Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Kleingarten-Idylle am Kreideberg: Corinna (r.) und Jörg Semmelhack (l.) genießen ihr neues Gartenglück mit Laube und den Austausch mit Klaus Behrend und Antje Ackermann vom Vereinsvorstand. Foto: t&w
Kleingarten-Idylle am Kreideberg: Corinna (r.) und Jörg Semmelhack (l.) genießen ihr neues Gartenglück mit Laube und den Austausch mit Klaus Behrend und Antje Ackermann vom Vereinsvorstand. Foto: t&w

Ein Gartentraum in Pink

us Lüneburg. Irgendwann war der kleine Balkon in der Hindenburgstraße einfach zu voll. „Wir hatten keinen Platz mehr, überall standen Töpfe“, erzählt Corinna Semmelhack. Deshalb machten sie und ihr Mann Jörg sich vor gut einem Jahr auf die Suche nach einem Garten. „Wir kommen beide vom Land, das hat uns schon immer gelockt.“ Ihren Traumgarten fanden sie schließlich in der Kleingartenkolonie Kirchsteig. Am kommenden Sonnabend feiern sie mit ihren Nachbarn in der Kolonie den 80. Vereinsgeburtstag, unter anderem wird Spanferkel serviert.

Corinna und Jörg Semmelhack wohnen auf dem Kreideberg, haben es also nicht weit bis zu ihrem Garten mit der pinkfarbenen Laube, die im Innern immer noch ein wenig nach Baustelle aussieht. Mehrere Kolonien im Stadtgebiet hatten sie sich angeschaut, auch mal über eine Gartenbeteiligung nachgedacht. Eine Parzelle am Moldenweg war ebenfalls nicht das Richtige — keine Herausforderung sei die gewesen, fand Corinna Semmelhack. Eigenes schaffen statt Bestehendes zu übernehmen, lautete ihr Credo.

Die 520 Quadratmeter große Parzelle in der Kolonie Kirchsteig kam wie gerufen. „Außer den wunderschönen Bäumen war da nichts, nur Fläche und die Laube“, schwärmt die Kleingärtnerin. Ein alter Kirschbaum hatte es ihrem Mann, der im Alten Land aufgewachsen ist und von sich sagt, er habe einen „obstbaulichen Hintergrund“, besonders angetan. Inzwischen ist der Garten nicht mehr wiederzuerkennen, überall sind kleine Beete, sortiert nach Art der Pflanzen, bestückt mit kleinen Steinen, auf denen Corinna Semmelhack notiert hat, was dort gedeiht — oder auch nicht.
„Das ist einer der größeren Gärten“, sagt Klaus Behrend. Seit knapp anderthalb Jahren ist er Vorsitzender des Kleingärtnervereins. „Wollte ich eigentlich nie werden, aber ein anderer macht es ja nicht“, sagt der 63-Jährige, der viele Jahre zuvor die Kasse des Vereins verwaltet hat.

Neue Ideen sind willkommen

Der Verein wurde am 1. April 1936 gegründet, damals mit 48 Kleingärten. 2,5 Hektar standen zur Erbauung und Bewirtschaftung zur Verfügung. Heute sind es 11,5 Hektar, 238 Parzellen und 250 Vereinsmitglieder, wobei allerdings nicht nicht jeder von ihnen einen Garten hat, „andere aber sogar dreieinhalb, das hat sich so ergeben“, sagt Behrend.

Beliebt ist die Kolonie auch bei Auswärtigen, neben Hamburgern genießt schon seit vielen Jahren eine Berlinerin Parzelle und Atmosphäre auf dem Kreideberg. Überhaupt wird Geselligkeit von vielen geschätzt, auch wenn zuletzt weniger zu den Treffen kämen. Ein paar neue Ideen könnten vielleicht helfen, findet Corinna Semmelhack, sie könnte sich einen Pflanzen-Flohmarkt oder einen Foto-Wettbewerb gut vorstellen. „Da kommt man zusammen“, sagt die gelernte Juristin und Sozialpädagogin, die jetzt als freiberufliche Autorin arbeitet und einen „Garten-Blog“ im Internet schreibt.

Behrend und seine Stellvertreterin Antje Ackermann sind offen für Neues: „Ausprobieren. Neue Ideen sind willkommen.“ Der Verein versucht zum Beispiel auch, Kinder aus der benachbarten Flüchtlingsunterkunft für die Kolonie zu begeistern. Über eine dort lebende Syrerin hat Behrend Kontakt aufgenommen, „wir würden uns freuen, wenn das Angebot angenommen wird“.

Dass zum Koloniefest auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge kommen wird, davon geht Klaus Behrend fest aus. Ein Gesprächsthema hätte er schon: „Er spricht immer viel von der Bedeutung der grünen Lunge hier oben für Lüneburg. Dann sollte er sie auch erhalten“, sagt der Vorsitzende mit Blick auf die Diskussion um das geplante Baugebiet am Wienebütteler Weg. Wie wichtig der Erhalt der Schneise für die Frischluftzufuhr der Stadt ist, haben auch Semmelhacks inzwischen erfahren: „Wenn es unten in der Stadt stickig ist, hier oben ist es immer frisch.“

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