Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Auch in Gellersen waren RuheForst und Landwirtschaftskammer mit ihrem Projekt gescheitert. Am Standort Hambörn in Südergellersen betreibt seit April die Samtgemeinde Gellersen einen kleineren Bestattungswald in Eigenregie. Foto: t&w
Auch in Gellersen waren RuheForst und Landwirtschaftskammer mit ihrem Projekt gescheitert. Am Standort Hambörn in Südergellersen betreibt seit April die Samtgemeinde Gellersen einen kleineren Bestattungswald in Eigenregie. Foto: t&w

Ruheforst in Diersbüttel gescheitert

dth Diersbüttel. Der geplante Bestattungswald bei Diersbüttel in der Samtgemeinde Amelinghausen ist vorerst gescheitert. In nichtöffentlicher Sitzung sprach sich der Verwaltungsausschuss der Samtgemeinde dafür aus, die Reißleine zu ziehen. Zuletzt hatte die Samtgemeinde dem privaten Betreiber „RuheForst“, vertreten durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), sowie der Eigentümerfamilie ein Ultimatum gesetzt. Sie sollten sich bis Ende Juni zu offenen Forderungen der Samtgemeinde erklären vergeblich. Das Projekt war aber schon vorher tot, heißt es aus Verhandlungskreisen. Zentrale Diskussionspunkte waren die Erschließung des Bestattungswaldes sowie die Haftung und Risikoabsicherung über die Laufzeit von 99 Jahren.

Die Verhandlungen waren schon weit fortgeschritten. In Rede stand, ein rund zehn Hektar großes Wald-Areal bei Neu Diersbüttel in der Gemeinde Rehlingen schrittweise zu einem Bestattungswald herzurichten. Doch nun ist alles anders gekommen. Auf LZ-Nachfrage sagt Amelinghausens Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker (parteilos): „Ich hätte gerne den Bestattungswald bei uns gehabt. Ich bin von der Sache überzeugt, aber nicht unter diesen Bedingungen.“

Den Verwaltungschef trieb zuletzt auch die Haftungsfrage um in der Konstellation von Eigentümerfamilie, „RuheForst“ als Betreiber und der Samtgemeinde als Träger. „Am Ende kann sich jeder aus dem Projekt verabschieden, nur die Samtgemeinde nicht.“ Der Eigentümer kann insolvent gehen, auch die RuheForst könnte innerhalb von 99 Jahren theoretisch in betriebliche Turbulenzen kommen. Nur die Samtgemeinde wäre als Friedhofsträger gesetzlich verpflichtet, das Projekt mit eigenem Geld fortzuführen. Für so einen Fall habe Völker angeregt, dass Eigentümer und Betreiber einen Teil ihres jährlichen Erlöses in einen Sicherungsfonds einzahlen. Doch RuheForst und LWK haben sich laut Völker nicht darauf eingelassen.

Jost Arnold, Geschäftsführer der RuheForst GmbH mit Sitz im hessischen Erbach, sagt auf LZ-Nachfrage: „Wir sind nur Dienstleister. Eine Haftungssicherung gegenüber von Ruheforst wäre nicht sinnvoll. Infrastrukturleistungen und Verkehrssicherungspflicht hängen an Grund und Boden und sind somit Sache des Flächen­eigentümers.“ Mit Blick auf die zurückliegenden Verhandlungen verweist Arnold auf die Landwirtschaftskammer Niedersachen, die die Interessen von RuheForst vor Ort vertritt.

Die LZ hatte bereits vor Wochen den Projekt-Verantwortlichen bei der Landwirtschaftskammer schriftlich um Stellungnahme gebeten und keine Antwort erhalten. Auf erneute Anfrage bei der LWK hieß es gestern, dass eine Stellungnahme zur Sache nicht möglich sei, die zuständigen Mitarbeiter seien nun im Urlaub. Aber die Flächeneigentümer beziehen Stellung, die der Gemeinde einen „Schlingerkurs“ vorhalten. Völker hingegen spricht von „klaren Botschaften“.

