Aktuell
Home | Lokales | Sparkasse Lüneburg will mit kleinerer Mannschaft wachsen
Ganz nach hinten verlagern möchte sich die Sparkasse An der Münze nicht, doch ein weiteres Geschäft im vorderen Bereich, wie im LZ-Artikel am Mittwoch bereits ins Spiel gebracht, sei durchaus denkbar. Foto: t&w
Ganz nach hinten verlagern möchte sich die Sparkasse An der Münze nicht, doch ein weiteres Geschäft im vorderen Bereich, wie im LZ-Artikel am Mittwoch bereits ins Spiel gebracht, sei durchaus denkbar. Foto: t&w

Sparkasse Lüneburg will mit kleinerer Mannschaft wachsen

ahe Lüneburg. Das erfolgreichste Jahr bei der Immobilienvermittlung, der höchste je erreichte Wertpapierumsatz, mehr als 92.000 Privatgirokonten, ein Plus beim Kundenkreditgeschäft von 5,3 Prozent und ein Überschuss von 3,71 Millionen Euro — das Jahr 2015 konnte sich für die Sparkasse Lüneburg sehen lassen. Das Geldhaus, fünftgrößtes Unternehmen in Stadt und Landkreis und eben dort Marktführer unter den Geldhäusern, steht nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden Thomas Piehl und dessen Vorstandskollegen Torsten Schrell gut da. Auch wenn die Zahlen für 2016 schwächer aussehen, sei die Sparkasse gewappnet für die nächsten zehn Jahre. Piehl sagt klar: „Wir wissen, wie Wachstum geht.“

Bei aller Zuversicht spricht der Chef von einer Zäsur, die sein Unternehmen derzeit erlebe. Das macht er nicht etwa an den personellen Veränderungen in der Führungsetage fest — bekanntlich hat Piehl gerade erst den Chefposten von Karl Reinhold Mai übernommen, während von außen Torsten Schrell neu als zweiter Mann auf die Kommandobrücke nachrückte — , sondern an den schwierigen Rahmenbedingungen. Als Beispiele nennt er das aktuelle Zinsniveau, die erforderliche Erhöhung der Eigenkapitalquote, den demografischen Wandel und die zunehmende Digitalisierung. Doch es gibt auch Entwicklungen, von der die Sparkasse zweifelsohne profitiert. Zuallererst vom Boom der Region, denn der Landkreis wird Prognosen zufolge weiterhin wachsen, von 182.500 Einwohnern im Jahr 2015 auf voraussichtlich rund 187.000 im Jahr 2025. „Der Boom hilft uns“, sagt Piehl, der diese Neubürger eben auch als potenzielle neue Kunden sieht: für ein Konto („Wir peilen die magische Zahl von 100.000 Privatgirokonten an“) genauso wie für Immobilienvermittlung („Schließlich müssen die Menschen ja irgendwo wohnen“) oder auch für Kredite.

Natürlich weiß Piehl, dass es in der Finanzbranche Konkurrenten gibt, die keine Kontoführungsgebühren verlangen, dadurch womöglich attraktiver wirken. Zumal gerade Jüngere das Gros ihrer Bankgeschäfte längst online erledigen. Hier sieht er die Sparkasse aber mit anderen Stärken gut gewappnet gegen die Konkurrenz: „Auch bei uns können die Kunden alles online erledigen. Aber wenn es um Vermögensberatung oder Altersversorge geht, raten wir dazu, in die Filiale zu kommen. Die Filiale prägt das Bild unseres Unternehmens. Die haben wir in den vergangenen Jahren extra mit entsprechendem Know-how gestärkt. Wir sind bekennende Lüneburger und mit unseren Filialen vor Ort. Meiner Erfahrung nach wollen Kunden auch Menschen zum Anfassen haben, jemanden, auf den sie zugehen können für den Fall, dass irgendwas mal nicht reibungslos laufen sollte.“

Auch wenn Piehl sein Unternehmen „in einer Position, in der wir uns wohlfühlen“, sieht, will er nicht alles rosarot malen. So hatte die Sparkasse Lüneburg im vergangenen Jahr noch eine „Cost income ratio“, eine Kennzahl für das Aufwand-Ertrags-Verhältnis von 65 Cent. Das bedeutet: Sie musste 65 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Für dieses Jahr prognostiziert er, dass es schon 71 Cent werden. Aufzufangen sei das nur, indem die Sparkasse wachse. Und da komme dem Geldinstitut wieder die boomende Region zugute. Piehl: „Der Kuchen wird größer, ohne dass wir jemand anderem etwas wegnehmen müssen.“

Im LZ-Gespräch äußert sich Thomas Piehl auch über…

…die Zahl der Filialen: „Es gibt die Garantie, dass es 2020 nach der angekündigten Fusion unserer Standorte Deutsch Evern und Melbeck insgesamt 21 Filialen sein werden. Es wird bis dahin also keine weitere geschlossen. Was danach wird, muss man sehen. Einen Kahlschlag aber sicher nicht.“

