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Auf der Industriebrache in Häcklingen haben sich geschützte Tierarten angesiedelt, darunter Zauneidechsen und Fledermäuse. Foto: t&w
Auf der Industriebrache in Häcklingen haben sich geschützte Tierarten angesiedelt, darunter Zauneidechsen und Fledermäuse. Foto: t&w

Kalksandstein in Häcklingen: „Kein Abbau um jeden Preis“

us Lüneburg. Noch ist Ruhe auf dem Gelände des ehemaligen Kalksandsteinwerks in Häcklingen, doch damit könnte bald Schluss sein, wenn es nach dem neuen Eigentümer geht. Nach größeren Anlaufschwierigkeiten will die Sandabbau Häcklingen GmbH endlich mit dem Abbau von drei Millionen Kubikmeter Kies beginnen. Das sollte eigentlich schon Anfang 2015 passieren, doch gegen die Pläne regten sich schnell massive Widerstände, zuletzt legte der Landkreis sein Veto ein. Grund waren geschützte Tierarten, die auf dem Gelände der Industrie-Brache ihr neues Zuhause gefunden haben (LZ berichtete). Um dennoch abbauen zu können, sollte der Betreiber ein Konzept vorlegen, wie der Naturschutz trotz Sandabbau gewährleistet werden kann. Das soll nun zwar kommen, einen Abbau um jeden Preis soll es aber nicht geben, wie es aus dem Unternehmen heißt.

Auf dem Gelände des früheren Kalksandsteinwerks soll wieder Sand abgebaut werden. Doch noch ist fraglich, ob es wirklich dazu kommt. Foto: boldt
Auf dem Gelände des früheren Kalksandsteinwerks soll wieder Sand abgebaut werden. Doch noch ist fraglich, ob es wirklich dazu kommt. Foto: boldt

„Wir haben nicht unendlich Luft“, erklärt Dr. Tilmann Quensell, Geschäftsführer der Sandabbau Häcklingen GmbH. Die Verzögerungen seien ärgerlich, und natürlich schaue man als Unternehmen kritisch darauf, ob sich der Abbau durch behördliche Auflagen weiterhin rechne. „Noch aber sind wir nicht so weit, dass es kippt.“

Untere Naturschutzbehörde fordert Konfliktanalyse

Auch zeigt Quensell sich zuversichtlich, den Landkreis Lüneburg als Untere Naturschutzbehörde von dem Konzept überzeugen zu können, das seinem Unternehmen nun vorliege. Die Behörde hatte die Sandabbau Häcklingen GmbH aufgefordert, im Rahmen einer Konfliktanalyse aufzuzeigen, wie beides also Sandabbau und Naturschutz gemeinsam machbar sei. Zu diesem Schritt hatte sich der Landkreis entschieden, nachdem bei einer zuvor erfolgten artenschutzrechtlichen Kartierung auch dazu war der Eigentümer verpflichtet worden geschützte Tierarten nachgewiesen wurden. Vorgefunden hatte ein Hamburger Planungsbüro unter anderem Zauneidechsen, Kammmolche, Kreuzkröten, Baumfalken und Fledermäuse. Ferner hatte der lokale Umweltschutzverband „Blauer Himmel über Ilmenau“ geschützte Insektenarten festgestellt.

Anfang August will das Unternehmen sein Konzept dem Landkreis zuleiten. Dass sich dadurch Einschränkungen beim Sandabbau ergeben werden, ist Quensell durchaus bewusst: „Es wird dazu führen, dass der Abbau nicht wie ursprünglich geplant gehen wird. Dennoch wird es uns nicht von unseren Absichten abhalten.“

Bevor es aber dazu kommt, wird der Landkreis einen kritischen Blick auf das Konzept werfen. Sollte es die Behörde nicht überzeugen, könnte sie die Genehmigung zum Abbau verweigern oder Nachbesserungen verlangen. Diese könnten weitere Einschränkungen nach sich ziehen mit dem Ergebnis, dass die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens dann womöglich doch noch ins Wanken geraten könnte.

Konsensuale Lösung angestrebt

Davon aber geht das Unternehmen derzeit nicht aus. „Behörden können ja auch nicht machen was sie wollen“, sagt Quensell, der deutlich macht, dass sein Unternehmen wisse, was zulässig sei und was nicht: „Natürlich haben wir dieses Vorhaben anwaltlich begleiten lassen.“ Eine gerichtliche Auseinandersetzung aber sei „der allerletzte Weg“, zunächst strebe man immer eine „konsensuale Lösung“ an. „Sollte unser Vorhaben nicht gelingen, müssten wir uns etwas anderes einfallen lassen.“ Das könnte zum Beispiel die Erweiterung des benachbarten Wohngebietes sein, obwohl es dafür laut Quensell derzeit wohl keine Pläne gebe. Ein am Grundstück interessierter Investor habe sich jedenfalls bei ihm bislang noch nicht gemeldet.