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56 neue Jungstörche wurden im linkselbischen Bereich des Landkreises gezählt. Im Verhältnis zur Rekordzahl an Brutpaaren sind das nicht viele. Storchenbetreuer Hubert Horn spricht von einem unterdurchschnittlichen Jahr für den Nachwuchs. Foto: be
56 neue Jungstörche wurden im linkselbischen Bereich des Landkreises gezählt. Im Verhältnis zur Rekordzahl an Brutpaaren sind das nicht viele. Storchenbetreuer Hubert Horn spricht von einem unterdurchschnittlichen Jahr für den Nachwuchs. Foto: be

Nachwuchssorgen bei Störchen

emi Lüneburg. Die Voraussetzungen für ein gutes Storchenjahr 2016 waren ideal. Noch im Mai hatte Hubert Horn, Storchenbeauftragter im linkselbischen Bereich, voller Freude einen Rekord vermeldet: 41 Brutpaare hatten sich in diesem Jahr im Norden und Osten von Lüneburg, zwischen Neu Darchau und Winsen, angesiedelt — so viele wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Doch die Freude ist inzwischen der Ernüchterung gewichen, denn die Nachwuchsbilanz fällt mager aus.

Mindestens 70 Küken sind in diesem Jahr im linkselbischen Bereich geschlüpft, überlebt haben bisher 56. Das sind in Summe zwar nicht viel weniger Jungstörche als in den Vorjahren, negativ ist aber ihr Verhältnis zur Rekordzahl an Brutpaaren. In diesem Jahr bleibt jedes dritte Brutpaar — nämlich 14 von 41 — ohne flügge Jungen. „Das könnte daran liegen, dass ein Teil sich noch nicht im brutfähigen Alter befunden hat“, sagt Hubert Horn. Der Experte geht aber davon aus, dass weitere Faktoren die Nachwuchsbilanz verhagelt haben.

Verzögerte Ankunft der Ostzieher

Eine große Rolle spielt für Horn „die verzögerte Ankunft der Ostzieher“: Viele erwachsene Tiere seien dieses Jahr erstaunlich spät und wahrscheinlich in schlechtem Ernährungszustand aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt. Zum Eierlegen fehlten manchen wohl die Kräfte. Hinzu kommt, dass durch die späte Ankunft viele Nester bereits von Westziehern belegt gewesen seien. Das habe zu Revierkämpfen geführt — Gelege oder auch Küken wurden aus dem Nest geworfen.

Krankheiten könnten ebenfalls einige junge Störche das Leben gekostet haben, sagt Horn. Feuchtwarme Gewitterluft habe den Pilzbefall in den Gräsern der Nestauspolsterung gefördert. „Die Jungen liegen zeitweise flach im Nest und atmen die Pilzsporen ein“, erklärt der Experte. Einige Küken seien vermutlich an Pilzinfektionen der Lunge verendet.

Der Regen habe in der Region keine entscheidende Rolle gespielt: „Gefährlich wird es nur bei Starkregen und niedrigen Temperaturen oder bei lang andauernden Regenfällen“, sagt der Storchenbeauftragte im linkselbischen Bereich. „In diesen Fällen verkühlen sich die Jungen und bewegen sich wenig. Wenn die Alten ihre Jungen für tot halten, werfen sie sie aus dem Nest oder schlucken sie runter.“

Wie viele Storchenkinder tatsächlich durchkommen, wird sich erst Ende August zeigen — dann sind auch die Nachzügler flügge. Doch schon jetzt spricht Hubert Horn von einem „unterdurchschnittlichen Jahr für den Nachwuchs“. Dabei waren die Voraussetzungen doch so gut gewesen…