Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Leuphana-Präsident Sascha Spoun (l.) eröffnete den Dies Academicus vor rund 600 Gästen. Von der Leuphana Universität beim Dies Academicus mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet: wurden Prof. Paul L. Davies (2.v.l.), Felicitas Hoppe und Prof. James Clark (r.). Foto: t&w
Leuphana-Präsident Sascha Spoun (l.) eröffnete den Dies Academicus vor rund 600 Gästen. Von der Leuphana Universität beim Dies Academicus mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet: wurden Prof. Paul L. Davies (2.v.l.), Felicitas Hoppe und Prof. James Clark (r.). Foto: t&w

Leuphana feiert akademischen Jahresabschluss

ap Lüneburg. Die stille Übereinkunft, dass Veranstaltungen im Studiengang Kulturwissenschaften nicht vor 10 Uhr morgens anfangen, treffe nicht unbedingt die Definition der akademischen Kultur, scherzte Prof. Dr. Sascha Spoun in seiner Festrede zum 10. Dies Academicus — dem Abschluss und Höhepunkt des akademischen Jahres.

„Die akademische Kultur meint, dass unser aller Leben durch die Interaktion mit der Umwelt geprägt wird“, erklärte der Uni-Präsident am Mittwochabend vor rund 600 Gästen im Hörsaal 2. An der Uni könne man sich nicht seinen eigenen Mikrokosmos schaffen, sollte stattdessen ­Inspiration in seinen Mitmenschen suchen. „Die Leuphana soll eine Heimat für Ihr Denken sein.“

19 Projekte ausgezeichnet

Herausragende Denker gibt es an der Lüneburger Uni viele, das zeigte die zweistündige Preisverleihung, die drei Ehrendoktoren, zahlreiche Dozenten und Studenten hervorbrachte. Davon überzeugte sich auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge, der in seiner Eröffnungsrede aber kurzzeitig für drückende Stille im Saal sorgte. „Die Universität macht einen Quantensprung, wenn das Audimax kommt. Ich werde im ganzen Land darauf angesprochen.“ Eher nebensächlich seien daher die Kosten, wichtiger die Bedeutung für die Region. „Bei der Elbphilharmonie redet auch niemand mehr über Geld. Ob das Zentralgebäude jetzt nochmal fünf oder zehn Millionen Euro teurer wird, sollten wir nicht mehr diskutieren“, sagte Mädge, der vor allem die Zukunftsfähigkeit der Hochschule lobte.

Ronja Hesse, Sprecherin des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), richtete ebenfalls ein paar Worte an die Anwesenden. „Die Liste ist sehr vielfältig, Sie alle haben viel geleistet, um diese Region weiterzubringen.“ Dennoch sei die Möglichkeit zur Teilhabe noch immer abhängig von vielen Faktoren. „Diese Ungleichheiten reproduzieren sich ständig“, sagte die Studentin, die mit lautem Klatschen wieder zu ihrem Platz begleitet wurde.

Leuphana Promotionspreis

Neben Felicitas Hoppe, Prof. James Clark und Prof. Paul L. Davies, die sichtlich gerührt auf die Ehrenpromotion reagierten, zeigte auch Prof. Dr. Carola Schormann, Vizepräsidentin für die Bereiche College und Campusleben, viel Begeisterung für die Lehrpreisträger. „An der Leuphana gibt es zahlreiche exzellente Lehrveranstaltungen“, sagte sie vor der Bekanntgabe. Drei Projekte erhielten einen Lehrpreis auf Vorschlag von studentischer Seite, drei Dozenten reichten ihre Konzepte selbst ein. Im Bereich der Forschung vergab die Leuphana vier Preise. Das „beeindruckende Werk“ von Dr. Ine Dorresteijn erhielt beispielsweise den Leuphana Promotionspreis. „Die Dissertation umfasst elf Publikationen in renommierten Fachzeitschriften“, sagte Prof. Dr. Beate Söntgen, Vizepräsidentin für Forschung und Humanities.

Einen der beiden Wissens­transferpreise konnte das Projekt „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ ergattern. Prof. Dr. Markus Reihlen: „Studieren bedeutet auch, die Komfortzone zu verlassen und offen für Irritationen zu sein.“ Man müsse hinaus in die Welt, Probleme aufdecken und unterstützen, erläuterte der Vizepräsident der Graduate School. Das Projekt sei daher ein großer Beitrag für die lokale Entwicklung.