Doch es sei die „erratische Verhandlungsführung“ des Samtgemeindebürgermeisters gewesen, die bei den Eigentümern zum Umdenken geführt habe, sagt Dr. Ties Möckelmann, Sprecher der Eigentümerfamilie. „Wir waren uns schon in den Grundzügen einig. Doch dann gewannen wir den Endruck, dass unter dem nahen Ende der Verantwortung von Herrn Völker keine langfristige Entscheidung zum RuheForst mehr gefällt werden soll.“ Insofern hätte die Kommune auch kein Ultimatum stellen können, da aus Sicht der Eigentümer das Thema bereits beerdigt war. Möckelmann betont, dass es keinen Streit gegeben habe, die Gespräche seien stets sachlich verlaufen. Nur hätte die Samtgemeinde irgendwann mit ihren Forderungen den Rahmen verlassen, der sonst an 63 RuheForst-Standorten üblich sei.

Hingegen sagt Völker: „Ich verstehe, dass in dem Punkt der Risikoabsicherung auch RuheForst Ruhe haben und mit uns keinen Präzedenzfall schaffen möchte. Ich habe aber kein Verständnis dafür, dass sich andere Bürgermeisterkollegen auf die fehlende Risikoabsicherung einlassen.“ Etwas anderes sei es beim Bestattungswald von „Friedwald“, so Völker: „Dahinter stehen die Landesforsten und das Land Niedersachsen als verlässlicher Partner.“

Selbst wenn die Haftungsfrage zu beiderseitigem Einvernehmen geklärt worden wäre, hätte noch die Erschließungsfrage im Raum gestanden. Sowohl Samtgemeinde und Anwohner waren gegen eine Erschließung durch die Wohnsiedlung, stattdessen sollte die Zuwegung im nördlichen Bereich über den alten Heideweg erfolgen.

Zuletzt war ein „RuheForst“-Projekt bei Heiligenthal in der Samtgemeinde Gellersen gescheitert. Nach langen Diskussionen hatte Gellersen schließlich einen wesentlich kleineren Bestattungswald in Eigenregie im Südergellerser Hambörn eingerichtet, ohne LWK und RuheForst als Partner. LWK-Sprecher Walter Hollweg sagt: „Es ist zu Bedauern, dass diese Projekte, die mit Kraft und Ausdauer vorangetrieben wurden, am Ende scheitern sollten.“

2 Kommentare

  1. magnusausonius

    Es ist überhaupt nicht zu bedauern, dass diese Projekte scheitern… Im Gegenteil. Der ganze „Waldbestattungshype“ ist nur eine Masche von gewinnorientierten Betreiberfirmen und der betroffenen Waldeigentümer, die auf Kosten der Gemeinden Kasse machen wollen. Denen dann aber das Geld fehlt, ihre Friedhöfe in öffentlicher Trägerschaft angemessen und gebührenfreundlich zu unterhalten.
    Tote gehören auf einen Friedhof. Man verscharrt sie nicht unter Bäumen im Wald, um Beerdigungskosten oder die Pflege der Gräber zu sparen. Die Entwicklung hat mit den „romantischen“ Vorstellungen von zwitschernden Vögeln in sonnendurchfluteten Wäldern, wie sie die Betreiberfirmen gerne vermitteln möchten, nichts gemein, sondern ist lediglich Ausdruck einer Ich-bezogenen Grundhaltung einer Gesellschaft, die christliche Tugenden, wie das aktive und tätige Gedenken an die Vorfahren durch die Pflege ihrer Gräber nicht mehr für wichtig hält.

  2. Grimme Bärbel

    Ich kann dem nur zustimmen. Die Friedhofskultur wie mit Füßen getreten und unsere Bestatter werden auch noch dafür bezahlt.
    Alle Aussagen wie z.B. keine Zeit, Platzmangel, Kosten, ist alles Schwachsinn. Man belügt die Menschen und das muss untersagt werden.
    Die einzigen die sich damit bereichern sind die Kommunen und die Bestatter werden auch schon dafür bezahlt.
    Nur, wie kann man sich dagegen wehren ?