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Ihre berufliche Zukunft in Sumte scheint besiegelt, trotzdem geben Mandy Thoms (vorne), Bettina Sperling (r.) Christin Puchert (2.v.r.) Annalena Sperling (3.v.r), ihr Freund Rami (l.) und Kim-Eyleen Fischer die Hoffnung nicht auf, dass das ehemalige Bürodorf doch weiter für die Flüchtlingsarbeit genutzt werden kann.
Ihre berufliche Zukunft in Sumte scheint besiegelt, trotzdem geben Mandy Thoms (vorne), Bettina Sperling (r.) Christin Puchert (2.v.r.) Annalena Sperling (3.v.r), ihr Freund Rami (l.) und Kim-Eyleen Fischer die Hoffnung nicht auf, dass das ehemalige Bürodorf doch weiter für die Flüchtlingsarbeit genutzt werden kann.

Notunterkunft für Flüchtlinge schließt Türen

kre Sumte. Jetzt stehen keine Fernsehteams am Straßenrand, keine Fotografen und keine Reporter: Sumte, der kleine Ort an der Elbe ist längst wieder aus dem Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt. Die von manchen Journalisten erhofften Schlagzeilen hat Sumte nicht geliefert. Keine fremdenfeindlichen Auswüchse, keine Übergriffe von Flüchtlingen auf die Bevölkerung. Im Gegenteil: Die 102 Sumter und die in Spitzenzeiten mehr als 700 Flüchtlinge in dem zu einer Notunterkunft umgebauten ehemaligen Bürodorf lebten nicht nur friedlich neben-, sondern miteinander. Experiment gelungen mag man sagen allen vorangegangenen Ängsten und Befürchtungen zum Trotz. Die Einrichtung wird in wenigen Wochen dennoch geschlossen, genauso wie die anderen Notunterkünfte in Niedersachsen (LZ berichtete). Was bedeutet diese Entscheidung für Sumte? Für die Menschen vor Ort? Für die Mitarbeiter? Ortstermin mit Betroffenen.

51 Menschen arbeiten zur Zeit noch in der Sumter Notunterkunft, die vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) betreut wird. „In der Hochphase waren wir über 70“, sagt Mandy Thoms, die Leiterin der Einrichtung. Die 38-Jährige hat Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit, hatte auch schon im Erstaufnahmelager Horst bei Boizenburg gearbeitet. Dass Ende Oktober Schluss sein soll in Sumte, können Thoms und ihre Kollegen nicht verstehen. „Offiziell hat uns keiner informiert, was wir wissen, haben wir auch nur aus der Zeitung und vom Hörensagen“, sagt Thoms.

„Ich warte erst einmal ab, ein paar Wochen Hoffnung haben wir ja noch.“
Mandy Thoms (Leiterin der Notunterkunft)

Bis zu 706 Menschen lebten zeitweise in der Unterkunft, Flüchtlinge aus 27 Nationen, mehr als 200 von ihnen Kinder. Jetzt sind es nur noch 24 Personen, die sich auf dem weitläufigen Gelände fast verlieren.

„Die Flüchtlingszahlen sind seit Beginn des Jahres stark gesunken“, sagt Svenja Mischel, Pressesprecherin des Niedersächsischen Ministeriums für Innereres und Sport, und erinnert: „Es war immer klar, dass wir die Notunterkünfte nur zeitlich befristet nutzen werden.“ Bei den beiden Bürgerversammlungen in Neuhaus hatte Dr. Alexander Götz als Beauftragter des Landes betont, man werde das ehemalige Bürodorf in Sumte nur für ein Jahr als Notunterkunft anmieten. Das wollte damals angesichts der Flüchtlingsströme keiner so recht glauben. Schon gar nicht, dass tatsächlich nach einem Jahr Schluss sein soll.

Einige ASB-Mitarbeiter setzen deshalb auf das Prinzip Hoffnung. Zumal es immer noch Flüchtlinge gebe, die in Turnhallen oder ehemaligen Baumärkten untergebracht seien. Hamburg zum Beispiel habe Plätze für Flüchtlinge in Horst in Mecklenburg-Vorpommern angemietet „jetzt wären doch Plätze für Hamburger Flüchtlinge auch in Sumte frei“, gibt Mandy Thoms zu bedenken. Hier gebe es schließlich alles: Man habe sogar extra noch neue „Häuser“ gebaut, um den Flüchtlingen mehr Privatsphäre zu ermöglichen. Die Brandschutzanalage wurde komplett erneuert, die Sanitär- und Kläranlage erweitert. Viel Geld wurde investiert, um das ehemalige Bürodorf für die neue Nutzung als Notunterkunft fit zu machen.

