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Marie Bunsen hat das Event in Lüneburg nicht nur organisiert, sie hat auch kulinarisch ordentlich aufgetischt. In ihrer WG lockt eine bunte Vorspeise: Rucolasalat, Bruschetta und Caprese mal anders und ein fruchtiger Spieß. Foto: t&w
Marie Bunsen hat das Event in Lüneburg nicht nur organisiert, sie hat auch kulinarisch ordentlich aufgetischt. In ihrer WG lockt eine bunte Vorspeise: Rucolasalat, Bruschetta und Caprese mal anders und ein fruchtiger Spieß. Foto: t&w

Essen als kleine Tournee

ap Lüneburg. Hiltrud Güse kocht für ihr Leben gern. „Ich liebe leckeres Essen, probiere gern Neues aus“, sagt die 52-Jährige. Als sie und ihr Partner dann vor kurzem auf das „Running Dinner“ in Lüneburg aufmerksam wurden, war die Freude groß. Das Prinzip: Drei Gänge, drei Küchen — eine kulinarische Tour quer durch die Stadt. Dahinter steckt die studentische Initiative „herzhaft“, die durch Freundschaft und der Liebe zu gutem Essen ins Leben gerufen wurde.

Marie Bunsen und Thomas Haskamp zählen zu dem vierköpfigen Organisationsteam. Das Duo hat sich ebenfalls zu dem Event angemeldet, genau wie neun andere Paare. „Die Gänge und Routen wurden ausgelost, die Teilnehmer konnten aber eine Priorität angeben“, erklärt die Studentin. Und der Automatismus legte fest: Im Hause Bunsen wird eine Vorspeise serviert. Unter dem Motto „Frisch von hier“.

„Wir wissen, dass zwei Gäste kommen, die sich etwas Fleischloses wünschen“, sagt Bunsen und präsentiert: „Rucola mit Erdbeeren und Balsamico verfeinert, Caprese mit Zitronenschale und Sojasahne abgewandelt, Bruschetta mit selbstgebackenem Brötchen, Ziegenkäse und angebratenem Pfirsich und ein fruchtiger Spieß mit Melone, Feta und Minze.“ Thomas Haskamp schenkt derweil Weißwein und selbstgemachte Holunder-Minz-Limonade ein.

Unter den Gästen — vorwiegend Studenten — herrscht schnell eine genießerische Stille. Hier und da ist ein Schmatzen zu vernehmen. „Hervorragend“, klingt es vom hinteren Ende der langen, weißen Tafel. „Eine perfekte Kombination.“ Für das Dinner hat Mitbewohner Hauke Witte Zimmer und Tisch hergegeben. Dafür darf er mit zwei der anderen Mitbewohner auch mitessen. „Zu besonderen Anlässen kommen wir immer in meinem Zimmer zusammen“, sagt der 27-Jährige. Der rund zweieinhalb Meter lange Raumfüller sei eigentlich sein Schreibtisch. „Ausziehen kann ich mit dem nur durchs Fenster.“

Ein Paar war quasi zu viel

Damit auch alle Teilnehmer etwas zwischen die Zähne bekommen, musste Marie Bunsen kurzerhand umplanen. „Ein Paar war quasi zu viel“, erklärt die 23-Jährige. Hiltrud Güse und Norbert Grapa. Zu viel bedeutet in dem Fall, dass die beiden nicht selbst kochen dürfen. „Das ist zwar schade, aber wir haben auch nichts dagegen, mal eingeladen zu sein“, sagt Güse, die mit ihrem Freund vor 19 Jahren aus dem Ruhrgebiet nach Lüneburg gezogen ist. „Wir hätten eine Waldpilzsuppe angeboten“, verrät er. „Mit selbstgesammelten Pilzen.“

Die beiden sind die einzigen Teilnehmer, die altersmäßig nicht in die Studenten-Sparte passen. Aber das tut der Stimmung keinen Abbruch. „Wir dachten, dass vielleicht mehr ältere Semester teilnehmen“, sagt Hiltrud Güse und lacht. „Unsere Uni-Zeiten sind ja lange vorbei.“

Im Roten Feld bei Laura Schilling (23) und Marcus Zimmer (27) brutzelt währenddessen schon der Hauptgang im Ofen. Gemüsefrikadellen, Kartoffelgratin und ein grüner Salat warten auf hungrige Mäuler. Auch hier sollen zwei Vegetarier kommen. „Ein Gast hat zusätzlich eine Laktoseintoleranz angegeben, aber geschrieben, dass alter Käse kein Problem sei“, sagt Schilling amüsiert. „Das hat uns überfordert.“ Marcus Zimmer, der gerade sein Referendariat als Lehrer begonnen hat, freut sich dennoch über die Essensgäste. „Das sind bestimmt kommunikative Leute, die bei einem solchen Event mitmachen“, sagt er. Sein Anreiz mitzumachen: neue Gerichte probieren und andere Wohnungen sehen. „Ich finde es spannend zu sehen, wie manche so leben.“

Nach einem Himbeer-Tiramisu in der Altstadt geht es um 22.30 Uhr weiter zur Aftershow-Party ins Mälzer an der Heiligengeiststraße. Dort wartet zwar nicht, wie angekündigt, die Band „Donkey Shot“, dafür aber ein lauschiger, geselliger Abend mit allen Teilnehmern.

Die jüngeren und älteren Jahrgänge ziehen ein Fazit: „Das war einfach super“, sagt Hiltrud Güse, „und hochinte­ressant, sich mit den Studenten auszutauschen.“ Das sieht auch Marcus Zimmer so, den es gefreut hat, bis zum Mälzer fast alle Teilnehmer schon getroffen zu haben. „Wir haben fleißig Kontakte geknüpft. Für viele kann es hilfreich sein, wenn sie noch neu in Lüneburg sind.“ Und die Nacht hat gezeigt: Die Mittzwanziger werden früher müde als die Mittfünfziger. Aber alle wollen unbedingt beim nächsten Running Dinner wieder dabei sein.