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Größtenteils blitzeblank ist die Zinkfassade des Lüneburger Uni-Zentralgebäudes. Das wird aber nicht lange halten. Foto: t&w
Größtenteils blitzeblank ist die Zinkfassade des Lüneburger Uni-Zentralgebäudes. Das wird aber nicht lange halten. Foto: t&w

Der Glanz der Fassade ist nicht von Dauer

dth Lüneburg. Der architektonische, in der Spitze 37 Meter hohe Diamant glänzt erst, bevor er verroht: Die Zinkfassade des im Bau befindlichen Zentralgebäudes der Universität nach dem Entwurf von Architekt Daniel Libeskind polarisiert und sorgt bei manchen auch immer wieder für Stirnrunzeln. „Mich wundert die ungleichmäßige Gestaltung vor allem der Süd-Fassade“, sagt beispielweise der Melbecker Heinz Kleiske. Er moniert die dunklen Schattierungen in der sonst einheitlichen Fassade, wegen derer sich schon andere Lüneburger an die LZ gewandt hatten. Das ist kein Mangel, sondern gewollt, stellt der bauleitende Architekt Daniel Haarmann deshalb klar.

Zinkfassade polarisiert

In den kommenden Jahren soll die komplette Fassade durch Verwitterung nachgedunkelt sein. Wer das Jüdische Museum in Berlin kenne, ebenfalls ein Libeskind-Entwurf mit Zinkfassade, den wundere das nicht, sagt auch Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff. Wer sich hingegen stets an den glänzenden Versprechen der Computergrafiken des geplanten Audimax erfreut hat, dürfte dann womöglich enttäuscht sein.

Damit klärt sich auch die Frage von Kleiske, der wissen will „Ist das Murks oder Kunst am Bau?“ Es ist Letzteres. Dabei mutmaßte der Melbecker zunächst noch, dass an der Audimax-Ostseite, parallel zur Uelzener Straße, bereits Fassadenteile erneuert worden seien und deshalb wieder blitzeblank glänzen. Tatsächlich sind die noch glänzenden Fassadenteile nur später aufgebracht worden. „Da wurde nichts erneuert“, sagt Haarmann von „rw+ Architekten“. „Das ist eine nacheloxierende Fassade. Es handelt sich um ein nicht beschichtetes Zink, naturbelassen, und mit der Zeit dunkelt das nach. Das kann man an zwei Fassaden ganz gut sehen. Das dauert ungefähr rund drei Jahre, bis alles relativ einheitlich nachgedunkelt ist.“

Blick nach Berlin lohnt sich

Um eine Idee davon zu bekommen, lohnt sich ein Blick zum Jüdischen Museum in Berlin. Der dortige Organisationsdirektor Bülent Durmus sagt: „Wenn Sie wollen, dass der Zink noch in zehn Jahren blinken soll, dann müssen Sie einen Graffitischutz aufbringen.“ In Berlin sei das 1997 zumindest an der unteren Hälfte der Museumsfassade auf Initiative der Stadt geschehen. Der Schutz wurde laut Durmus bis zu einer Höhe von rund sechs Metern den Fassadenpanelen folgend im Zickzack auf dem Zink aufgetragen. Durmus: „Damit ist dort die Verwitterung aufgehalten worden, sieht noch fast wie der Originalzustand aus. Im oberen Teil ist die Fassade matter und stumpfer.“

Ein kompletter Schutz für das Lüneburger Zentralgebäude ist nicht vorgesehen. Somit entsteht auch kein Gebäude mit dem dauerhaften Glanz eines Edelsteins, wie Visualisierungen im Vorfeld manch einen wohl hatten träumen lassen, sondern ein Gebäude, das später bei direkter Sonneneinstrahlung eher grau schimmert.

One comment

  1. Blick nach Berlin lohnt sich…

    … Hauptgründe für das Debakel sind demnach „mangelnde Kontrolle“ und „kollektiver Wirklichkeitsverlust“, so der Abschlussbericht des Berliner Untersuchungsausschusses zum BER.