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Silke Franz und ihre Nachbarinnen Linda  Schlichmann und Dorothee Mennrich (v.l.) beim Tonnenlauf. Seitdem die GfA ihre Straße nicht mehr anfährt, müssen sie mit den Tonnen einen längeren Fußmarsch machen. Foto: kre
Silke Franz und ihre Nachbarinnen Linda Schlichmann und Dorothee Mennrich (v.l.) beim Tonnenlauf. Seitdem die GfA ihre Straße nicht mehr anfährt, müssen sie mit den Tonnen einen längeren Fußmarsch machen. Foto: kre

Tonnen-Streit in Boltersen

kre Boltersen. Beim Anblick von blauen GfA-Fahrzeugen sieht Silke Franz rot. Denn die Autos des kommunalen Müllentsorgers nutzten bislang mangels Wendemöglichkeit in der Straße Hoher Weg in Boltersen die Hofeinfahrt der Familie Franz, um zu drehen. Das allerdings gegen den Willen der Bolterserin. „Dadurch wurde unsere Pflasterung beschädigt“, sagt Franz. Bis zu vier Zentimeter betragen die Absackungen aufgrund der Fahr- und Wendespuren in ihrer Einfahrt. Franz glaubt die Ursache dafür zu kennen — die schweren Müllfahrzeuge. Sie hat deshalb ein Haus- und Hofverbot für die Entsorgungsfahrzeuge der GfA ausgesprochen. Mit Folgen: Jetzt müssen nicht nur Familie Franz, sondern auch ihre Nachbarn mit ihren Mülltonnen einen längeren Fußmarsch unternehmen und die Kübel „Am Kirchwege“ aufstellen. „Das macht schon im Sommer wenig Spaß“, sagt Nachbarin Dorothee Mennrich, „im Winter aber, bei Eis, Schnee und Dunkelheit, wird es wirklich unangenehm!“

Trotzdem ist Mennrich nicht sauer auf ihre Nachbarin — auch wenn erst deren Intervention im April die GfA dazu veranlasste, die Straße „Hoher Weg“ mit den Seitenladerfahrzeugen nicht mehr anzufahren. In einem Schreiben, das an alle acht betroffenen Haushalte in der Straße ging, begründete der Entsorger seine Entscheidung so: „Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen ist uns das Rückwärtsfahren mit unseren Seitenladerfahrzeugen nicht erlaubt. Bisher konnten wir problemlos den Hohen Weg befahren, da am Straßenende eine Wendemöglichkeit gegeben war. Da uns dort das Wenden der Fahrzeuge untersagt worden ist, sind wir gezwungen, bis zur Herstellung einer Wendemöglichkeit die Abfalltonnen Am Kirchwege zu leeren.“

„Damit hat die GfA doch selbst eingestanden, dass ihre Fahrer auf unserem Hof wenden“, ärgert sich Franz, „obwohl wir dies bereits seit 2009/2010 untersagt haben“. Den entstandenen Schaden am Pflaster schätzt sie auf rund 3700 Euro. „Es ist das gute Recht von Frau Franz, unseren Fahrzeugen das Befahren ihres Grundstückes zu verbieten,“ pflichtet auch GfA-Vorstand Oliver Schmitz bei.

Müllfahrzeuge wenden in privater Hofeinfahr

Trotzdem lehnt die GfA einen Schadenersatz ab. „Wir haben unsere Versicherung, den Kommunalen Schadenausgleich Hannover, eingeschaltet“, sagt Schmitz. In einem Schreiben an Familie Franz bezweifeln die Schadensregulierer, dass die Absenkungen im Pflaster — bis zu vier Zentimeter — von den Müllfahrzeugen stammen. „Die Absackungen liegen höhenmäßig in einem Bereich, der automatisch beim Befahren der Hoffläche auch durch eigene Fahrzeuge der Familie durch die entsprechenden Verdichtungen des Untergrunds entstehen können“, argumentiert die GfA. „Zudem sackt insbesondere um Revisionsschächte herum der umliegende Bereich im Laufe der Jahre regelmäßig ab“, schreibt die GfA weiter. Für Silke Franz klingen diese Worte wie Hohn.

Dabei gibt es durchaus eine Lösung, die Anwohner und GfA gleichermaßen zufriedenstellen könnte. Das Herstellen eines befestigten Wendeplatzes. Der notwendige Platz dazu — rund 15 Meter breit — wäre vorhanden. Eine erste „Probefahrt“ mit einem GfA-Fahrzeug verlief erfolgreich. Allerdings müsste die Gemeinde Rullstorf diesen Wendeplatz anlegen. Rullstorfs Bürgermeister Matthias Naß (SPD) sieht das Problem, sagt aber: „Eine Pflicht dazu hat die Gemeinde nicht!“ Es gebe auch andere Straßen in der Gemeinde, in denen die Anwohner ihre Tonnen bis ans Straßenende rollen müssten, weil Wendeplätze fehlten. Im „Schulweg“ oder „An der Bahn“ in Rullstorf etwa. Trotzdem hat die Gemeinde ein Ingenieurbüro beauftragt, die Herstellungskosten für den Wendeplatz zu berechnen. „Das würde uns 6000 Euro kosten“, sagt Naß und ergänzt nachdenklich: „Das ist viel Geld für die Gemeinde Rullstorf!“

Nach der Sommerpause werde sich der Bauausschuss mit dem Wendeplatz beschäftigen, danach soll der Verwaltungsausschuss entscheiden. „Ich kann den Ärger von Frau Franz verstehen“, sagt Naß. Allerdings muss der Sozialdemokrat — der über keine politische Mehrheit im Rat verfügt — seine Ratskollegen von der Notwendigkeit dieser Ausgabe überzeugen. Der Wendeplatz ist somit zu einem Wahlkampfthema geworden.