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Das auf dem Foto rechte Gleis soll nach Plänen der Bahn Durchfahrgleis für Güterzüge werden. Die Stadt fordert Maßnahmen in Sachen Lärmschutz. Foto: phs
Das auf dem Foto rechte Gleis soll nach Plänen der Bahn Durchfahrgleis für Güterzüge werden. Die Stadt fordert Maßnahmen in Sachen Lärmschutz. Foto: phs

Zusätzlicher Güterverkehr in Lüneburg?

us Lüneburg. Wer in diesen Tagen einen Blick auf die Satellitenaufnahme des Lüneburger Westbahnhofs bei Google Maps wirft, kann erkennen, was bei der Stadt derzeit für Kopfzerbrechen sorgt: Dort ist ein mit bunten Containern bestückter Güterzug auf Gleis 302 zu sehen, dem westlichen der beiden Bahnhofsgleise. Dass hier gelegentlich Güterzüge rollen, ist zwar nichts Ungewöhnliches. Weil die Bahn dieses Gleis aber zum Durchfahrgleis machen möchte und Lüneburg damit zusätzlicher Schienen-Güterverkehr droht, regt sich Widerstand in den Amtsstuben.

„Was wir in den Antragsunterlagen der Bahn zu den geplanten Baumaßnahmen am Westbahnhof gelesen haben, hat uns stutzig gemacht“, sagt Lüneburgs Nachhaltigkeitsbeauftragter Dr. Karl-Heinz Rehbein. Dort heißt es, das Gleis sei als „Durchfahrgleis in Verlängerung des dritten Gleises Stelle-Lüneburg“ geplant. Dazu soll der bislang auf diesem Gleis nach Hamburg fahrende Metronom auf das dem Bahnhof direkt anliegende Gleis 301 verlegt werden, wo bereits der Erixx nach Dannenberg einfährt.

Rehbein irritiert vor allem, dass in den Unterlagen nichts über mögliche Lärmschutzmaßnahmen zu finden ist, da mit dem Durchfahrgleis nicht nur eine deutliche Erhöhung der Zugfrequenz kommen soll, auch die Geschwindigkeit der durchfahrenden Züge könnte drastisch ansteigen. Während die Güterzüge bislang dort noch fast mit Schritttempo fahren, sollen sie laut Planung künftig mit Tempo 100 am Westbahnhof vorbeirollen können. „Ohne entsprechende Lärmschutzmaßnahmen ein Unding“, sagt Rehbein.

Er vermutet überdies einen Zusammenhang mit dem jetzt vom Dialogforum Schiene Nord empfohlenen Ausbau der Bahnstrecke Lüneburg-Uelzen. „Im Forum wurden seitens der Bahn Pläne vorgestellt, wonach aus Kostengründen in Bienenbüttel ein Überholgleis und in Lüneburg eben dieses Durchfahrgleis für Güterzüge gebaut werden sollten.“ Zwar habe sich die Bahn von dem Überholgleis in Bienenbüttel inzwischen wieder verabschiedet, am Durchfahrgleis aber halte sie offenbar weiter fest.

„Dafür sprechen auch bereits erfolgte Baumaßnahmen im vorhandenen Gleisbestand im Bereich des Güterbahnhofs“, sagt Rehbein. Ihn stört, dass die Bahn sich zu ihren Projekten auffallend bedeckt halte: „Man fragt sich, was machen die da?“ Und weil noch weitere Baumaßnahmen geplant seien etwa die Erneuerung der Eisenbahnbrücken über die Bleckeder Landstraße und die Ilmenau in Höhe Goseburg , sieht Rehbein hier in der Summe ein Gesamtbauprojekt, das ein Planfeststellungsverfahren rechtfertigen würde. „Dann müsste man uns als Stadt beteiligen.“ Rehbein mutmaßt, dass genau dies der Grund sein könnte, warum die Bahn lieber von Einzelmaßnahmen spreche. „Wir befürchten, dass im Zuge betrieblicher Baumaßnahmen am bestehenden Gleisbestand eine Vorwegnahme des dritten Gleises stattfindet, für das aber keine Lärmschutzmaßnahmen und auch keine Beteiligungsmaßnahmen erforderlich wären.“

Die Stadt hat sich deshalb an das Eisenbahn-Bundesamt gewandt und um Mitteilung gebeten, warum bislang keine Lärmschutzmaßnahmen geplant seien. „Auf die Antwort sind wir sehr gespannt.“ Den Überlegungen, die Personenzüge künftig nur noch von Gleis 301 abfahren zu lassen, kann Rehbein aber auch Positives abgewinnen. „Dort könnte dann ein barrierefreier Bahnsteig entstehen.“ Die Stadt erhofft sich außerdem eine vertragliche Lösung für die Zuwegung zum Oberdeck des Fahrradparkhauses am Westbahnhof. Da das Bahnhofsgebäude aber in privater Hand sei, „gestalten sich die Prozesse zurzeit noch schwierig“.

One comment

  1. Karsten Hilsen

    Der Lärm von schnellfahrenen Containerzügen ist ohrenbetäubend und überschreitet unmittelbar neben dem Gleis oftmals die Schmerzgrenze des Gehörs.
    Das erfahren Bahnkunden täglich, wenn diese Züge durch die Personenbahnhöfe fahren.
    U.a. weil die Blechcontainer als Resonanzkörper wirken, selber Dröhngeräusche erzeugen und die vergleichsweise glatten Unterböden den Lärm reflektieren, verursachen Containerzüge wesentlich mehr Lärm,als alle anderen Zugarten.

    Betroffen sind insbesondere die Anwohner des Neubaugebietes „Ilmenaugarten“.
    Bei Teilen der Häuser reduziert sich die Entfernung zum Güterdurchfahrtgleis damit auf ca ein Viertel.
    Das heißt, dass sich der Schalldruck um das Sechzehnfache erhöht.