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Hauptfeuerwehrmann Tobias Johannsen mit dem neuen Schild, das bei einem Einsatz in den Privat-Pkw gelegt werden kann, um sich gegenüber Passanten besser erkennbar zu machen. Foto: t&w
Hauptfeuerwehrmann Tobias Johannsen mit dem neuen Schild, das bei einem Einsatz in den Privat-Pkw gelegt werden kann, um sich gegenüber Passanten besser erkennbar zu machen. Foto: t&w

Feuerwehr will helfen und wird bepöbelt

us Lüneburg. Wenn bei Tobias Johannsen der Meldeempfänger Alarm schlägt, gibt es für ihn nur noch eins: so schnell wie möglich zur Station der Feuerwehr Lüneburg Süd. Auf dem Weg dorthin nutzt der Hauptfeuerwehrmann mit seinem Auto den ungepflasterten Wirtschaftsweg zwischen Oedeme und Rettmer. Genau wie einige Kameraden. Doch die Brandbekämpfer haben dort immer häufiger unliebsame Begegnungen.

„Ich werde bepöbelt, teilweise stellen sich mir dort auch Leute in den Weg. Sogar Steine wurden mir schon nachgeworfen“, sagt Tobias Johannsen. Weil der Weg für Fahrzeuge normalerweise gesperrt ist, glauben offenbar viele, ihn und seine Kameraden beschimpfen zu dürfen. „Die Spaziergänger und Passanten sehen in uns normale Autofahrer, die unberechtigterweise den Weg nutzen und deshalb glauben, im Recht zu sein“, vermutet der Hauptfeuerwehrmann.

Einsatz beginnt mit Alarmierung

Dass dem beileibe nicht so ist, macht Oedemes Ortsbrandmeister Frank Noether deutlich: „Auch wenn es nicht so aussieht, die Feuerwehrmänner sind im Einsatz.“ Und der beginnt bereits mit Alarmierung der Feuerwehrleute, die zunächst noch in Zivil und mit eigenem Auto unterwegs den kürzesten und schnellsten Weg zum Feuerwehrhaus in Rettmer nutzen müssen, wo dann erst die Schutzausrüstung angelegt und es mit den Feuerwehrfahrzeugen zum Einsatzort geht.

„Bei unseren Einsätzen zählt jede Sekunde“, sagt Noether, der Vorfälle dieser Art auch von anderen Kameraden hört. „In jüngster Zeit ist es deutlich mehr geworden. Wir mussten schon mehrfach auf Kameraden warten und konnten so nicht früher zum Einsatzort fahren. Das geht gar nicht.“

Christel John vermutet, dass es wohl neu Hinzugezogene seien, die offenbar nicht wissen, dass der Weg zwischen Schmiedestraße in Oedeme und Lüneburger Straße in Häcklingen für Einsatzfahrzeuge erlaubt ist. „Darauf weisen auch entsprechende Schilder am Wegesanfang hin“, sagt Oedemes Ortsbürgermeisterin.

Privatfahrzeuge: Fahrzeuge mit Sonderrechten

Warum Spaziergänger dennoch die Einsatzkräfte behindern und bedrohen, bleibt unverständlich. „Wir rasen da ja auch nicht und fahren auch bewusst an der Seite. Außerdem sage ich immer, wenn ich angesprochen werde, dass ich im Einsatz bin und zeige meinen Feuerwehrausweis, doch das interessiert manche gar nicht“, sagt Tobias Johannsen, der überhaupt nicht verstehen kann, warum selbst Eltern mit Kindern sich vor sein Auto stellen und ihn bepöbeln. „Das macht keinen guten Eindruck. Und was würden sie eigentlich sagen, wenn es bei ihnen brennt und wir zu spät kommen, weil wir aufgehalten werden?“

Christel John heißt ein solches Verhalten nicht gut: „Ich appelliere an die Vernunft der Leute und hoffe, dass sie künftig mehr Rücksicht nehmen.“ Das hofft auch Antje Freudenberg, Pressesprecherin der Polizei Lüneburg. Und sie stellt klar: „Sobald die Feuerwehrleute im Einsatz sind, gelten auch die von ihnen dabei genutzten Privatfahrzeuge als Fahrzeuge mit Sonderrechten, genauso wie Feuerwehr- oder Polizeifahrzeuge.“ Behinderungen, Pöbeleien oder ein Bewerfen mit Steinen oder Stöcken sollten tunlichst unterlassen werden, warnt Antje Freudenberg. „Da könnte Nötigung vorliegen, außerdem kann es Beleidigungsklagen, Schadensersatzansprüche und Anzeigen wegen Straßenverkehrsbehinderung nach sich ziehen.“