Sumte war die Vorzeige-Einrichtung, „wir wurden als Leuchtturm-Projekt ausgezeichnet“, berichtet Thoms. Und das soll alles in wenigen Wochen zu Ende sein? Daran will die 38-Jährige nicht denken. Das Aus würde ihre Familie ganz besonders treffen. Denn neben Thoms arbeiten auch Mutter Bettina Sperling (56) als Sozialarbeiterin und ihre Schwestern Christin Puchert (29) in der Verwaltung und Annalena Sperling (19) in der Küche der Sumter Notunterkunft.

Wenn die Einrichtung geschlossen wird, werden es viele wohl schwer haben, etwas Neues zu finden. Denn Jobs gibt es nicht allzu viele in der Gemeinde Amt Neuhaus. „Ich warte erst einmal ab, ein paar Wochen Hoffnung haben wir ja noch“, sagt Mandy Thoms. Das Prinzip Hoffnung gilt jetzt nicht mehr nur für Flüchtlinge, sondern auch für die Bediensteten der Notunterkunft.

Aussagen zur Zukunft des ehemaligen Bürdorfes könnte der Besitzer der Immobilie, die Firma „Apontas“ geben, die ihren Firmensitz vor wenigen Jahren von Sumte an der Elbe nach Hannover an der Leine verlegt hatte. Doch dort hüllt man sich in Schweigen.
Was bleibt nach dem Abzug der letzten Flüchtlinge aus der Notunterkunft? Eine Bilanz zieht der Sumter Ortsvorsteher Christian Fabel: „Unser kleines Sumte hat sich weltoffen präsentiert“ und das gefällt Fabel schon mal richtig gut. „Sich auf das Wesentliche besinnen“, das habe er von den Flüchtlingen gelernt. „Manche Probleme einfach gelassener angehen.“

Ach ja eine besserere Straßenbeleuchtung habe der Ort bekommen. Allerdings brenne das Licht bald nicht mehr die ganze Nacht durch. „Muss es auch nicht!“ sagt Fabel. Selbst wenn jetzt die Lichter ausgehen, hat in Sumte keiner mehr Angst vor dem Fremden.

One comment

  1. Moin. Als Einwohner von sumte muss ich leider sagen das dieser Artikel nicht unbedingt die Wahrheit widerspiegelt. Zum Beispiel gehen im Moment Gerüchte um daß diese Einrichtung in eine ständige Unterkunft umgewidmet werden soll. Eventuell unter der Leitung der Johanniter. Falls das den Tatsachen entspricht, würde es mich nicht wundern wenn die verantwortlichen stellen dieses erst nach den Kommunalwahlen bekanntgeben würden. Es war in der Vergangenheit auch nicht unbedingt ein buntes miteinander leben, sondern es lief mehr oder weniger auf eine parallelgesellschaft mit mit desinteresse auf beiden Seiten hinaus. Einige versuche der Dorfbewohner als Gruppe mit den Migranten in Kontakt zu treten und ihnen unsere Lebensweise ein wenig nahe zu bringen blieben unbeantwortet .die gründe hierfür mögen allerdings vielfältiger Natur sein. Als Mitglied der örtlichen Feuerwehr kann ich zum Thema brandschutz in der Anlage nur lachen. In dem Punkt gehe ich lieber nicht weiter ins Detail. Falls man wirklich unser Dorf als beispiel für das ganze Land hinstellen möchte, rate ich dem aufgeklärten Leser dringend herzukommen und sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen, und vor allem mit Einwohnern zu reden deren Namen nicht in den Medien zu finden sind. Abschließend möchte ich noch sagen daß die letzten 9 Monate nicht ganz so schlimm waren wie wir anfangs befürchtet hatten, aber trotzdem genug unangenehme Dinge geschehen sind auch wenn manche dieses gerne totschweigen möchten. Mfg ein sumter