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Ein Radweg nach ihrem Geschmack: Lina Bernhardt (l.) und Julia Graßhoff haben zusammen mit 18 Kommilitonen der Leuphana einen Radfahrklimabericht für Lüneburg entworfen. Die neue Asphaltierung des Wilschenbrucher Wegs ist für sie ein Positiv-Beispiel. Foto: t&w
Ein Radweg nach ihrem Geschmack: Lina Bernhardt (l.) und Julia Graßhoff haben zusammen mit 18 Kommilitonen der Leuphana einen Radfahrklimabericht für Lüneburg entworfen. Die neue Asphaltierung des Wilschenbrucher Wegs ist für sie ein Positiv-Beispiel. Foto: t&w

Leuphana: Studenten geben 3- für Lüneburgs Radfahrklima

ap Lüneburg. Die Studenten der Leuphana setzen im Alltag überwiegend aufs Fahrrad. Deshalb kennen sich die meisten von ihnen gut aus, wo das Radeln besonders Spaß macht und sicher ist und wo holprige Wege und unübersichtliche Situationen zum Problem werden. In einer Studie haben sie jetzt die Fahrradfreundlichkeit in Lüneburgs untersucht. Herausgekommen ist gemessen an Schulnoten gerade mal eine schwache Drei.

98 Prozent der Studenten in Lüneburg nutzen ein Fahrrad, 66 Prozent sogar mehrmals täglich. Das besagt die Studie zum Radfahrklima in Lüneburg unter Federführung des Diplom-Psychologen Michael Oehl, der zusammen mit 20 Studenten Daten und Stimmen ausgewertet hat. Ein Ergebnis dabei: Etwa jeder fünfte Student sei auch schon Opfer von Fahrraddieben geworden.

Mittelfeld beim ADFC-Test

Ausschlaggebend ist wie auch bei der ersten Erhebung vor einem Jahr der „Fahrradklima-Test“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, kurz ADFC. Dabei hatte Lüneburg nur einen Mittelfeldplatz errungen (LZ berichtete). Die Vergleichsstichproben förderten vor allem das Ergebnis zutage, dass die Lüneburger Studenten das Fahrradklima etwas positiver wahrnehmen, aber in vielen Kritikpunkten mit dem ADFC übereinstimmen.

Lina Bernhardt und Julia Graßhoff studieren im vierten Semester Wirtschaftspsychologie an der Leuphana, sie haben die Studie im verkehrspsychologischen Seminar von Michael Oehl mitentworfen, zusammen mit ihren Kommilitonen auch 113 Studenten befragt.
Julia Graßhoff verdeutlicht: „In dem Seminar haben wir anwendungsbasiert gearbeitet, empirische Daten ausgewertet und so die Möglichkeit erhalten, wirklich etwas zu verändern.“ Die Ergebnisse der Studie seien zum größten Teil erschreckend, auch wenn sie etwas positiver ausfallen als im Vorjahr, findet sie. Das Fahrradklima in Lüneburg wurde mit einer „schlechten Drei“ bewertet. Besonders negativ sind den Studenten der immense Diebstahl von Fahrrädern und die mangelhaften Transportmöglichkeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln aufgestoßen. Dafür haben die Studenten jeweils eine Durchschnittsnote von 4,7 vergeben.

Zu viele Brennpunkte

Lina Bernhardt ist aus ihrer Heimat das Querfeldeinfahren gewohnt. In einer selbsternannten Fahrrad-Stadt wie Lüneburg habe sie daher Besseres erwartet. „Es gibt viele gefährliche Situationen, in denen der Fahrradfahrer das Gefühl hat, von einem Autofahrer nicht gesehen zu werden“, findet die Studentin und nennt als Beispiel den Kreisel am Krankenhaus. „Die Vorfahrtsregeln sind da vielen völlig unklar, ich habe da schon diverse Fast-Unfälle erlebt.“ Sie habe gelernt, dass der einfahrende Verkehr Vorfahrt habe, der ausfahrende die Radfahrer vorbeilassen müsse. „Aber das macht da keiner.“

