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Etwa 20 Grad warm war die Elbe gestern vor Hohnstorf. Bei schwülem Wetter sprangen bis zu 50 Freiwillige in den Fluss, neugierig beobachtet von den Umstehenden. Foto: phs
Etwa 20 Grad warm war die Elbe gestern vor Hohnstorf. Bei schwülem Wetter sprangen bis zu 50 Freiwillige in den Fluss, neugierig beobachtet von den Umstehenden. Foto: phs

Hohnstorf: Abkühlung bei traditionellem Elbe-Badetag

emi Hohnstorf/Elbe. Der Himmel ist wolkenverhangen, nur hin und wieder lässt sich die Sonne blicken. Dennoch ist es fast eine Erlösung, als der Hohnstorfer Bürgermeister André Feit gestern mit leichter Verspätung den Startschuss zum Elbe-Badetag gibt. Denn stehende Luft und Temperaturen von um die 28 Grad bringen Groß und Klein gehörig ins Schwitzen. Um 14.15 Uhr hat das Warten ein Ende etwa 50 Badelustige stürzen sich unter den wachsamen Augen der Mitarbeiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in die Elbefluten. Vom Ufer aus sehen etwa 150 Schaulustige den Badenden zu.

Eine, die sich besonders mutig ins Nass begibt, ist Katrin Pfeffer. Die 48-Jährige ist im vergangenen Jahr von Lüneburg nach Hohnstorf gezogen und profitiert in zweierlei Hinsicht von der Aktion. „Als Schwimmerlehrerin lasse ich normalerweise schwimmen“, erzählt sie schmunzelnd, „heute nutze ich das aus und schwimme selbst. Außerdem finde ich schön, dass wir heute hier baden dürfen.“ Hohnstorf

Befand sich früher eine Badestelle am Fischerzug in Hohnstorf/Elbe, ist das Schwimmen heute auf den offiziellen Badetag beschränkt, denn der Badestrand befindet sich in Privatbesitz. Bis in die 1950er-Jahre sei die Elbe in Hohnstorf weithin bekannt und beliebt bei Badegästen gewesen, erzählt André Feit: „Wenn wir hier buddeln würden, würde weißer Sand zum Vorschein kommen.“ Doch als 1960 die Staustufe Geesthacht in Betrieb genommen, die Elbe zudem immer schmutziger wurde, war es mit dem Baden vorbei.

Seit 2002 lebt die alte Tradition alle zwei Jahre mit dem Badetag wieder auf. Die Veranstaltung ist aus Aktionen wie dem europäischen Flussbadetag „Big Jump“ hervorgegangen und soll auch die Sauberkeit der Elbe demonstrieren. Und das kleine Badefest mit kalten Getränken, Kaffee, Kuchen und Grillwaren scheint zu gefallen.

Brigitte Morawek ist extra aus Lüneburg zu dem Spektakel gekommen. „Ich will das Flussschwimmen, die Strömung, gegen die man ankämpfen muss oder mit der man sich treiben lassen kann, erleben“, sagt die 74-Jährige. „Ich möchte wissen, wie weit meine Kräfte reichen.“

Damit niemand seine Kräfte überschätzt, passen Einsatzleiter Eckhard Menzel und seine Kollegen vom DLRG genau auf. Vier DLRG- und ein Feuerwehrboot patrouillieren auf dem Fluss. „Wer in der Elbe badet, sollte grundsätzlich ein paar Regeln beachten“, sagt Menzel: „Nicht in der Fahrrinne, nicht an Buhnen und Wehren schwimmen und bei Gewitter das Wasser verlassen.“ Weitere Baderegeln hat der
29DLRG-Landesverband zusammengestellt (unten).

Nach dem Baden gab es gestern noch einen besonderen Höhepunkt: Statt dem „zollfreien Einkauf“ von einem Elbkahn aus hatte der Leiter des örtlichen Supermarktes, Egbert Lange, eine Schatzsuche für alle organisiert. „Auf der Insel liegt ein alter Piratenschatz, den wir mit Todesmutigen bergen wollen“, kündigte Peter Hagemann, Hohnstorfer Ratsmitglied, an.

DLRG-Tipps zum sicheren Baden

Die Badesaison 2016 ist in vollem Gange. Sobald die Sonne mit angenehmen Temperaturen verwöhnt, tummeln sich die Menschen in Freibädern oder suchen an Seen, Flüssen und natürlich im Meer Abkühlung. Doch leider kommt es beim Baden regelmäßig zu schwerwiegenden Unfällen. Gerade ungeübte Schwimmer und Nichtschwimmer sind stark gefährdet. Wer jedoch bestimmte Baderegeln beachtet, kann das nasse Vergnügen unbeschwert genießen. Der Landesverband Niedersachsen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat einige Sicherheitstipps zusammengestellt:

  • Kopfsprünge in unbekannte Gewässer sind lebensgefährlich und tabu. Gerade die unsichtbaren Gegenstände unter der Wasseroberfläche, wie zum Beispiel Steine oder nicht sichtbare Felsen, können einen schwer verletzen.
  • Nach dem Sonnenbaden sollte man nicht „einfach drauf los“ ins Wasser springen, sondern den Körper langsam an den Temperaturunterschied gewöhnen.
  • Zunehmend ertrinken ältere Menschen. Hier ist ein Gesundheitscheck eine gute präventive Maßnahme. Denn bei Herz-Kreislaufproblemen kann das Baden sogar lebensgefährlich sein.
  • Die Jüngeren neigen eher zu Leichtsinn, einer höheren Risikobereitschaft sowie Alkoholkonsum, was beim Baden schnell zu Unfällen führt.
  • Luftmatratzen, aufblasbare Badeboote oder Gummitiere sind nur Hilfsmittel und bieten für Nichtschwimmer keine Sicherheit.
  • Die meisten Ertrinkungsfälle sind an unbewachten Badestellen zu verzeichnen. Daher ist es ratsam, sich immer an bewachten Stränden aufzuhalten.