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Bis zu 1000 Flüchtlinge sollten ursprünglich im ehemaligen Bürodorf Sumte untergebracht werden. So viele wurden es dann doch nicht. In der Spitze waren es 750 Männer, Frauen und Kinder, zuletzt nur noch 40. Jetzt werden die Notunterkünfte aufgelöst. Foto: phs
Bis zu 1000 Flüchtlinge sollten ursprünglich im ehemaligen Bürodorf Sumte untergebracht werden. So viele wurden es dann doch nicht. In der Spitze waren es 750 Männer, Frauen und Kinder, zuletzt nur noch 40. Jetzt werden die Notunterkünfte aufgelöst. Foto: phs

Notunterkünfte sind Geschichte

kre/us/off Lüneburg/Sumte. Aus Japan waren Fernsehteams angereist, aus Russland, sogar die New York Times interessierte sich für den kleinen Ort Sumte: Bis zu 1000 Flüchtlinge sollte der 102 Einwohner zählende Ort in der Gemeinde Amt Neuhaus aufnehmen. Das sorgte im Oktober vergangenen Jahres für weltweite Schlagzeilen. Bald ist die Notunterkunft Geschichte. Niedersachsen will bis zum Jahresende alle 17 Notunterkünfte im Land schließen. „Die Verträge laufen aus“, sagt ein Sprecher des Innenministeriums in Hannover. Damit ist auch das Aus der Notunterkunft in Sumte beschlossene Sache. Spätestens im Oktober wird die Einrichtung dichtgemacht. Das sogenannte „Olympische Dorf“ in der Theodor-Körner-Kaserne in Lüneburg wird ebenfalls als Notunterkunft auf- und an die Bundeswehr zurückgegeben.

Eine Verlängerung der Notunterkünfte ist aus Sicht des Innenministeriums aufgrund der sinkenden Flüchtlingszahlen nicht notwendig. Im ersten Halbjahr 2016 wurden laut Innenministerium offiziell noch 21852 ankommende Flüchtlinge in Niedersachsen registriert. Das entspreche fast der Anzahl Menschen, die im Vorjahr in einem einzigen Monat nach Niedersachsen kamen.

Sumtes Ortsvorsteher Christian Fabel wusste bisher nichts von der bevorstehenden Schließung der Notunterkunft. „Es war zwar klar, dass darüber diskutiert wird“, sagt er, „aber angeblich sei da noch nichts endgültig beschlossen.“ Fabel hofft nun, dass eine Nachfolgelösung für die Einrichtung gefunden wird. „Zum Beispiel eine Bildungseinrichtung für Flüchtlinge.“ Vorstellen kann er sich auch, dass Flüchtlinge aus beengten Verhältnissen zum Beispiel aus Hamburg nach Sumte verlegt werden. „Es wäre doch schade, eine so gut laufende Einrichtung einfach so aufzugeben.“

Hart treffen würde die endgültige Aufgabe des Standortes auch viele Mitarbeiter in der Notunterkunft. Fabel schätzt, dass dort aktuell noch rund 60 Männer und Frauen beschäftigt sind. „Für die wird es sicherlich nicht einfach, hier in der Region einen neuen Job zu finden.“

Doch ein Sprecher des Innenministeriums kann Fabel da nur wenig Hoffnung machen: „Was mit der Einrichtung passiert, ob und welche Nutzung künftig möglich ist, muss der Eigentümer der Immobilie entscheiden.“ Das Land war nur Mieter des ehemaligen Bürodorfes Sumte.

Weiter ist man da schon, was die Zukunft des sogenannten „Olympischen Dorfes“ in der Theodor-Körner-Kaserne in Lüneburg betrifft: Bereits am 20. Juni wurde die Notunterkunft geschlossen. Das bestätigte jetzt Benjamin Winter, beim DLRG Landesverband Niedersachsen für Flüchtlinge zuständig. „Wir arbeiten jetzt am Rückbau“, erklärte Winter auf Nachfrage. Im September letzten Jahres hatte die DLRG im Auftrag des Landes die Unterkunft im sogenannten „Olympischen Dorf“ der Kaserne in Betrieb genommen, bis zu 600 Flüchtlinge waren zeitweise in den Gebäuden untergebracht. Bereits im Januar wurde mit der Verteilung der Flüchtlinge auf kommunale Einrichtungen begonnen, rund 30 Personen wurden bei der Schließung an die Landesaufnahmebehörde in Braunschweig abgegeben.

Niedersachsen will alle 17 Notunterkünfte schließen

Ende September, so lange läuft der Vertrag mit dem Land noch, muss die DLRG die Unterkunft zurückgeben, bis dahin müssten sämtliche Einrichtungsgegenstände, provisorische Wände sowie Bohrlöcher und Verkabelungen freigeräumt beziehungsweise zurückgebaut werden. Rund 50 Mitarbeiter sind dafür derzeit im Einsatz. Deren befristete Arbeitsverträge laufen ebenfalls Ende September aus.

Danach werden die Gebäude wieder eine militärische Liegenschaft. Der Kommandeur der Lüneburger Aufklärer und Standortälteste, Oberstleutnant Michael Hoppstädter, ist darüber nicht unglücklich. „Die Verteidigungsministerin spricht davon, dass die Bundeswehr personell wieder aufwachsen soll. Da sind Unterkünfte gefragt.“

Sollte die Stadt Lüneburg dagegen Interesse an den Gebäuden haben, „müsste sie auch die Kosten für die komplette Zuwegung und die Ver- und Entsorgung übernehmen“, betont Hoppstädter.

Lüneburg und Sumte sind also in wenigen Wochen als Notunterkünfte Geschichte — sechs andere Standorte will das Land aber als Reserve halten: Fallingbostel Ost/Oerbke, Ehra-Lessien, Cuxhaven/Altenwalde, Celle-Scheuen, Osnabrück und Dannenberg.