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Der Totengrund ist neben der Wilseder Höhe das Großartigste, was die Heide zu bieten vermag, hieß es schon vor gut 100 Jahren. Foto: A/Haase
Der Totengrund ist neben der Wilseder Höhe das Großartigste, was die Heide zu bieten vermag, hieß es schon vor gut 100 Jahren. Foto: A/Haase

Die Urzelle des Naturparks Lüneburger Heide

dth Wilsede. „An drei Stätten tönt die Seele Niedersachsens am vernehmlichsten, oben im Brausen der See, unten in der Gewalt des Brockenfeldes und dann in der göttlich erhabenen Stille um Wilsede, am Totengrund …“, reihte 1950 ein LZ-Autor das Heideidyll in die Sehnsuchtslandschaften ein. Der Totengrund gilt gemeinhin als eine Urzelle des ersten Naturschutzparks in Deutschland. Dass diese Perle der Lüneburger Heide nicht einst Grundstücksspekulanten zum Opfer fiel, verhinderte vor 110 Jahren Professor Andreas Thomsen aus Münster auf Vermittlung von Heidepastor Wilhelm Bode. Die private Initiative zum frühen Grunderwerb war eine Voraussetzung für das spätere Naturschutzgebiet Lüneburger Heide.

Pastor Bode war einer der Initiatoren bei der Einrichtung eines Schutzgebietes. Foto: A/nh
Pastor Bode war einer der Initiatoren bei der Einrichtung eines Schutzgebietes. Foto: A/nh

Auf dem Aussichtsplateau über dem Totengrund erinnert noch heute ein Gedenkstein an die Pioniertat mit der Aufschrift: „Professor Dr. Andreas Thomsen sicherte 1906 durch Vorkauf den Totengrund für den VNP und damit für die Nachwelt.“ Wilhelm Bode, gebürtiger Lüneburger und Egestorfer Pastor, hatte den Münsteraner Universitätsprofessor Thomsen einst durch einen glücklichen Zufall kennengelernt, heißt es. Beide verband der Sinn für die aufkeimende Heimatbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts. Bereits in den Jahrzehnten zuvor hatten immer mehr private Landbesitzer ihre ertraglosen Heideflächen in ertragbringende Kiefernwälder umgewandelt, beschreibt Rolf Lüer in „Geschichte des Naturschutzes in der Lüneburger Heide“ die damalige Entwicklung. Immer mehr Heideflächen drohten zu verschwinden.

Verschonung von Wilseder Berg und Totengrund

Die Zeitschrift „Niedersachsen“, Blatt der Heimatbewegung, veröffentlichte 1902 einen „Mahnruf an die Freunde der Heide“, forderte unter anderem die Verschonung von Wilseder Berg und Totengrund. Einen Verbündeten hatte Bode seinerzeit auch in dem Winsener Landrat Fritz Ecker. Sie bemühten sich, von der Provinz Hannover ausreichend Mittel für den Ankauf von Flächen am Wilseder Berg zu erhalten, zunächst vergeblich. Parallel war Privatinitiative gefragt. Und da kam Professor Thomsen ins Spiel.

Von Thomsen der 1902 an die neugegründete juristische Fakultät der Uni Münster als Strafrechtslehrer berufen wurde wird berichtet, dass er schon früh einen Sinn für Naturschönheiten entwickelte und gefährdete Grundstücke, wenn sie anders nicht zu retten waren, gekauft habe, schreibt Lüer. Im Mai 1905 sagte Thomsen Bode zu, das Geld für einen Ankauf des Totengrunds bereitzustellen. Die Kaufverhandlungen zogen sich bis ins Jahr 1906 hin. Am 14. Juli wurde Thomsen als Eigentümer eingetragen für 6000 Goldmark.

Lotterien sichern Heideflächen

Der Totengrund sowie das von Bode eingerichtete Bauernmuseum in Wilsede waren eine attraktive Mitgift, als Pastor Bode und Landrat Ecker beim noch jungen Verein Naturschutzpark (VNP) für die Einrichtung eines Schutzgebietes in der Lüneburger Heide warben. Der von Dr. Curt Floe­ricke initiierte VNP war nach seiner Gründung 1909 in München bei seinem ersten Versuch gescheitert, einen Park in den Alpen einzurichten. In diese Lücke stießen nun Bode und Ecker vor. Sie hatten die Naturschutzinitiative des Stuttgarter Kosmos-Verlags zum Anlass genommen, bei der ersten Hauptversammlung des VNP im Jahr 1910 für ihr Anliegen in der Heide zu werben. Mit Erfolg.

Auch Dank der Vermittlung durch Ecker, der 1908 bis 1918 Mitglied des Preußischen Abgeordentenhauses war, gab es weitere finanzielle Zusagen aus Hamburg und Bremen für den neuen Naturschutzpark. Kaiser Wilhelm II. stellte zudem die Genehmigung von Lotterien in Aussicht. Damit finanzierte der VNP 1910 den Ankauf von Heideflächen um den Wilseder Berg. Später übernahm er auch den Totengrund aus dem Besitz von Thomsen. Die Mittel aus Spenden, Lotterie-Einnahmen und staatlichen Zuschüssen flossen so reichlich, dass sich bereits 1914 die Grenzen für ein künftiges Großreservat abzeichneten. 1921 wurde das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide erstmals gesetzlich festgeschrieben. Heute wacht der VNP über mehr als 5200 Hektar Heideflächen. Und mittendrin der Totengrund.