Ein weiteres Negativ-Beispiel, das auch die befragten Studenten geäußert haben, ist die Uelzener Straße. Dort ist der Radweg durch eine dünne gestrichelte Linie vom Autoverkehr abgegrenzt. „Sie nennen es Sicherheitsstreifen“, sagt Julia Graßhoff mit einem deutlichen Unterton in der Stimme. „Der ist viel zu schmal, wenn man von einem Bus überholt wird, fühlt man sich ganz und gar nicht sicher.“ Auch der Zebrastreifen an der Ecke zum Munstermannskamp, der täglich von Hunderten Studenten überquert werde, werde stets ­ignoriert. „Die Autos sind da teilweise viel zu schnell unterwegs, außerdem ist die Situation dort schlecht einsehbar“, sagt Graßhoff. Als fahrradfreundlich würde sie Lüneburg daher nicht bezeichnen, fügt sie hinzu. Eher als „fahrradbelebt“.
Doch die beiden jungen Frauen kennen auch Positiv-Beispiele. „Der Wilschenbrucher Weg“, heißt es aus beiden Mündern. Die Straße sei neu asphaltiert worden. „Vorher war der Straßenbelag überall aufgerissen, das war mit dem Fahrrad wirklich unangenehm“, sagt Julia Graßhoff.

6 Kommentare

  1. magnusausonius

    An dem angeblich schlechten „Radfahrklima“ und den immer häufiger werdenden Unfällen haben die Radfahrer selbst den größten Anteil. Viele kennen offensichtlich die Verkehrsregeln nicht – und wollen sie auch nicht kennen. Rote Ampeln und Zebrastreifen sind nur unverbindliche Empfehlungen, an der Uelzener Straße beispielsweise wird nebeneinander auf den Fußwegen gefahren, gerne auch gegen die Fahrtrichtung, mit unangemessener Geschwindigkeit und ohne Rücksicht auf Kinder und alte Leute. Im Kurpark werden die Spaziergänger trotz eines Fahrverbotes „weggeklingelt“, in der Fußgängerzone muss man sich als Passant unverschämte Bemerkungen anhören, wenn man den selbsternannten Kampfradlern nicht schnell genug aus dem Wege geht. Kontrollen? Fehlanzeige. Das ewige Gejammer der Interessenverbände der Radfahrer hängt einem langsam zum Hals heraus. Und die zahlreichen „Studien“ aus Studentenkreisen belegen nur eines, dass man nämlich auf einem Auge blind ist, wenn es um die eigenen Verantwortlichkeiten geht.

  2. An magnusausonius:

    Die Behauptung die Sie hier aufstellen (Abhängig von der Wahl des Verkehrsmittels ändert sich der Hang zum Verstoß gegen Verkehrsregeln) ist blödsinn.

    Desweiteren werden Fußgänger nur deswegen gefährdet, weill diese entweder selbst den Radweg zum gehen benutzen, der Radweg anderweitig blockiert ist, kein Radweg vorhanden ist oder die Radinfrastruktur an einem gegebenen Ort einfach nicht zumutbar bzw. nicht vorhanden ist.

    Sprich: Würde die Radinfrastruktur vernünftig ausgebaut werden, würde es auch automatisch weniger Gefährdungen für Fußgänger geben.

    Oh und wenn Ihnen die Verkehrsregeln so lieb sind und Sie wirklich ein Herz für Kinder und alte Menschen haben müssten Sie noch viel Aggressiver gegen Autos sein als gegen Fahrräder. Die Anzahl an getöteten Menschen, verletzten Menschen und natürlich Sachschäden und beinahe Unfällen die durch Autofahrer verursacht werden sind um ein vielfaches höher als die paar Vorfälle die von Fahrradfahrern verursacht werden.

    Und bei Autofahrern kann man auch nicht von schlechter Infrastruktur reden…

    • H. Brakelmann

      @ Steffen W.: Was ist denn „Radinfrastruktur“ und Autofahrer-Infrastruktur? FAHRzeuge haben FAHRbahnen zu benutzen, und die sind in LG eigentlich recht gut ausgebaut. Abgesehen von einigen Schlaglochpisten, aber da ist der Bauhof ja am Ball.

