Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Die Gründerzeitbauten mit ihren Gärten prägen das Areal Lösegraben. Das soll auch so bleiben, findet die Stadt. Foto: phs
Die Gründerzeitbauten mit ihren Gärten prägen das Areal Lösegraben. Das soll auch so bleiben, findet die Stadt. Foto: phs

Lüneburg will wilde Bebauung am Lösegraben verhindern

ahe Lüneburg. Es ist eine Top-Lage: einerseits idyllisch direkt am Lösegraben mit viel Grün drumherum, andererseits in der Innenstadt, gerade wenige Gehminuten von den Fußgängerzonen entfernt. Das Gebiet ist geprägt durch gründerzeitliche Gebäude mit zwei oder drei Geschossen, großen Gärten mit vielen alten Bäumen. Diesen Zustand gilt es zu bewahren, findet die Stadt und will das Areal zwischen Lüner Damm und Altenbrückerdamm auf der einen Seite und Schifferwall und Schießgrabenstraße auf der anderen Seite nun vor „städtebaulich unangemessenen Veränderungen schützen“, wie es von der Verwaltung in einer Vorlage für die nächste Bauausschusssitzung heißt. Anlass seien drei aktuelle Bauanfragen in dem Gebiet.

„Die Bauherren hätten hier sehr große Gestaltungsspielräume. Wir sehen das kritisch und haben deshalb Regelungsbedarf.“
Daniel Gritz (Pressesprecher Stadt Lüneburg)

Erst Sperre, dann Bebauungsplan

Mit dem Aufstellen eines Bebauungsplans für das Gebiet verfolgt die Stadt das Ziel, „die Gestaltungs- und insbesondere zum Lösegraben hin auch die Freiflächenqualitäten dieses innenstadtnahen Quartiers zu bewahren“, heißt es in der Vorlage. Stadtpressesprecher Daniel Gritz erläutert: „Die Häuser in der näheren Umgebung sind sehr unterschiedlich in ihrer jeweiligen Bauweise. Deswegen hätten Bauherren nach Paragraph 34 des Baugesetzbuches hier sehr große Gestaltungsspielräume. Wir sehen das kritisch und haben deshalb Regelungsbedarf.“ Zur Erklärung: Aktuell gilt es in dem Areal keinen Bebauungsplan, deshalb ist für Neubauten maßgeblich, wie die Häuser in der Nachbarschaft aussehen.

Bebauung Lüneburg
Die Luftaufnahme vom Gebiet: Rot eingerahmt ist das Areal, das die Stadt mit einem Bebauungsplan schützen möchte.

Neubau für alte Villa

Gerade erst war die alte, weiße Villa, in der die CDU bis zum vergangenen Jahr ihre Geschäftsstelle hatte, abgerissen worden (LZ berichtete). Andreas Ohlms plant an gleicher Stelle einen Neubau mit fünf Wohnungen. Ein paar Meter weiter ist seit langem eine Baustelle, auf der es allenfalls schleppend vorangeht, Manfred Schulte errichtet am Lüner Damm ebenfalls ein Mehrfamilienhaus. Nun hat die Stadt offenbar die Befürchtung, dass sich durch die Abrisse und Neubauten das Gesicht des Karrees zu stark verändert. Nicht alles, was aktuell machbar wäre, würde die Stadt goutieren.

Gritz führt weiter aus: „Bei der Bauleitplanung geht es um Art und Maß der baulichen Nutzung, um die Festlegung von Gestaltungvorschriften und um die Definition von zu erhaltenen Grünbereichen.“ Heißt: Die Stadt könnte dann zum Beispiel regeln, wie viel Fläche maximal überbaut werden darf, wie hoch Gebäude sein dürfen und wie die Dächer aussehen. Weil es einige Zeit dauert, bis ein solcher Plan Rechtskraft erlangt, soll gleichzeitig mit einer Veränderungssperre verhindert werden, dass Fakten geschaffen werden, bevor die neuen Regeln wirksam werden. Denn mit der Sperre, die zunächst zwei Jahre lang gelten würde, aber auch um ein weiteres Jahr verlängert werden könnte, kann die Stadt Bauvorhaben zurückstellen, bis die neuen Festlegungen und Pläne erarbeitet, ausgelegt und beschlossen sind. Gritz skizziert die Folgen: „Zwischenzeitlich sind nur Maßnahmen genehmigungsfähig, bei denen davon auszugehen ist, dass sie den künftigen Festsetzungen entsprechen. Das wird jeweils im Einzelfall zu prüfen sein.“

In Zusammenhang mit jüngeren Bauvorhaben waren in dem Gebiet auch viele Bäume gefällt worden. Gritz aber sagt: „Mit Baumfällungen in der jüngsten Zeit steht unser Wunsch nach einer Veränderungssperre in diesem Gebiet nicht in Zusammenhang. Für Bäume gilt die Baumschutzsatzung der Stadt.“ Dort ist geregelt, welche Bäume gefällt werden dürfen, im Bundesnaturschutzgesetz sei zudem vorgegeben, zu welcher Zeit Fällungen überhaupt gestattet seien. So ist die Brut- und Setzzeit zum Beispiel tabu. Dafür wäre dann aber die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises zuständig.

Die Stadt sieht offenbar Eile geboten, denn der Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung tagt am Montag, 1. August, (15 Uhr im Traubensaal des Rathauses) sogar in den Schulferien, in denen sonst eigentlich Sitzungspause ist. Das Areal am Lösegraben ist neben Regularien das einzige Thema.