwaltungsrats-Protokoll

Die Sparkasse muss deswegen die Kosten stramm im Auge behalten. Das gilt fürs Personal, das gilt für Immobilien. So trennt sich die Sparkasse von Gebäuden oder nutzt sie um. So könnte auch im Lünepark, heißt es im Verwaltungsrats-Protokoll, eine der beiden größeren  Immobilie verkauft oder besser noch mit Partnern entwickelt werden, was wieder dem Eigenkapital gut täte. Und auch auf die weitläufige Sparkassen-Vermögensverwaltung an der Apothekenstraße hat schon mancher Makler sein Auge geworfen.

Der Sprecher der Sparkasse, Steffen Müller, hält sich  zu den Immobilien-Spekulationen bedeckt, das gilt auch für die Nachnutzung der NBank An der Münze, die wegzieht:  „Ob und welche Auswirkungen das auf unser Gebäude an der Apothekenstraße haben wird, können wir derzeit noch nicht sagen. Für unsere Standorte an der Konrad-Zuse-Allee und an der Marie-Curie-Straße im Lünepark, wo unser Dienstleistungszentrum ansässig ist, gibt es aktuell keine konkreten Überlegungen, dass sich dort etwas ändert.“

Oberbürgermeister Mädge, stellvertretender Vorsitzender im Sparkassen-Verwaltungsrat, dem wichtigsten Gremium neben der Zweckverbandsversammlung sagt: „Ende des Jahres wollen wir noch einmal über das Raumkonzept der Sparkasse beraten.“