Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Umringt von Graugänsen staksen diese Kraniche an der Elbe oberhalb von Barförde herum. Vermutlich haben sie im Flachwasser übernachtet  dort sind sie vor Feinden sicher. Foto: Piter Wichers
Umringt von Graugänsen staksen diese Kraniche an der Elbe oberhalb von Barförde herum. Vermutlich haben sie im Flachwasser übernachtet dort sind sie vor Feinden sicher. Foto: Piter Wichers

Kraniche im Morgengrauen

emi Barförde. Eigentlich fotografiert Piter Wichers am liebsten Seeadler als Vorlage für seine Holzskulpturen. Aber auf das Bild, das dem Kettensägenschnitzer jetzt im Morgengrauen an der Elbe oberhalb von Barförde gelungen ist, ist er besonders stolz: Mehr als ein Dutzend Kraniche staksen im Uferbereich des Flusses zwischen Graugänsen umher. „So viele der extrem scheuen Tiere auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen“, sagt der Hohnstorfer. „Offenbar fühlen sie sich im Gänseschwarm geschützt.“

Nabu-Vogelkundler Heinz Düllberg vermutet mit Blick auf das Foto, dass es sich bei den Kranichen um einen Nicht-Brüter-Trupp handelt. „Die Tiere werden im dritten Lebensjahr geschlechtsreif, vorher tun sie sich in Gruppen zusammen, weil sie im Verbund sicherer vor Feinden sind.“ Denkbar sei aber auch, dass sich Brüter und Nicht-Brüter zusammengeschlossen haben.

Der Experte geht davon aus, dass die Kraniche im strömungsarmen Flachwasser der Elbe übernachtet haben „dort sind sie geschützt vor Füchsen und anderen Feinden“ , um dann bei Tagesanbruch auf Nahrungssuche zu gehen. Auf dem vielseitigen Speiseplan der bis zu 1,20 Meter großen und rund sechs Kilo schweren Vögel stehen Pflanzenteile, Kartoffeln sowie Mais- und Getreidekörner, weshalb man sie oft auf Stoppeläckern sieht. Aber auch Würmer und Schnecken verschmähen Kraniche nicht.

Offenbar ist der Tisch im Landkreis Lüneburg reich gedeckt. „Weil hier die Nahrungs- und Brutgebiete gut sind, hat die Kranichpopulation in den vergangenen Jahren zugenommen“, sagt Düllberg, mindestens 30 bis 40 Brutpaare gebe es aktuell im Kreis. Kraniche brüten besonders gern in Sumpf- und Auwäldern sowie in verlandenden Seen und Teichen. Als Bodenbrüter müssen sie ihr Gelege und die Jungen vor Feinden wie Füchsen und Wildschweinen, aber auch vor Menschen schützen. Deshalb bauen sie ihre Nester in etwa knietiefem Wasser.
Im Herbst, wenn die Jungen flügge sind, werden sich die Vögel wieder in Trupps auf die Reise in ihre Winterquartiere in Spanien und Portugal begeben. Und dann mit ihren schmetternden Trompetenrufen am Himmel lautstark auf sich aufmerksam machen.