Mit dem Kulturgarten und dem Welcome and Learning Center ehrten die Preisträger von 2015, Maren Stöber und Eric Klausch, zwei Projekte, die „enormes Engagement“ beweisen würden. „Ohne Euch würde die Gesellschaft so nicht funktionieren“, sagte Klausch. Die Begegnungsstätte an der Bleckeder Landstraße räumte gleich doppelt ab: Das Team erhielt vom Social Change Hub einen der vier Awards für Andersdenkende, das ein Coaching-Wochenende beinhaltet. „Er ist für Studenten, die sich Zeit für gesellschaftlich relevante Themen nehmen“, erklärte Leiterin Prof. Dr. Jantje Halberstadt. „In Lüneburg herrscht eine blühende Initiativenlandschaft.“

Preisträger und Projekte sind gesammelt unter www.leuphana.de im Netz zu finden.

 

Felicitas Hoppe

Foto: t&w Leuphana Uni Dies AcademicusDie deutsche Schriftstellerin und Wissenschaftlerin erhält die Ehrendoktorwürde der Fakultät Bildung für eines ihrer Werke, dem die Leuphana eine „herausragende Bedeutung“ für die Literaturwissenschaft, Poetologie und Bildungstheorie nachsagt. Die 55-Jährige ist damit die erste Autorin, die von der Leuphana Universität mit einer Ehrenpromotion ausgezeichnet wurde. Ihre Texte sind bereits mehrfach preisgekrönt, so erhielt sie zuletzt beispielsweise den Georg-Büchner-Preis und den Erich-Kästner-Preis für Literatur. Die Nachricht kam aus heiterem Himmel, erzählt sie. „Es ist außergewöhnlich, eine solche Anerkennung aus einem anderen Feld zu erhalten. Ich bin sehr gerührt.“

 

Prof. James Clark

Foto: t&w Leuphana Uni Dies AcademicusFür seine Leistungen auf dem Gebiet der grünen und nachhaltigen Chemie erhält der Brite die Ehrendoktorwürde. Der Chemiker, der an der Universität in York arbeitet, widmet sich der Erforschung der Möglichkeiten, umweltfreundliche Technologien und Ressourcen für die Lösung chemischer Probleme zu nutzen. Das Ziel dabei sei, chemische Prozesse umweltfreundlich und energieeffizient zu gestalten. „Es ist toll, von einer so speziellen Universität ausgezeichnet zu werden“, sagte Clark, der neidvoll auf die ihn ehrende Nachhaltigkeitsfakultät der Leuphana blickte: „Davon träume ich.“ Mit einer solchen Auszeichnung habe er nicht gerechnet.

 

Prof. Paul L. Davies

Foto: t&w Leuphana Uni Dies Academicus Die Fakultät Wirtschaftswissenschaft zeichnete den britischen Juristen für seine Leistungen auf dem Gebiet des englischen Gesellschaftsrechts aus. Sein Werk „Principles of Modern Company Law“ sei heute noch immer eine Standardlektüre für alle englischen Company Law Studenten. Auch seine Forschungen würden weltweite Aufmerksamkeit erregen. „Die Entscheidung, dass ich geehrt werden soll, liegt zwei Jahre zurück. Ich freue mich daher umso mehr, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt überreicht wird“, sagte Davies. In den schwierigen Zeiten zwischen seinem Land und der EU sei diese Auszeichnung ein Symbol für die Fortsetzung des akademischen Austauschs. Dafür erntete er im Saal viel Beifall.

 

Die beste ausländische Studentin

Foto: t&w Leuphana Uni Dies Academicus Courtney MartinDer Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes wird jedes Jahr an eine Studentin aus dem Ausland verliehen, die nicht nur im Studium herausragt, sondern sich auch sozial und gesellschaftlich engagiert. Courtney Martin kam 2011 aus den USA an die Leuphana, um die deutsche Sprache und Kultur kennenzulernen. Nach den Auslandssemestern schloss sie ihren Bachelor in Chicago ab und entschied, nach Lüneburg zurückzukehren. Seit Oktober 2014 studiert die gebürtige Amerikanerin nun Kulturwissenschaften an der Leuphana. Aufmerksamkeit erregte Martin durch ihren Blog „Welcome to Germerica“. Darin berichtet sie in regelmäßigen Abständen mit viel Humor über das Leben in Deutschland, das Essen, die Sprachprobleme, die Eigenarten der Deutschen und über ihre Reiseerfahrungen.