  3. Danke, geändert. Sie haben natürlich recht. lg Online-Team

  4. H. Brakelmann

    Ach Mädels. Der Schutzstreifen heißt nicht umsonst so. Er soll Radfahrende vor Autofahrern schützen, die vom Parkplatz/ -streifen an der Uelzener Straße auf die Fahrbahn zurücksetzen oder nach dem Parken die Tür aufreißen, ohne sich umzusehen. Oder auch vor Personen oder Tieren, die unachtsam zwischen den Autos auf die Fahrbahn laufen. Der Streifen markiert nämlich genau den Abstand, den man zum rechten Rand mindestens einhalten soll, um vor solchen unvorhergesehenen Ereignissen geschützt zu sein. In der Straßenverkehrsordnung steht, daß Fahrzeugführer den Schutzstreifen nur bei Bedarf überfahren dürfen und dabei den Radverkehr nicht gefährden dürfen. Ich überfahre diesen Streifen mit dem Fahrrad nur dann nach rechts, wenn ich mal vom Bockelsberg zur OVG-Bibliothek muß. Natürlich gefährde ich dabei nicht den Radverkehr. Probleme mit Engüberholern habe ich in der Uelzener Straße nie. Bei Gegenverkehr ist eh kein Platz zum Überholen und notfalls kann ich – natürlich nur gaanz vorsichtig – nach rechts auf den Schutzstreifen ausweichen.

    Auf dem Zebrastreifen Uelzener Straße/Munstermannskamp haben Radfahrende übrigens nichts zu suchen. Da können Sie den Autofahrern nun wirklich keinen Vorwurf machen, wenn’s kracht. Statt der ollen Bodenschwelle wäre gerade hier eines der beliebten Drängelgitter, mit denen der Radverkehr überall in LG wirksam ausgebremst wird, wirklich mal sinnvoll gewesen. Außerdem hätte ich mir von Ihnen an dieser Stelle einen klärenden Hinweis auf das bequeme Radfahren auf der Fahrbahn beim Abbiegen vom Munstermannskamp auf die Uelzener Straße gewünscht. Das scheint noch nicht bei allen angekommen zu sein.

    Den Kamikaze-Kreisel beim Krankenhaus umrundet man ebenfalls am besten auf der Fahrbahn. Kostet allenfalls 30 Euronen Bußgeld wegen Verstoßes gegen den Radwegzwang, aber das sollte uns unser Leben doch wert sein, oder?

    Naja, im Vergleich zur „Studie“ des von VW und AD*A*C gesponserten „Instituts für Experimentelle Wirtschaftspsychologie der Leuphana Universität“ vom letzten Jahr unterstellen die Damen den Radfahrenden diesmal wenigstens nicht, daß sie mit > 50 km/h über Lüneburgs Radwege brettern würden und deswegen selbst schuld seien, wenn sie von wartepflichtigen, abbiegenden Kfz plattgefahren werden:
    http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/224840-wo-es-fuer-radler-gefaehrlich-wird-studenten-nehmen-unfallschwerpunkte-im-lueneburger-stadtgebiet-ins-visier

    Bin gespannt, zu welchen drolligen Ergebnissen die Leuphanesen bei der nächsten „wissenschaftlichen“ Untersuchung zum Lüneburger Radverkehr kommen.

  5. Bob Baumeister

    so eine note gibt aber auch nur jemand der scheinbar noch nie irgendwo anders gefahren ist.

    Lüneburger Radwege? Gibt es doch kaum in Lüneburg!

    Wenn man sich nur mal die Uelzener Straße anschaut. Dort gibt es auf 50% der Strecke keinen RADWEG sondern maximal einen kombinierten Rad- und Fußweg. Und ganz zu schweigen von der Uelzener Straße Ecke Munstermannskamp. Der Wohl einzige Radweg mit Geschwindigkeitshuckel an einem Straßenübergang auf so eine Idee muss man erstmal kommen wenn man sich selbst als Fahrradstadt bezeichnet!

    Aber auch sonnst ist es nicht sehr attraktiv in Lüneburg das Rad als Verkehrsmittel zu nutzen (Ich meine damit nicht das man nicht schöne Radtouren machen kann, sondern als Verkehrsmittel um zügig von A nach B zu kommen)