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Zahlreiche Bäume mussten für den Bau von Wohnungen an der Soltauer Allee weichen. Jetzt prüft der Landkreis, ob die Fällung zulässig war. Foto: us
Zahlreiche Bäume mussten für den Bau von Wohnungen an der Soltauer Allee weichen. Jetzt prüft der Landkreis, ob die Fällung zulässig war. Foto: us

Es ist vorbei mit der Eintracht

us Lüneburg. Thomas Garske ist über seine künftigen Nachbarn nicht erfreut. Die kennt er zwar noch nicht, wohl aber den Eigentümer des Geländes, das unmittelbar an das Grundstück des Lüneburgers anschließt. Wo sich zurzeit noch Hase und Igel gute Nacht sagen, auf dem früheren Sportplatz der SV Eintracht Lüneburg an der Soltauer Allee, will Bauunternehmer Otto Kröger mehrere Wohnungen errichten. Das Problem: Sie sollen dichter als ursprünglich geplant an Garskes Grundstück heranrücken. Als der Bauunternehmer jetzt auch noch Bäume fällen ließ, lief das Fass bei Thomas Garske über. Bauunternehmer Otto Kröger bedauert die Fällung inzwischen.

„Asche auf mein Haupt, das hätte ich nicht tun dürfen“, sagt Kröger. Zwar hatte der Seniorchef des Lüneburger Bauunternehmens Kröger & Kröger extra in die geltende Baumschutzsatzung geschaut, nicht aber berücksichtigt, dass er die Fällaktion während der Brut- und Setzzeit besser hätte unterlassen sollen. „Laut Baumschutzsatzung wäre alles okay gewesen, an die Brut- und Setzzeit aber habe ich leider nicht gedacht.“

Auf dem Grundstück sollen bis zu 15 Wohnungen entstehen

Fällen ließ Kröger, weil er endlich Baufreiheit für sein Vorhaben an der Soltauer Allee schaffen wollte. Auf dem 4000 Quadratmeter großen Grundstück sollen bis zu 15 Wohnungen entstehen, davon fünf Sozialwohnungen, „das habe ich so mit dem Oberbürgermeister vereinbart“, sagt Kröger. Ob die 15 Wohnungen tatsächlich kommen oder es am Ende weniger werden, ließ Kröger auf Nachfrage offen, die fünf Sozialwohnungen soll es aber in jedem Fall geben „ich habe ein soziales Herz“.

Das sieht Thomas Garske anders. Er wohnt in der Soltauer Allee 9 und beklagt nicht nur, dass ausgerechnet vor seinem Haus zweigeschossige Gebäude hochgezogen werden sollen, während im Übrigen nur eingeschossig geplant werde. Vor allem aber wundert er sich über die genehmigte Bautiefe von 49,30 Meter, „ursprünglich war mal von 30 Metern die Rede“.

„Das stimmt“, sagt Kröger, der aber nach genauer Prüfung seine Bauvoranfrage an die Stadt noch einmal nachgebessert habe. Denn hinsichtlich der Bautiefe orientiere man sich an der vorhandenen Bebauung in unmittelbarer Nachbarschaft, und das seien nun einmal die Gebäude, zu denen auch das Haus von Garske zähle. „Gleiches Recht für alle“, findet Kröger.

Stadt bestätigt die Zulässigkeit der größeren Bautiefe

Die Stadt bestätigt die Zulässigkeit der größeren Bautiefe, begründet die vorgenommene Änderung aber mit dem Charakter der Stichstraße, an der die Grundstücke Soltauer Allee 5 bis 11 liegen. Pressesprecher Daniel Gritz: „Würde es sich um eine öffentliche Stichstraße handeln, würde sich die Bautiefe auf dem zu bebauenden Grundstück an dem Reihenhaus auf der anderen Straßenseite der Soltauer Allee orientieren, das mit 30 Metern die größte Bautiefe in der näheren Umgebung hat. Da es sich jedoch um eine private Stichstraße handelt, stellt die Soltauer Allee die öffentliche Erschließung dar. Gemessen wird jetzt nicht mehr quer, sondern von der Soltauer Allee aus bis zur Hinterkante des Gebäudes mit der Hausnummer 11, und das sind genau 49,30 Meter.“

„Ich halte die Vorschriften ein“, bekräftigt Otto Kröger. Dass die Nachbarn von dem Bauvorhaben „nicht gerade begeistert“ seien, könne er verstehen. Deshalb suche er auch immer das Gespräch. Dazu sei er auch mit Thomas Garske bereit, „obwohl ich den Stil nicht gut finde“. Für seinen Stil, einfach die Bäume fällen zu lassen, werde er nun selbst noch etwas „zwischen die Hörner kriegen“, wie er sagt. Der Landkreis habe sich diesbezüglich bereits bei ihm gemeldet. Ob die Fällung aber tatsächlich unzulässig war, müsse laut Wolfram Kallweit, Fachbereichsleiter Ordnung und Umwelt des Landkreises, erst noch geprüft werden.

Die SV Eintracht hatte das Areal im vergangenen Jahr verkauft, um mit dem Erlös seine damit etwas kleiner gewordene Anlage aufpeppen zu können.

Was in der Brut- und Setzzeit zu beachten ist

Laut § 39 Bundesnaturschutzgesetz gilt vom 1. März bis 30. September die Brut- und Setzzeit. In dieser Zeit ist unter anderem verboten,

Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen.

Von diesem generellen Verbot sind aber Ausnahmen möglich. Dazu zählen unter anderem
behördlich angeordnete Maßnahmen,

Maßnahmen, die im öffentlichen Interesse nicht auf andere Weise oder zu anderer Zeit durchgeführt werden können, wenn sie a) behördlich durchgeführt werden, b) behördlich zugelassen sind oder c) der Gewährleistung der Verkehrssicherheit dienen,

zulässige Bauvorhaben, wenn nur geringfügiger Gehölzbewuchs zur Verwirklichung der Baumaßnahmen beseitigt werden muss.