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Detlef Mennerich (l.) begrüßt Tobias Sommer (r.) als neues Mitglied beim BNI Chapter Luna. Birgit Schiemann (2.v. l.), Björn Schmidt und Claudia Kopp gratulieren. Foto: kre
Detlef Mennerich (l.) begrüßt Tobias Sommer (r.) als neues Mitglied beim BNI Chapter Luna. Birgit Schiemann (2.v. l.), Björn Schmidt und Claudia Kopp gratulieren. Foto: kre

Netzwerken im Morgengrauen

kre Lüneburg. Morgenstund hat Gold im Mund: Irgendetwas muss dran sein an diesem doch reichlich strapazierten Sprichwort. Warum sonst sollten sich gefühlt in aller Herrgottsfrühe knapp 20 Männer und Frauen hellwach und mit bester Laune zum gemeinsamen Frühstück treffen? Und das jede Woche? Weil es ums Netzwerken das Aufbauen und Knüpfen von Kontakten geht. „Die meisten Kunden bekommt man über persönliche Empfehlungen“, erklärt Detlef Mennerich. Der Zwei-Meter-Hühne ist „Direktor“ des „BNI Chapter Luna“ „eine professionelle Unternehmervereinigung für die Weitergabe von Geschäftsempfehlungen.“ So jedenfalls steht es erklärend auf einem Flyer des BNI. Die drei Buchstaben stehen für „Business-Network International“.

Es ist Dienstagmorgen. Im Tagungsraum des Hotel Residenz steht das Frühstück für die Chapter-Mitglieder bereit: Es duftet nach frischem Kaffee, Brot und Brötchen, Aufschnitt und Rührei. Die erste Mahlzeit gilt zwar ernährungstechnisch als die Wichtigste des Tages, doch irgendwie scheint das Frühstück bei den Chapter-Mitgliedern nur am Rande eine Rolle zu spielen, scheint man zum ausgiebigen Schlemmen kaum Zeit zu finden. Was wenig verwundert. „Wir haben unsere Treffen wie einen Geschäftstermin gestaltet“, sagt Mennerich. Und genauso effizient und strukturiert findet das Frühstückstreffen statt. Zeit ist Geld wieder so ein Sprichwort.

Es sind Mittelständler, Freiberufler und Selbstständige, die mitmachen beim BNI Chapter Luna: eine Heilpraktikerin ist ebenso dabei wie ein Orthopädie-Techniker, ein Immobilienmakler, ein Tischler oder auch ein Rechtsanwalt. „Pro Berufssparte kann immer nur ein Vertreter aufgenommen werden“, erklärt Chapter-Direktor Mennerich.

Dass die Treffen einen tieferen Sinn haben, als nur nett miteinander einen Kaffee zu schlürfen, zeigen die marktpolitischen Daten, die jede Woche gut sichtbar für alle aktualisiert werden: Seit der Gründung des BNI-Chapter Luna 2012 wurden exakt 3054303 Euro an Umsätzen getätigt. „Wirtschaftlich spielen wir in der Region also schon eine wichtige Rolle“, sagt Schatzmeisterin Birgit Schiemann selbstbewusst. Zustande kommen diese Umsätze dadurch, dass sich die Chapter-Mitglieder gegenseitig bei Kunden und Geschäftspartnern empfehlen. „Wer gibt, gewinnt“, heißt es dazu im Info-Flyer „wer empfiehlt, wird empfohlen!“ Die gute, alte Mundpropaganda als hoch effizientes Marketing-Instrument. Und das im digitalen Zeitalter. Jede einzelne Empfehlung wird im Übrigen dokumentiert bis hin zum Geschäftsabschluss.

Unternehmer des BNI Chapter Luna

Deshalb ist auch die Vorstellungsrunde jeden Dienstag so wichtig. In wenigen Worten stellen die Chaptermitglieder sich, ihre Unternehmen, ihre Produkte und ihre Leistungen vor. Das mag für Außenstehende auf den ersten Blick etwas seltsam anmuten, schließlich kennen sich doch schon alle. Doch schnell wird deutlich, dass dieses Ritual durchaus Sinn ergibt. Denn zum einen werden so permanent die Präsentationstechniken geschult und verfeinert, zum anderen trifft auch hier die Weisheit zu: Wer nicht wirbt, der stirbt.

Das scheint sich herumzusprechen: In Lüchow-Dannenberg steht das erste Chapter kurz vor der Gründung.
Die Idee des BNI wurde 1985 von einem amerikanischen Unternehmensberater erfunden und bereitet sich seitdem als Franchise-Unternehmen weltweit aus. In Nordostniedersachsen ist Claudia Kopp aus Vögelsen die Franchise-Nehmerin. Sie nennt Fakten: Weltweit gibt es BNI Chapter in 69 Ländern auf allen Kontinenten, in der Bundesrepublik sind es zurzeit 7500 Unternehmer und Freiberufler, die sich in BNI-Chapter engagieren.“

Und seit vergangenen Dienstag ist ein weiteres neues Mitglied dazu gekommen: Tobias Sommer wurde für ein Jahr in das Chapter Luna aufgenommen und wird nun den Branchenplatz des Fotografen einnehmen auch wenn er dafür tief in die Tasche greifen muss: 870 Euro beträgt der Jahresbeitrag, dazu kommen 150 Euro an Aufnahmegebühr.

Mittlerweile ist es 8.30 Uhr. Die Vorträge sind gehalten, die Regularien abgearbeitet, die Kontakte aufgefrischt, der Kaffee ausgetrunken. Spätestens in einer Woche sehen sich aber alle wieder. Morgens um 7 Uhr. Ausgeschlafen, voller Tatendrang und keineswegs maulfaul…