Frank Noether will seine Feuerwehrleute jetzt mit Schildern mit der Aufschrift „Feuerwehr im Einsatz“ ausstatten, die bei Einsätzen im Fahrzeug sichtbar sein sollen. Er weist aber zugleich darauf hin, dass nach wie vor aber auch andere Einsatzfahrzeuge ohne ein solches Schild dort fahren dürften. Außerdem sollen größere Hinweisschilder an den beiden Wegesanfängen auf die wichtige Bedeutung des unscheinbaren Feldwegs hinweisen.

6 Kommentare

  1. Tja, einige der werten Spazierenden scheinen wohl im Privat-und Berufsleben nicht viel zu melden zu haben, wenn sie der Meinung sind das sie das/ihr vermeintliches Recht hier mit dem Tatbestand der Sachbeschädigung(Steine/Stöcker werfen) und Nötigung(…in den Weg stellen) durchzusetzen möchten anstatt das der legitimen Ordnungsmacht(Polizei) zu überlassen.
    Ein Anruf bei der Polizei hätte das Ganze wohl auch schnell geklärt aber wozu das alles wenn man in einem Machtanflug von „im Recht sein“ schön selbst Hilfssheriff spielen kann!

  2. Ich kann die Anwohner hier völlig verstehen. Die Privatfahrzeuge der Feuerwehrleute machen vermutlich nur einen kleinen Teil der Fahrzeuge aus, die dort regelmäßig durchfahren und irgendwann reichts halt und irgendjemand bekommt’s ab. Da kann derjenige dann auch gern mit einem Plastikkärtchen rumfummeln.

    Warum stattet man diese Fahrzeuge nicht mit einem Blaulicht aus? Dann würde es das Problem nicht geben.

    • Bevor man meint, den Hilfsscheriff raushängen lassen zu müssen und andere nötigt, hier mein Vorschlag: Kennzeichen, Ort und Zeit merken und bei der Polizei anzeigen. Knöllchen wirken besser als Pöbeleien und Handgreiflichkeiten. In letzteren Fällen sollten die Kollegen der Feurwehr, wenn möglich, diese „Mitmenschen“ ihrerseits anzeigen.

      Ja, das Miteinander in der heutigen Zeit wird immer schwieriger, weil die Intolleranz bei vielen immer größer wird. Schade!!!

  3. Sonder und Wegerechte mit einem Privatfahrzeug? Da muss wohl jemand nochmal in der StVo nachlesen. Das Wegerecht könnte man einräumen aber Sonderrechte gibt es auch nur unter Sondersignalen (Blaulicht und Martinshorn zusammen).
    Es sollte außer Frage stehen, das es nicht dem Spaziergänger obliegt sich in den Weg zu stellen. Dann sollen sie doch einfach die Polizei rufen.

    • Doch hier liegt der Autor bzw. die zitierte Beamtin richtig.
      Ein oft gemachter Fehler, Sie verwechseln hier den § 35 StVO „Sonderechte“ mit dem § 38 StVO Abs. 1 „Blaues Blinklicht und gelbes Blinklicht“. Tatsächlich ist eine Einfahrt in einen für den allgemeinen Verkehr gesperrten Wirtschaftsweg ein Sonderrecht und durch § 35 für Feuerwehrangehörige unabhängig vom genutzten Fahrzeug bei gebotener Eile rechtens. Blaues Blinklicht oder ein Einsatzhorn, wie es für das Wegerecht (also die Vorfahrt) gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern gem. § 38 StVO notwendig ist, wird für die Einteilung als Sondrechtsfahrt hier nicht benötigt.

      Bezüglich der durch die Bürger dort verübten Selbstjustiz gebe ich ihnen, schon aus Gründen der Unfallverhütung, auch gegenüber tatsächlich ordnungswidrig einfahrender Kfz recht. Ein klärender Anruf bei der Polizei ist hier sinnvoller als unüberlegte Eigeninitiative.

    • Richtig. Sie sollten sich die StVo noch einmal ansehen. Insbesondere die Paragraphen 35 und 38, die Sie selbst (zumindest bei den Begrifflichkeiten) verwechseln.