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Auch im Buscher Berg in Hittbergen wird jetzt ein Wildschongebiet eingerichtet. Künftig dürfen hier Hunde ganzjährig nur noch an der Leine geführt werden. Foto: cw
Auch im Buscher Berg in Hittbergen wird jetzt ein Wildschongebiet eingerichtet. Künftig dürfen hier Hunde ganzjährig nur noch an der Leine geführt werden. Foto: cw

Das ganze Jahr Leinenzwang

cw Scharnebeck. Des einen Freud des anderen Leid. Das Thema Hund und Jagd spaltet die Gemüter landkreisweit. Vor allem, wenn es um die Ausweisung von Wildschongebieten geht, in denen Hunde ganzjährig an der Leine zu führen sind, soweit sie nicht zur Jagdausübung eingesetzt werden. Während viele Jäger sich darüber beschweren, dass Hundebesitzer ihre Vierbeiner frei laufen lassen, behaupten verantwortungsvolle Hundebesitzer das Gegenteil. Jetzt gibt es weiteren Diskussionsstoff in Hittbergen: Der Samtgemeinderat Scharnebeck hat für die Gemarkung Buscher Berg die Einrichtung eines neuen Wildschongebietes beschlossen mit 16 Ja- gegen acht Nein-Stimmen.

Die Ratsdebatte über das Wildschongebiet verlief kon­trovers: „Wir haben immer mehr Menschen, aber ich kann kaum glauben, dass sie sich nun alle nach Hittbergen drängen“, sagte Andreas Köhlbrandt (SPD) über das auch bei Spaziergängern beliebte Waldgebiet Buscher Berg. Köhlbrandt weiter: „Wer soll das überhaupt kontrollieren?“ Karin-Ose Röckseisen (FDP) antwortete: „Das wird wohl darauf hinauslaufen, dass die Jäger das tun.“ Sie warnte davor, „sich leichtfertig vor den Karren der Jäger spannen zu lassen.“ Hittbergens Bürgermeister Alfred Ritters (CDU) bezeichnete die Ausweisung des Wildschongebiets als sinnvoll, während seine Kollegin Inge Heesen erklärte: „Das ist doch gesellschaftliche Schizophrenie, wenn wir alles tun, um den Wolf hier anzusiedeln und dann den Hund aussperren.“ Auch Christdemokrat André Feit sieht das Wildschongebiet eher kritisch: „Wir können den Menschen nicht aus der Natur aussperren, das ist der falsche Weg.“

Schutz für die Wildtiere

Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (CDU) erklärte daraufhin, dass die Menschen nicht ausgesperrt würden, sondern weiterhin hier spazieren gehen könnten nur eben mit angeleinten Hunden. „Die Kontrolle des ganzen werden die Jäger natürlich nicht übernehmen, das wäre ja noch schöner“, sagte Gerstenkorn: „Allerdings werden sie wahrscheinlich viele Verstöße zur Anzeige bringen.“

Aus Sicht der Jäger ist das Wildschongebiet im Buscher Berg in Hittbergen notwendig. „Es ist das einzige Wäldchen weit und breit, in dem das Wild Schutz suchen kann“, erklärte der Vorsitzende der Jägerschaft Lüneburg, Torsten Broder, auf LZ-Nachfrage. Wenn dann freilaufende Hunde stöbern, würden sie die Tiere auch in ihrem letzten Refugium aufscheuchen. „Ganz in der Nähe ist das Biosphärenreservat, da müssen Hunde auch ganzjährig angeleint sein, das ist nichts anderes!“ Broder betonte, die Jäger wollten keine unnötigen Einschränkungen für das Betreten des Waldes, sondern vielmehr die Aufmerksamkeit der Menschen für diese Rückzugsgebiete wecken. „Ich lasse meinen Hund auch nicht laufen“, sagte er. „Das ist eine Frage der Rücksichtnahme.“

Elena Gibellini aus Neetze, Hundeerzieherin und Verhaltensberaterin, sieht Vor- und Nachteile in der Ausweisung solcher Schongebiete. „Der Nachteil ist, dass unverantwortliche Halter weitermachen wie bisher da werden auch Kontrollen wenig ändern“, glaubt die Expertin. „Andererseits ist es auch eine gute Übung: Hund und Halter können hier vertiefen, was sie in der Hundeschule gelernt haben, nämlich entspannt an der lockeren Leine spazieren zu gehen,“ nennt die Hundeerzieherin einen positiven Effekt.“

Für Gibellini ist es vor allem eine Frage der Einstellung: „Laufen ist nicht alles, wer konsequent mit seinem Hund arbeitet, braucht keinen Freilauf im Wald.“ Sie wünscht sich, das Jäger und private Hundehalter mehr mit einander ins Gespräch kommen statt zu polarisieren. Das sei schließlich auch ganz im Sinne der Hunde.

One comment

  1. diese debatte ist und bleibt eine verlogene. kein jäger ,kein politiker und somit auch kein gesetzesgeber kann belegen, was hunde anrichten, wenn sie nicht an der leine sind. es gibt nicht mal eine relevante statistik , die belegt, wie viele tiere unter freilaufende hunde zu leiden haben. das tiere leiden, sollte bekannt sein. kücken schreddern gehört ja laut gericht auch zum tierschutz. da hundebesitzer ohne lobby sind, haben diese es schwer, obwohl sie für über hunderttausend arbeitsplätze in deutschland sorgen. schweizer wissenschaftler belegen den unsinn der deutschen jägerschaft und deren lobbyarbeit für gesetze. politiker kommen hoch zu ross, sind selbst aber auf den hund gekommen. wer die jägerei abschafft, tut etwas für die umwelt. der mensch verhält sich dann im wald normal und die tiere auch. volksverdummung wird von bobbyisten auf die spitze getrieben.