…die Entwicklung der Mitarbeiterzahl: „Wir werden keinen Berater entlassen. Aber digitalisierte Prozesse übernehmen künftig Aufgaben, die heute noch von Menschen erledigt werden. Darum werden wir mit weniger Mitarbeitern wachsen. In vier Jahren werden es etwa 30 Köpfe weniger sein. Das wird sozialverträglich passieren, dazu werden wir die natürliche Fluktuation nutzen“

…die Überlegung, dass sich die Sparkasse An der Münze weiter nach hinten ins Gebäude zurückzieht, um vorne Platz für Geschäfte zu machen: „Wir sehen uns als Teil des Einzelhandels und brauchen Schaufenster. Wenn da Immobilienangebote hängen, ist das für Kunden hochinteressant. Wir haben ja bewusst zusätzlich sonnabends geöffnet, und da ist die Filiale voll. Ganz nach hinten zurückziehen werden wir uns deshalb sicher nicht. Es ergäbe keinen Sinn, wenn die Kunden, die jetzt zum Beispiel bei Bäcker Kruse einkaufen, unsere Mitarbeiter nicht mehr sehen. Dann kommen sie auch nicht mehr zu uns rein. Aber ob wir auch in Zukunft vorne noch exakt dieselbe Fläche brauchen, wird sich zeigen. Wenn Sie mich fragen: Ich sähe im jetzigen Durchgangsbereich lieber ein Geschäft. Dazu wäre aber ein Umbau erforderlich.“

…mögliche Immobilienverkäufe: „Unser Gebäude mit der Vermögensberatung an der Apothekenstraße wollen wir mittelfristig verkaufen. Und da absehbar ist, dass wir insgesamt weniger Mitarbeiter haben werden, ist auch absehbar, dass wir nicht mehr lange beide Immobilien im Lünepark brauchen. Aber unsere Devise ist dann nicht, schnell weg damit. Wir sehen es auch als Aufgabe, da etwas zu entwickeln, zum Beispiel am Standort an der Konrad-Zuse-Allee, zusammen mit dem Unternehmer, dem das freie Nachbargrundstück gehört, als Partner.“

…die neue Arena, bei der die Sparkasse Namensgeber werden könnte: „Das ist zunächst ein politischer Prozess. Wenn man will, dass wir dazu einen Beitrag leisten, sind wir dazu gerne bereit. Aber dann brauchen wir auch einen Gegenwert. Das könnten die Namensrechte sein. Eine Sparkassen-Arena würde für uns Sinn ergeben.“

…die Ausschüttung an die Sparkassenstiftung vor dem Hintergrund des vermutlich schlechteren Aufwand-Ertrag-Verhältnisses: „In diesem Jahr muss die Sparkassenstiftung nicht mit weniger Geld rechnen, aber was die Zukunft bringt, darüber muss man diskutieren. Wir werden das im Verwaltungsrat im Dezember tun.“

…eine mögliche Fusion mit anderen Geldhäusern: „Unser Haus ist so aufgestellt, dass in den nächsten zehn Jahren keine Notwendigkeit dazu besteht.“

Der Neue

Sparkasse LüenburgTorsten Schrell ist seit dem 1. April in Diensten der Sparkasse, hat die ersten Monate bei seinem Arbeitgeber noch an der Seite des Ende Juni ausgeschiedenen Karl Reinhold Mai Einblicke in das Unternehmen bekommen, das er nun als zweiter Mann hinter Piehl im Vorstand verantwortlich mit leiten will. Schon jetzt stehe für ihn fest: „Ich habe alles richtig gemacht, nach Lüneburg gekommen zu sein. Ich habe Offenheit, Freundlichkeit und auch Veränderungswillen wahrgenommen.“ Schrell kam 1968 in Hameln zur Welt, machte in seiner Heimatstadt 1991 eine Ausbildung zum Sparkassenkaufmann bei der dortigen Stadtsparkasse. Später studierte er Wirtschaftswissenschaften in Hannover, ehe er von 1997 bis 2010 beim Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverband tätig war. Danach war er in leitender Position bei der Sparkasse Hannover tätig, seit 2014 als stellvertretendes Vorstandsmitglied. Er hatte sich im Bewerbungsverfahren für seinen jetzigen Posten gegen mehr als 50 Bewerber durchgesetzt. Torsten Schrell ist verheiratet und hat einen vierjährigen Sohn, die Familie soll ihm Ende des Jahres nach Lüneburg folgen.

Sparkasse in Zahlen

Mitarbeiter: 570
Filialen: 22
SB-Standorte: 14
Bilanzsumme: 2,39 Milliarden Euro
Privatgirokonten: 92576
Höhe der Einlagen: 1,6 Milliarden Euro

One comment

  1. Mit anderen Worten: Weniger Mitarbeiter, weniger uninteressante Kunden mit Rente oder Hartz4 ,mehr Kunden, die investieren wollen( und können) , mehr Geld verdienen und den Service weiter verschlechtern. Geld dafür Zahlen? Wofür, Herr Schrell? Für das was andere ohne Kosten besser ,schneller,effektiver können?