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Die Lüneburger Koordinatoren der Ausbildungsbrücke (v.l.): Heinrich Bär, Gerhard Müller, Bernd Wald, Axel Schulz und Claus Petersen. Foto: kre
Die Lüneburger Koordinatoren der Ausbildungsbrücke (v.l.): Heinrich Bär, Gerhard Müller, Bernd Wald, Axel Schulz und Claus Petersen. Foto: kre

Wege ins Berufsleben

kre Adendorf. Es ist eine muntere Herrenriege, die sich im Garten von Heinrich Bär in Adendorf versammelt hat. Fünf gestandene Männer im gesetzten Alter. Deshalb aber vom einem Rentner-Treffen zu sprechen, wäre wohl mehr als despektierlich. Erfahrung und geballte Kompetenz trifft es eher. Denn die fünf Männer, ehemalige Führungskräfte und Unternehmer, engagieren sich für die „Ausbildungsbrücke“. Ehrenamtlich, ohne Bezahlung versteht sich. Ursprünglich in Berlin ins Leben gerufen, gibt es diese Initiative seit 2011 auch in Lüneburg. „Mit großem Erfolg“, freut sich Bernd Wald, der von Anfang an mit viel Engagement dabei ist. Ziel der Ausbildungsbrücke ist es, Schüler und Jugendliche auf dem Weg von der Schule ins Berufsleben zu unterstützen — mit Hilfe von ehrenamtlichen Paten. Menschen mit Berufs- und Lebenserfahrung und der Bereitschaft, Neues zu lernen und Jugendlichen zu helfen.

So wie die fünf Männer, die zum Pressetermin gebeten haben, um die Ausbildungsbrücke vorzustellen. Heinrich Bär (67) etwa arbeitete lange Jahre als Personalleiter in großen Industrieunternehmen und ist noch immer als Dozent unterwegs. Bernd Wald (72) war selbstständiger Unternehmer, Claus Petersen (63) arbeitete als Banker, Axel Schulz (59) war Führungskraft in einem Versicherungs-Unternehmen und Diplom-Ingenieur Gerhard Müller (61) war bei der Telekom tätig. Fünf unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Biografien, die eine Aufgabe eint: Jugendliche eine individuelle Betreuung auf dem Weg zu einer beruflichen Perspektive zu bieten. Das machen die fünf nicht alleine, sondern zusammen mit 73 weiteren ehrenamtlichen Paten. Männer und Frauen, die zurzeit 123 Schülerinnen und Schüler betreuen.

„Wir stellen uns in den jeweiligen Schulen etwa zwei Jahre vor Schulende vor“, erklärt Bär das Prozedere und macht dabei auf eine Besonderheit aufmerksam: „Nicht wir, die Lehrer oder die Eltern suchen den Paten für den Jugendlichen aus, sondern dieses Signal muss vom Schüler selbst kommen.“ Denn nur dann könne ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen dem Jugendlichen und dem ehrenamtlichen Paten entstehen. „Was zwischen Paten und Schüler besprochen wird, das bleibt in diesem Kreis und wird nicht nach außen getragen“, betont Heinrich Bär, und Axel Schulz ergänzt: „Wir treten nicht als Lehrer auf. Wir setzen auf Dialog, nicht auf Frontal-Ansprache wie in der Schule.“ Das Geheimnis des Erfolgs beschreibt Heinrich Bär, der selbst lange Jahre ehrenamtlich als Schiedsrichter unterwegs war, so: „Das ist ähnlich wie beim Fußballspiel. Der Trainer beobachtet, analysiert, entwickelt Strategien, macht auf Schwächen und ungenutzte Stärken aufmerksam und drängt zum Erfolg.“ Nicht viel anders würden auch die Paten arbeiten. „Die Stärken stärken und die Schwächen schwächen“, ist unser Motto, sagt Gerhard Müller.

„Persönlichkeitsentwicklung“, nennt es Axel Schulz. Das beginne mit der Reflexion der persönlichen Situation über das Herausarbeiten von Interessen, Erfahrungen und Hobbies bis hin zur Umsetzung des Berufswunsches. Und wenn dann doch eine Absage im Briefkasten landet, dann gehört auch die Ursachenanalyse mit zur Patenarbeit. Das ist mit Zeitaufwand verbunden. „Aber die Mühe lohnt, sagt Schulz: „Es ist schön, Jugendlichen zu helfen und ihre Entwicklung zu verfolgen.“ Nähere Infos gibts bei Heinrich Bär (Tel. 04131/18457) oder im Internet: www.ausbildungsbruecke.patenmodell.de.