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Strahlend orange leuchtet der Bauch der Rotbauch­unke. Die Tiere sind vom Aussterben bedroht. Foto: rg
Strahlend orange leuchtet der Bauch der Rotbauch­unke. Die Tiere sind vom Aussterben bedroht. Foto: rg

Rettung für die Rotbauchunke

rg Hitzacker. Eine riesige, eingezäunte Wiese an der Elbe, bewachsen mit hochstehendem Gras, einigen Bäumen, dazu halb mit Erde bedeckte Steinhaufen, ein paar Wurzelballen. So sieht er aus, der Lebensraum eines der bedrohtesten Tiere Deutschlands. Die Rotbauch­unke, auch Feuerkröte genannt, kommt in Deutschland fast ausschließlich in den neuen Bundesländern vor. Straßenbau, Flussbegradigungen und intensive Landwirtschaft haben ihren Lebensraum fast überall zerstört. Nun soll im Kreis Lüneburg zwischen Rassau und Privelack in der Gemeinde Amt Neuhaus eine Art Rotbauchunken-Hotspot entstehen.

Schon in den vergangenen Jahren wurden Rotbauchunken auf der Wiese an der Elbe ausgesetzt, in den eigens angelegten Teichen fühlen sie sich offenbar wohl. Foto: rg
Schon in den vergangenen Jahren wurden Rotbauchunken auf der Wiese an der Elbe ausgesetzt, in den eigens angelegten Teichen fühlen sie sich offenbar wohl. Foto: rg

Die Amphibienexperten des Unternehmens „Amphi Consult“ setzten in dem Areal an der Elbe genau 1420 Rotbauchunken aus. Und zwar handaufgezogen. Die Auswilderungsaktion ist Teil des sogenannten EU-LIFE-Projektes, ein von der Europäischen Union, dem Land Niedersachsen und weiteren Partnern finanziertes Vorhaben unter Federführung des Biosphärenreservates Niedersächsische Elbtalaue.

Unken aus eigener Zucht

In den kommenden acht Jahren sollen Populationen von Auen-Amphibien wie dem Kammmolch, dem Laubfrosch und vor allem der Rotbauch­unke stabilisiert und nach Möglichkeit vergrößert werden. Rund 3,4 Millionen Euro fließen in Maßnahmen in den Flussniederungen von Elbe und Aller, um dort vorhandene Lebensräume der Auen-Amphibien zu verbessern, neue Lebensräume zu schaffen und diese zum Erhalt der genetischen Vielfalt möglichst noch miteinander zu verbinden.

Ortstermin an der Elbe. In 20 weißen 20-Liter-Eimern bringen Florian Bibelriether und seine Mannschaft vom Unternehmen „Amphie Consult“ die kleinen Rotbauchunken auf die Wiese. Dort hatten sie in den vergangenen Jahren Teiche angelegt, die gefüllt mit Regenwasser und unabhängig vom Wasserstand der Elbe den kleinen Rotbauchunken eine neue Heimat werden sollen. „Wir haben schon im vergangenen Jahr Tiere hier ausgesetzt“, erzählt Bibelriether.

Die Unken, die Bibelriether und seine Mitstreiter an diesem Tag aussetzen, haben sie aus Laich aufgezogen, den sie im Sommer in mehreren Teichen in Lüchow-Dannenberg eingesammelt hatten. „Wenn es läuft wie geplant, können wir hier in einigen Jahren wieder Laich einsammeln und damit die nächste Population aufbauen“, erklärt der Experte.

Zehn bis 20 unterschiedliche Gewässer

Bei der Schaffung neuer Lebensräume geht es um mehr als nur das Anlegen von Teichen. Denn ein Teich allein reicht laut Florian Bibelriether nicht aus als Rotbauchunken-Lebensraum. „Nach Möglichkeit braucht es zehn bis 20 unterschiedliche Gewässer, solche, die auch mal austrocknen, welche mit ausgedehnten Flachwasserzonen, mit Schlamm und Wasserpflanzen.“ Das Drumherum müsse ebenfalls stimmen: „Ideal ist eine Teichlandschaft inmitten extensiv bewirtschafteter Weiden mit Bio-Viehbestand“, sagt er. Dort hätten die Unken Deckung beim Wandern, aber keinen Schatten, der sie auskühlen lassen würde. Außerdem fänden sie reichlich Nahrung in den aus den Kuhfladen schlüpfenden Insekten.

Weitere solcher Teichlandschaften sollen in den kommenden Jahren im Nachbarlandkreis Lüchow-Dannenberg entstehen. „Im Laufe der acht Projektjahre werden wir die Gelegenheit haben, Erfahrungen zu machen und diese dann auch gleich umzusetzen. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt Johannes Prüter, Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung in Hitzacker. Für ihn ist das Ganze deshalb in besonderem Maße „ein spannendes Projekt“.

2 Kommentare

  1. Rotbauchunke, kann man sie nicht in richtung a39 bewegen, vielleicht hört dann ja dieser unfug mit rein in die kartoffeln, raus aus den kartoffeln auf?

  2. Ein interessanter Bericht und eine tolle Aktion, der ich viel Erfolg wünsche. Hier in Sachsen gibt es sie an manchen Stellen noch häufig. Es ist schön ihnen bei ihrem „Gesang“ zu zuhören. Es sind kleine, aber wunderschöne Unken.