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Der Fleckenrat Ebstorf um Bürgermeister Uwe Beecken beschloss bereits im vergangenen Jahr einstimmig, Tempo 30 auf allen Gemeindestraßen einzuführen. Derzeit werden die Schilder aufgestellt. Fotos: phs
Der Fleckenrat Ebstorf um Bürgermeister Uwe Beecken beschloss bereits im vergangenen Jahr einstimmig, Tempo 30 auf allen Gemeindestraßen einzuführen. Derzeit werden die Schilder aufgestellt. Fotos: phs

Tempo 30 auf (fast) allen Straßen

emi Adendorf/Ebstorf. Was Anwohner des Suren Winkel sowie eine neue Wählergemeinschaft in Adendorf bislang vergeblich fordern, ist in Ebstorf jetzt Realität: In dem rund 5300 Einwohner zählenden Klosterflecken im Kreis Uelzen gilt seit etwa vier Wochen auf allen Straßen Tempo 30 und rechts vor links — Ausnahmen bilden nur die Kreis- und Landesstraßen. Die Regelung geht zurück auf einen einstimmigen Ratsbeschluss aus dem März 2015 und dient in erster Linie der Sicherheit der Einwohner. Insbesondere Kinder und Jugendliche sollen sich sicherer fortbewegen können, deshalb müssen Autofahrer ab sofort vor allem an Schulen, Kindergärten sowie Krippen auf die Bremse treten. Insgesamt 30 neue Zone-30-Schilder sollen zu einer ähnlich großen Anzahl schon bestehender hinzukommen, 19 neue Zeichen sind bereits aufgestellt.

Tempo 50 gilt weiterhin für die großen Durchgangsstraßen Celler Straße, Bahnhofstraße, An der Bahn, Allmelingstraße, Hauptstraße, Tatendorfer Straße und Brüggerfeld. Die Lüneburger Straße bildet einen Sonderfall: Vom Ortseingang bis zur Georgsanstalt gilt auf der Straße Tempo 50, ab der Abzweigung gelten dann 30 Stundenkilometer. Langsamer fahren und auf Vorfahrt achten ist damit ab sofort auf 98 von 106 Straßen im Ort angesagt.

Glaubt man dem Ebstorfer Bürgermeister, bereitet die neue Vorfahrtsregelung manchem Verkehrsteilnehmer zwar noch Probleme, blieben Kollisionen bislang aber aus: „Es gibt gefährliche Situationen“, sagt Uwe Beecken, „aber da sich die Autofahrer, die von rechts kommen, langsam an die Kreuzungen herantasten, kommt es nicht zu Unfällen“. Ein Eindruck, den Polizeisprecher Kai Richter im Großen und Ganzen bestätigen kann: „Die betreffenden Stellen in Ebstorf waren bereits in der Vergangenheit nicht als Unfallschwerpunkte bekannt. Meines Wissens gibt es auch jetzt keine neuen Unfälle. Eine genaue Auswertung liegt uns aber noch nicht vor. Grundsätzlich ist der Zeitraum von einem Monat viel zu kurz, um eine Aussage zu treffen.“

Die Ebstorfer Bürger jedenfalls scheinen die Maßnahme zu befürworten, Beschwerden hat der Bürgermeister nach eigener Aussage noch nicht gehört. Eine spontane — natürlich nicht repräsentative — LZ-Umfrage ergibt dasselbe Bild. Was die Anwohner sagen, lesen Sie unter diesem Artikel.

Einmütige Politiker, besonnene Autofahrer, zufriedene Anwohner — klingt nach einem Erfolgsmodell. Könnte das nicht auch in Adendorf Schule machen? Angesprochen auf das Thema, sagt Adendorfs Bürgermeister Thomas Maack: „Man kann Orte nicht vergleichen.“ Ein Beispiel: Ebstorf hat 5300 Einwohner und 106 Straßen, Adendorf hat 10200 Einwohner und 175 Straßen, auch Lage und Funktion der Wege sind unterschiedlich.

Grundsätzlich sei er bereit, die geforderte Einführung von Tempo-30-Zonen im ganzen Ort zu diskutieren, sagt Thomas Maack. „Aber das muss dann breiter angelegt sein. Bisher ist das nur eine Handvoll Leute, die Stimmung macht. Die Diskussion ist wahlkampfgeprägt.“ Außerdem: „Wir machen uns dadurch selber Schwierigkeiten, die wir nicht bewältigen können“, befürchtet der Adendorfer Bürgermeister. Denn: „Wie wollen Sie das denn überwachen?“

Wie berichtet, tobt in Adendorf seit Jahren ein Streit um den Ausbau des Straßenzuges Im Suren Winkel. Die Gemeinde will die Straße sanieren, dagegen laufen Anwohner Sturm. Ihr Vorwurf: Die Planungen würden den Zustand der Straße — zu viel, zu schneller und gefährlicher Verkehr — fortschreiben. Ihre Forderung: Tempo 30. Eine Wählergemeinschaft hat das Thema aufgegriffen, kämpft für Tempo 30 in ganz Adendorf.

Ulrich Bohl, Teamleiter Straßenbau

30er Zone Ebstorf / Verkehr„Meine Mitarbeiter und ich haben in den vergangenen vier Wochen 19 von 30 neuen 30er-Zonen-Schildern im Ort aufgestellt, das machen wir in Quartiere eingeteilt. Aus meiner Sicht halten sich die Autofahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Die Maßnahme finde ich gut, denn gerade im Bereich der Schulen wird jetzt langsamer und besser gefahren.“

Sinja Neumann, Anwohnerin

Foto © Philipp Schulze / phs-foto.de Die Bilder sind honorarpflichtig und unterliegen nicht dem Erstverwertungs-, bzw. dem Exklusivrecht.

„Als Mutter zweier Kinder im Alter von sechs und acht Jahren bin ich für die Verkehrsberuhigung. Man lässt seine Kinder eher mal alleine los, wenn man weiß, dass nicht gerast wird. Früher war das in der Lüneburger Straße der Fall. Manch Auswärtiger fuhr falsch herum durch die Einbahnstraße. Wenn einer mit 80 Sachen entgegenkam, beteten wir, dass nichts passiert.“

Stephan Gontard, Anwohner

30er Zone Ebstorf / Verkehr„Als ich vor eineinhalb Jahren nach Ebstorf gezogen bin, hatte ich mich ohnehin schon gewundert, dass vor dem Kindergarten nicht Tempo 30 galt. Ich finde gut, dass das jetzt eingeführt wurde, weil es zur Beruhigung der Straße dient. Auf so einer schmalen Straße wie der Lüneburger Straße ist diese Geschwindigkeit meiner Meinung nach völlig ausreichend.“