Aktuell
Home | Lokales | Leuphana-Professor bei der Biennale vertreten
Prof. Dr. Michael Braungart ist regelmäßig bei der Biennale in Venedig, um Besuchern seiner Austellung Fragen zu beantworten. Foto: Frank Ossenbrink
Prof. Dr. Michael Braungart ist regelmäßig bei der Biennale in Venedig, um Besuchern seiner Austellung Fragen zu beantworten. Foto: Frank Ossenbrink

Leuphana-Professor bei der Biennale vertreten

ap Lüneburg. Ein Gebäude, das die Luft reinigt. Fassaden, die zu einem besseren Stadtklima beitragen. Teppiche, die keinen Feinstaub abgeben. Prof. Dr. Michael Braungart träumt von einer Welt ohne Abfall, einer Welt, in der ein anderer Umgang mit Rohstoffen herrscht. „Cradle to Cradle“, also „Von der Wiege zur Wiege“, heißt das Konzept dahinter. Der Leuphana-Professor hat es mitentwickelt. Aktuell präsentiert er sich damit auf der „Biennale“ in Venedig — einer der größten internationalen Kunstausstellungen.

„Ich bin der einzige Nicht-Architekt unter den 90 geladenen Ausstellern“, sagt der Chemiker und lacht. Die Einladung sei daher eine „große Ehre“. Alle zwei bis drei Wochen sei er vor Ort, um den Besuchern Fragen beantworten zu können.
Seine Arbeit habe aber durchaus mit Architektur zu tun. So lautet das Thema der Ausstellung „Celebrating our human footprint: A building like a tree — A city like a forest“. Jeder, der sie besucht, kann einen Fußabdruck in nassem Ton hinterlassen, erklärt Braungart. Insgesamt habe er sieben Tonnen Erde vorrätig, dabei stünde jedes einzelne Gramm für einen Flüchtling, der in Syrien seine Wohnung verloren hat. „Sie denken, dass sie bedeutungslos geworden sind, weil sie alles verloren haben.“ In Venedig würde man sie stattdessen feiern.

Der Verfahrenstechniker, der im Herbst nach neun Jahren am Cradle-to-Cradle-Lehrstuhl in Rotterdam an die Lüneburger Uni zurückkehrt, hat große Pläne. „Ich arbeite zurzeit daran, ein Gebäude so zu bauen, dass es als Materialbank dient“, erklärt der Gründer und wissenschaftliche Leiter des Hamburger Umweltinstituts. Der Feinstaub in den Teppichböden koste den Menschen beispielsweise vier Jahre an Lebenszeit. „Er ist schädlicher als Alkohol.“ Die Teppichböden, die er jüngst entwickelt habe, würden aktiv die Luft reinigen.

In Lüneburg sieht Prof. Dr. Michael Braungart viel Potenzial

In Lüneburg sieht Braungart viel Potenzial. Derzeit suche er schon nach einem geeigneten Forschungszentrum, um Cradle to Cradle weiter zu etablieren. „In Lüneburg sind 40 Prozent der Häuser mit Schimmel befallen, die Lösung ist aber nicht, die Gebäude zu versiegeln, sondern sie so zu bauen, dass die Luft im Gebäude besser ist als draußen“, sagt Braungart. Die gesunde Luft würde auch bei der weit verbreiteten Krankheit Asthma Abhilfe schaffen.

Auch auf einige Diskussionen an der Leuphana bereitet sich der Professor schon vor. „Nachhaltigkeit ist für die Zukunft nicht ausreichend, wir brauchen Qualität.“ Echte Innovationen wie beispielsweise das Mobiltelefon seien nun mal nicht nachhaltig. Daher finde das Thema auch so viel Anklang bei Studenten, mutmaßt Braungart. Seine Cradle-to-Cradle-Kurse in Rotterdam seien regelmäßig binnen Minuten ausgebucht. „Die jungen Leute wollen bei etwas Positivem dabei sein, stolz auf sich sein können.“

Bis zum 27. November kann die Ausstellung des Lüneburger Professors auf der „Biennale“ in Venedig besichtigt werden.